Michel Houellebecq Unterwerfung: die ersten hundert Seiten.

IMG_8954Es ist angerichtet. Seit gestern halte ich das Buch in den Händen und bin nun über 100 Seiten weit gekommen. Meinen Wunsch, sich über „Unterwerfung“ zumindest im virtuellen Salon des Netzes auszutauschen, hat Jochen Kienbaum im doppelten Sinne geteilt. Auf seinem Blog „Lustauflesen“  lädt auch er ein, an seinen ersten Eindrücken und Gedanken zum Roman teil zu haben und verweist auch liebenswürdig auf mich.

Seine ersten Notizen, die er zu „Unterwerfung“ machte, beschreiben einen sehr ähnlichen Eindruck von meinem Einstieg in den Roman. Die ersten 60 Seiten habe ich sehr amüsiert gelesen. Houellebecq bedient jede Menge Klischees über eine dekadente, akademische Oberschicht. Ja, man könnte sich beim nächsten Akademiker-Stammtisch einiger seiner Zoten bedienen und wird sicher so manchen Schenkelklopfer auslösen.

Bildschirmfoto 2015-01-18 um 00.20.44Diesen Houellebecq lese ich bislang sehr entspannt. Die Geschichte hat einen gelungen Spannungsbogen, der vom ersten Kapitel an gleichmäßig angezogen wird. Die Figuren sind allesamt houellebecqische Stereotypen, allen voran die Hauptfigur Francois. Aus dessen nihilistisch-zynischen Perspektive wird uns die Welt, wie sie seines Erachtens ist, erklärt. Ich habe vieles angestrichen und einige Passagen mit Grinsegesichter am Rand markiert. Der Stil ist meisterlich, Houellebecq komponiert in unaufgeregter Tonlage, jedes Wort empfinde ich perfekt gewählt und die Schar an Nebenfiguren sind weise ausgewählt, um die zahllosen politisch inkorrekten Seitenhiebe in die passenden Münder zu legen.

Der Roman erfüllt bislang eine Menge an zu erwartenden sarkastischen Klischees über ein saturiertes, bürgerlich-akademisches Milieu in den westeuropäischen Metropolen. Hier ist sich Houllebecq treu geblieben. Einzig bei der eingeflochtenen Liebschaft seines Protagonisten zu einer jüdischen Studentin wird er fast rührend romantisch (und auch hocherotisch).

Der erste Leseeindruck ist noch zu wenig eingesickert, um schon zu resümieren. Doch meine eingangs gestellt Frage, ob ich hier das Werk eines Misanthropen oder Weisen vor mir habe, würde ich derzeit mit „Sowohl als auch“ beantworten.

Advertisements

2 Gedanken zu “Michel Houellebecq Unterwerfung: die ersten hundert Seiten.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.