Buchliebe: Nichts Gutes, außer man tut es.

Geschenkbuch

Ich wünsche mir eine „Book-Gift-Challenge“ zu Weihnachten.

Geschenke erhalten ja bekanntlich die Freundschaft. Buchgeschenke aber noch mehr.

In diesem Jahr sind die Wogen des digitalen Sturms in dem der alte Buchbranchen-Dampfer schippert, noch mal richtig hochgeschwappt. Auf Deck wurde heftig debattiert, geschimpft, gebasht und offene Briefe wurden geschrieben. Jetzt ist es an der Zeit, Wunschzettel zu schreiben.

Mein Wunsch ist es, dass sich alle sentimentalen Buchliebhaber von ihrem analogen Ross hinunter- und sich von Buch-Bloggern und Buch-Netzwerkern an die Hand nehmen lassen, um im Netz viral was fürs Buch und die Autoren zu tun.(Nachtrag: Mir geht es einzig darum, Buchliebhaber zu aktivieren. Es wurde jetzt das ganze Jahr gejammert und der Goliath amazon verteufelt. Am besten zur Wehr setzt man sich, wenn man aktiv selbst in der Netzwelt agiert und für seine Leidenschaft trommelt. Wenn alle Buchliebhaber im stillen Kämmerlein sitzen und in die gedruckte Tageszeitung fluchen, dass das Ende der Buchkultur bevorstünde, hört es höchsten der Nachbar. Wer ein Buch als Geschenk anstatt einer Flasche Wein, einer CD oder einer DVD bevorzugt, sollte es verkünden. Das Internet ist nicht Fluch, sondern vielleicht die letzte Hoffnung für eine wachsende Buchkultur. Ansonsten stirbt sie ja bekanntlich zuletzt.)

Welche beeindruckenden Aktionen das Netz uns ermöglicht, hat vor kurzem die Ice-Bucket-Challenge gezeigt. Sicher braucht es das nicht im Wochentakt wieder. Doch demnächst steht die große Zeit des Buches an: Weihnachten. Eine Chance, die wir Buchliebenden nicht verstreichen lassen sollten. Deshalb wünsche ich mir eine vergleichbare Aktion für das Buch – gleich, ob eBook oder Print und völlig egal, welches Genre. Einzig wünschenswert wären aktuelle Bücher von lebenden Autoren, denen die Aktion dann auch zugute kommt.

Mein Vorschlag ist eine Initiative, die lauten könnte:

#Buchgeschenk-aus1mach3

Ich schenke öffentlich in meinem Netzwerk drei Freunden je ein ausgewähltes Buch. Das verbinde ich mit dem Wunsch, dass die Beschenkten auch wiederum drei Bücher auswählen sollen und diese dann ebenfalls öffentlich an drei Freunde mit der gleichen Bitte verschenken. Und so fort.

Sicher gäbe es noch alternative Mottos (oder Motti) wie z.B.

Ich-schenk-Dir-ein-Buch

Ich-schenk-ein-Buch-mehr

Ichschenkwasmitbuechern

book-gift-challenge

Aus-Liebe-zum-Buch

Unter welchem #Hashtag auch immer diese Aktion die Runde macht, ich wünsche mir nur, dass alle aus ihrer Liebe zum Buch ein öffentliches Ereignis machen. Und die Weihnachtszeit bietet dafür den schönsten Anlass.

Es steht jedem frei, wie sie/er seine Buchgeschenke präsentiert. Ein einfacher Post auf Facebook, eine ausführliche Beschreibung zu jedem Buch oder ein Video vor seiner Lieblingsbuchhandlung, wäre mir gleich. Hauptsache, es wirkt.

Wichtig ist nur, dass die ausgewählten 3 Freunde keine Netzwerk-Muffel sind. Denn dann gerät das ganze schnell ins Stocken.

Mein Weihnachtswunsch wäre damit schon erfüllt. Und wer sich dafür ebenso begeistern kann, teilt bitte dieses gemeinsame Ansinnen. Vielleicht finden sich dann bald auch ein paar Prominente, die das mit viraler Macht unterstützen. Mir wäre selbst Jeff Bezos willkommen.

