Papa, was machst Du eigentlich?

Felix Mein sechsjähriger Sohn brachte mich im vergangenen Jahr in Verlegenheit: „Papa, morgen sollen wir in den Kindergarten zu „Show & Tell“ was Typisches von Papas oder Mamas Arbeit mitbringen.“

Hm, zunächst – wie wohl viele kopfarbeitende Väter heute – war ich etwas perplex. Dann begann ich zu grübeln. Meinen Kopf konnte ich ihm nicht ausleihen. Meinen Mac, mein Smartphone oder Tablet? Alles zwar hoch im Kurs bei den Kleinen, aber die wollte ich doch nicht entbehren. Und auf die Schnelle ein Flipchart oder Laserpointer war auch nicht zu organisieren.

10944329_s

Unseren Kindern Berufsbilder anschaulich zu vermitteln, ist für unsere Generation eine ernsthafte Herausforderung, der wir uns mal aktiv stellen sollten. Nur wenige können ihren Kindern noch handfest und nachvollziehbar veranschaulichen, was sie eigentlich tun, was der Grund ist, dass sie tagtäglich das Haus verlassen und was sie am Ende der Woche zustande gebracht haben. Hier sind ÄrztInnen, HandwerkerInnen, LKW-FahrerInnen und Feuerwehrfrauen und -männer klar im Vorteil. Doch die Heerscharen an ManagerInnen, die wochentäglich auf Flughäfen und Bahnhöfen sehr relevant umherwimmeln, um dann in muffigen Meetingräumen und TageslichtDIN Büros ihr Tagwerk verrichten, sind am Abend vor ihrem Sechsjährigen in stotternder Erklärungsnot. So auch ich an diesem Abend. Ich kam mir vor als wenn mich ein wichtiger Kunde soeben kontaktiert hätte, und mich bittet, doch morgen mit ihm seiner/seinem VV den aktuellen Stand der neuen Produktstrategie, an der wir seit Wochen bastelten, auf eine paar Slides zu präsentieren.

Ich war also wieder hellwach und wusste, es wird eine lange Nacht, die du investieren musst, wenn du dich morgen nicht gänzlich blamieren willst. Also es musste ein konkretes Arbeitsbeispiel her. Doch was soll ein Berater und Kreativer da liefern? Bullshit-Bingo für den Kindergarten? Fände mein Sohn am Ende doch peinlich. Er hatte ja bislang immer behauptet, ich sei Polizist.

Ich öffnete den obligatorischen Rotwein, legte mir meinen Mac auf den Schoß und suchte nach passenden Arbeitsbeispielen und hoffte auf Inspiration. Und dann kam mir eine Idee, die mir, ihm und hoffentlich manch einem hier Spaß macht und ein wenig illustriert, was so einer macht, der berät und Ideen verkauft. Da ich ja nur wenige Stunden Zeit hatte, bitte ich die Bildrechte-Inhaber um Verzeihung, wenn ich mich hierfür ungefragt bedient habe.

Und wen jetzt die Resonanz meiner Kunden noch interessiert: als ich meinem Sohn am Morgen beim Frühstück die Präsentation zeigte war er noch recht skeptisch:

„Das musst Du aber alles erklären.“

„Ja, ich zeige es Verena und die hilft Dir dann, wenn Du es den anderen erklären sollst.“

„Mm. Na, gut.“

Am Abend war ich dann schon etwas aufgeregt. Wollte doch bald erfahren, ob es angekommen ist und gefallen hat. Aber mein Sohn erzählt auch nichts vom Tag ohne das man insistiert.

„Und, wie fanden es Deine Freunde?“

„Was?“

„Na, was Du heute bei „Show & Tell“ vorgestellt hast.“

„Ach, das. – Gut.“

„Ok, gut. … Fanden sie es auch interessant, lustig, haben sie es verstanden?“

„Was?“

„Na, die, die Idee und so.“

„Nich sooo. – Aber alle haben gefragt, ob wir das jetzt auch wirklich machen.“

„Ja, wenn ihr wollt.“

„Ja, klar wollen wir. Ist doch super.“

Puuh. Ist ja noch mal gut gegangen. Bin gespannt, wann ich wieder ran muss.

P.S. Ich habe selbstverständlich auch gefragt, was die anderen denn so von ihren Vätern und Müttern alles mitgebracht haben. „Handies.“ Okay, wie geschrieben, unseren Kindern Berufsbilder zu veranschaulichen, ist eine Herausforderung, der wir uns stellen sollten.

Advertisements