Lasst die Reichen doch reicher werden.

St_TropezUnsere ideologische Brille macht uns häufig blind für einfache Logik. So sollte man die populistische Empörung darüber, dass immer weniger Menschen den größten Teil des materiellen Reichtums anhäufen, mal abklingen lassen und nüchtern das Szenario hinterfragen:

In unserem Land lebt die überwiegende Mehrheit in Wohlstand. Wobei Wohlstand eben heißt, dass man einen akzeptablen Wohnraum hat, sich gesund und ausreichend ernähren kann, akzeptable bekleidet ist und sich die ein oder andere individuelle Anschaffung leisten kann sowie genügend bezahlbare Angebote erhält, um auch seinen geistigen und kulturellen Hunger stillen zu können. Und über diesen Wohlstand verfügen selbst Geringverdiener in Deutschland.

Was sichert uns diesen Status quo? Regelmäßige mtl. Einkünfte, Preisstabilität bzw. niedrige Inflation.

Bildquelle 123rf

Ideologisch suggeriert wird uns nun – unsere menschliche Schwäche „Neid“ ausnutzend – , dass es da ein paar wenige Superreiche gibt, die Jahr für Jahr auch noch immer reicher werden und das dies doch ungerecht sei. In welcher Hinsicht ungerecht? Werden die Reichen immer reicher, weil sie uns ärmer machen? Nein, der allgemeine Wohlstand wächst weiterhin. Es geht uns gesamt materiell nicht schlechter sondern besser als vor 10 Jahren. Es sind nur nebenbei auch ein paar wenige unglaublich reich geworden.

Stellen wir uns nun vor, dass unserem „Neid“ genüge getan würde und wir nun diesen Reichtum der Wenigen umverteilen. In Deutschland gibt es ca. 1,1 Mio. Millionäre mit einem geschätzten Vermögen von € 4 Billionen. Unterstellen wir mal, es ließe sich 50% deren Vermögen liquide machen, ohne das daraus ein wirtschaftshemmender Schaden entsteht. Diese Millionen verteilen wir nun auf alle Bundesbürger (ca. 80 Mio.), so dass nun jeder über 25.000 Euro mehr verfügt. Eine vierköpfige Familie hätte dann € 100.000,– zusätzlich auf dem Konto. Was würde dann passieren? Wer jetzt glaubt, es würde doch allen dann deutlich besser gehen, der hat nicht mal die Grundlogik der Ökonomie verstanden.

Im besten Fall würden wir das Gefühl uns nun etwas mehr leisten zu können etwa ein Jahr genießen. Danach wären wir dann aber deutlich ärmer. Denn mit dem Schub an Massenkonsum und Bereitschaft, mal etwas mehr auszugeben, erhöhen sich ganz erheblich und langfristig die Preise. Und unser Wohlstand, den wir vor dem Geldsegen hatten, würde nach gut einem Jahr schon deutlich teurer werden. Nach ca. zwei Jahren wäre wohl alles aufgezehrt und wir müssten nun erheblich mehr verdienen, um unseren Status Quo aufrecht zu erhalten.

Die Folgen einer Vermögensumverteilung kann man exemplarisch im privaten Immobilienmarkt gut beobachten. Dort werden häufig Häuser zu einem großen Anteil aus einem Erbe finanziert. Wer heute für ein Haus € 500.000,– zahlt, der kann es mehrheitlich nicht mit einem 100%-Kredit finanzieren, den er dann nur mit Lohneinkünften tilgt (Hierzu müsste er ca. € 2.500,- mtl. über 30 Jahre zahlen.) Viele können den Preis nur zahlen, weil sie oftmals ein Erbe zur Verfügung haben. Das Erbe ist es, das die Preise am Immobilienmarkt nach oben treibt. Gäbe es dieses Erbe nicht, sprich keine Vermögensumverteilung, wären die Preise deutlich niedriger.

SimmelDas Fazit aus dieser Logik ist das Grauen alle ideologisch blinden Sozialkritiker: die wachsende Akkumulation von Vermögen auf nur wenige Personen der Gesellschaft sichert vorhandenen allgemeinen Wohlstand mehr als die Umverteilung der Vermögen. Ein paar wenige Milliardäre und auch ein paar mehr Millionäre können nun mal nicht so signifikant konsumieren, dass die Lebenshaltungspreise steigen – höchsten für Champagner, Kaviar und Goldschmuck. Und wenn es immer weniger, immer reicher werden Milliardäre und Multimillionäre gibt, sinken sogar die Preise für Jachten und Luxusautos.

Unser gesellschaftlicher Wohlstand ist nicht das Ergebnis einer gerechteren Vermögensverteilung zwischen Superreichen und soziale Benachteiligten, sondern er ist das Ergebnis einer fair und wertschätzend bezahlten Lohnarbeit. Und damit dies möglich ist, müssen wir alle diese Arbeit auch entsprechend bezahlen.

Wer eine halbe Stunde beim Friseur sitzt und dafür nicht bereit ist € 15,– zu zahlen, hemmt den wachsenden Wohlstand mehr als der Millionär, der eine Konzertkarte für € 500,– erwirbt, um in der ersten Reihe zu sitzen. Das Konzert genieße ich – wohl auch dank seiner subventionierenden „Dekadenz“ – genauso auf meinem Stehplatz im Rang für € 15,–.

Nachtrag: wer sich gerne an der Geschmacklosigkeit der Reichen mehr weiden möchte und das auch noch hochkulturell beflissen, der sollte die Ausstellung „Fette Beute“ des Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe vom 18. Oktober an besuchen.

ReicherJungeDer tagtäglichen Dekadenz kann man aber auch hier folgen.

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