Doch viel mehr würde ich mich freuen, wenn u. a. alle Buch-Blogger, alle Autoren und sonstigen Buchbegeisterten, die sich in diesem Jahr so engagiert haben, auch bei dieser Aktion dabei wären.

Und wenn es denn noch etwas konzertierter werden soll, kann man ja die anstehende Buchmesse nutzen, um sich abzustimmen. Bin gern dabei.

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4 Gedanken zu “Buchliebe: Nichts Gutes, außer man tut es.

  1. Tolle Idee. Ich mache mir nur Sorgen, dass meine Freunde nicht begeistert sind, wenn ich sie dazu verdonnere drei Bücher zu verschenken. Das sind ja immerhin mindestens 30 Euro. Vielleicht lieber eins? Dann verbreitet es sich nicht so schnell, aber dafür muss man kein schlechtes Gewissen haben…

    • Danke für den Zuspruch und das Kommentieren. Sicher kann jeder nur nach seinen finanziellen Möglichkeiten agieren, doch bei Büchern findet sich hier immer auch eine sehr günstige Lösung. Es gibt eBooks schon ab 1,99 und man kann auf dem Bücher-Flohmarkt Ausschau halten oder auch ein gelesenes verschenken. Letztlich wählen wohl die meisten ja auch Freunde aus, die sie sowieso beschenkt hätten.

      Mir geht es ja primär darum, öffentlich Buchgeschenke zu empfehlen und damit zu bestärken, um so auch zu zeigen, dass es mit der Buchkultur nicht abwärts geht.

      Ich muss jedoch gestehen, dass die Resonanz auf meinen Vorschlag bislang sehr verhalten ist und auch keine besseren Ideen vorgeschlagen bzw. auf bessere hingewiesen wurden, sondern nur Bedenken. Das bestärkt leider meinen Eindruck, dass die Mehrheit der Buchliebhaber bevorzugt kulturpessimistisch klagt und sich weniger gerne optimistisch engagiert. Aber ist ja noch ein bisschen Zeit bis Weihnachten.

  2. Im Grunde eine tolle Idee, wobei ich doch Buch UND Rotwein als Geschenk vorzöge… Ich wüsste aber nicht, welchem meiner Freunde ich welches Buch schenken sollte, und brächte wiederum diese in die Bredouille… Allerdings verschenke ich gern Bücher und bringe auch mal etwas „Abendlektüre“ als Aufmerksamkeit mit, aber ob es das wert ist, öffentlich kundgetan zu werden? Zumal es sich dabei häufig um leicht verdauliche und damit auch gut verkaufte Kost handelt. Vielleicht gibt es ja weitere oder gar andere Meinungen hier zu erfahren.

    Viele Grüße
    Ronald Dempfel

    • Danke fürs Kommentieren. Wie schon im Tweet dazu angedeutet, zielt die Idee daraufhin, mit einem öffentlichen Buchgeschenk jeweils drei neue öffentliche Buchgeschenke auszulösen. Es ist/war einfach der Versuch, einen konstruktive Idee in diese mich etwas ernüchternde Debatte über das nahende Ende der Buchkultur einzubringen. Wenn diese zumindest dazu anregen würde, eine bessere Idee zu finden, hätte es ja auch schon seinen Zweck erfüllt.

      Genau das ist es, was ich in der Branche seit Jahren vermisse. Man debattiert auf Podiumsdiskussion immer nur darüber, welch paradiesische Zustände wir doch in Deutschland haben und wie man die weiter schützen kann. Doch aus diesem Paradies werden über kurz oder lang auch die Letzten vertrieben. Denn das Geschäft orientiert sich nicht an der elitären Minderheit von uns Buchliebhabern, sondern an der Masse an Entertainment suchenden. Und für die ist die traditionelle Buchbranche so attraktiv wie der Oberstudienrat am Gymnasium.

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