Sowohl als auch.

BildBevor ich mir die Frage von Nina auf Libromanie beantworte, ob ich es bevorzuge, Rezensionen vor dem Buch oder nach dem Buch zu lesen, stell ich mir die Frage: Was wünsche ich mir von einer Rezension?

Zunächst interessieren mich nur begeisterte Rezensionen. Sehr selten widme ich mich den Ein-Stern-Nörglern, auch wenn da mal ganz intelligente und wirklich leidenschaftliche darunter sind.  Wenn ich stöbernd durch Buchhandlungen streune und auf interessante Titel stoße, bei denen mir der Autor nicht bekannt ist, rufe ich mir die Bewertungen bei amazon & Co. ab. Da lese ich auch ein paar Rezensionen mobil quer. Doch ich ignoriere jegliche Inhaltsangaben, besonders solche, die wie ausführliche Reisebeschreibungen daherkommen. Bücher sind für mich fast immer eine Einladung zu einer Entdeckungsreise. Und die möchte ich gerne noch so jungfräulich wie möglich selbst machen. Andere ziehen da sicher einen multimedialen Diavortrag vor.

Von Rezension wünsche ich mir zuvorderst einen lustvollen Stimmungsbericht des Lesers. Was hat sie/ihn nachdenklich gemacht, angeregt, weiter zu denken, was hat sie/ihn amüsiert, gerührt, hat sie/er laut gelacht. Anschauliche Analogien, die mir die Intention des Buches veranschaulichen, Introspektionen über die Wirkung des Buches oder auch Briefe an den Autor wären Stilmittel, die ich mir für Rezensionen öfter wünschen würde.

BildMeine Intention zu eigenen Rezensionen ist zunächst eine subjektive, kritische und bewusste Reflexion über das Gelesene – oder besser „Erlebte.“ Es ist also zuerst ein persönlicher Logbuch-Eintrag. Erst im Verlauf des Notierens entscheide ich mich, ob ich eine öffentliche Rezension daraus werden lasse. Zunächst will ich mir die Erinnerung deutlicher bewahren, will mir manches klarer machen und manches auch selbstkritisch hinterfragen. Und dabei helfen mir dann auch die im Nachhinein gelesenen Rezensionen anderer Leser, denen ich dann auch gerne mal mit einem „ja“ für hilfreich danke.

Rätselhaft bleibt mir in diesem Zusammenhang der Charakterzug immer häufiger auftretender Rezensionsleser, die interessante und umfassende Rezensionen mit „nein“ , also als nicht hilfreich beurteilen, nur weil sie offenbar nicht mit dem Urteil übereinstimmen. Doch muss ich dies wohl zu den vielen weiteren Dämlichkeiten der Menschheit hinzuzählen, die das Netz heute transparenter denn je macht.

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