Bloggerparty bei Richard Gutjahr

King_Arthur_and_the_Knights_of_the_Round_TableAls Richard Gutjahr gestern seinen Blogbeitrag gepostet hatte, habe ich erst gezögert, den herrlichen Balsam für die Bloggerszene zu kommentieren. Tat´s dann aber doch:

Danke, so naheliegend das Thema bzw. die Frage ist, „Warum wir bloggen?“, so wird die Frage doch nur aus der Perspektive der eigenen Motivation beantwortet. Die ist denn – wie hier ja auch – oftmals eine sehr idealistische. Was jedoch wünschenswert wäre, ist auch mal die Konsequenzen des Bloggens zu diskutieren, die es für die Berufsschreiber mit sich bringt. Denn Bloggen ist ja Open-Source-Philosophie bei Inhalten. Und mit der selben blinden Begeisterung, mit der sich Open-Source-Entwickler zusammenfinden, um Software kostenfrei zu entwickeln, die ganze Wirtschaftszweige gefährden, tragen auch (kompetente) Blogger zunehmend dazu bei, dass der Wert von journalistischer Arbeit sinkt. Gerade weil zunehmend herausragende Qualität in Blogs geboten wird, macht dies den Berufsschreibern zu schaffen.

Denn was viele Blogger und Open-Source-Entwickler verdrängen, ist, dass sie alle eine teure und professionelle Ausbildung in dem Bereich bekamen, die sie nun wirtschaftlich kaum wertschöpfend nutzen. Ja, teils arbeiten sie in den Berufen und beginnen in ihrer Freizeit am Ast dieser Berufe zu sägen. Denn wenn in letzter Konsequenz jeder bezahlte Software-Entwickler von Microsoft, Google & Co. kostenlos entwickelt, frag man sich, womit seine Firma zukünftig denn Geld verdienen soll. Und wenn jeder Experte in seiner Freizeit sein Fachwissen verschenkt, darf man sich fragen, womit er später denn sein Geld verdienen will und wie seine Ausbildungskosten refinanziert werden sollen.

All das schwingt wohl auch in den Vorhaltungen gegen das Bloggen latent mit und scheint mir durchaus berechtigt. Ich werde mich noch mal intensiver mit meinem Gedanken beschäftigen und ihn etwas substantieller versuchen zu erörtern.

Gezögert habe ich, weil mir klar ist, dass dies nicht ganz in die Partystimmung passte, die Richard Gutjahr verbreiten wollte. Und ich feiere ja auch gerne am Rand ein bisschen mit und freue mich über die illustre Gesellschaft an Bloggern. Einige habe ich ja virtuelle schon näher kennengelernt und schätze sie sehr. Denn letztlich sind Blogger die idealistischen Leuchttürme im Netz, die mir meine Hoffnung aufrecht erhalten, dass das Netz neben aller Dämlichkeit auch eine enorme Bereicherung für geistreichen Austausch ist, einiges zur konstruktive Meinungsbildung beitragen kann und enorme Befriedigung von Wissensdurst und Entdeckerlust verschafft. Daran haben Blogger & Co. (z. B. auch Rezensenten, Wiki-Verfasser oder Pod- und Videocaster) einen nicht unerheblichen Anteil.

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Der Kommentar von Richard Gutjahr auf meinen.

Dennoch steh ich dazu, als Spaßbremse zu fungieren, weil mich die im Kommentar angesprochene doch sehr häufig unreflektierte Begeisterung einer idealistischen Netzkultur wurmt. Ein gutes Beispiel dafür in meinem Bloggerkosmos ist die Kampagne vieler Blogger zur Stärkung des stationären Handels und des haptischen Buches gegen die marktzerstörerische Macht des Onlinehandels und der Digitalisierung der Medien. Es liegt mir fern, das Ansinnen zu diskreditieren. Ich habe dafür auch viel Sympathie.

Doch als bloggende, unbezahlte Rezensenten und Kulturkritiker müssen wir uns zugleich eingestehen, dass wir die sinkenden Honorierung von journalistischer Arbeit  und auch das Sterben vieler Medien beschleunigen. Aus qualitativer Sicht sind die Beiträge vieler Blogger meines Erachtens eine Bereicherung, wie ich ja in meinen Beitrag über die Kritik zu Literaturkritik erläutert habe. Doch nichtsdestotrotz sind wir Blogger aktiver Teil einer disruptiven Netzökonomie und zwar einer sehr bedenklichen.

Wir sind Teil der Plattform- und Netzwerkangebote wie Uber, Airbnb, ebay aber eben auch Open-Source-Aktivisten und kostenfreier Expertenblogs, die Teilmärkte langfristig zerstören werden. Denn in diesen Angebotsmärkten tummeln sich überwiegend Leute, die ihre hervorragende Leistungen oder guten Produkte nicht ökonomisch kalkuliert anbieten.

MakersWie in meinem Kommentar schon angesprochen, geschieht dies nicht selten so blauäugig, dass Menschen, die langjährig – erst von der Gemeinschaft, dann von Unternehmen – ausgebildete Experten wurden, dafür einen hohen Lohn im Job erhalten, am Feierabend vergnügt ihre Kenntnisse und Fähigkeiten idealistisch und zu Lasten ihres eigenen Berufsstandes verschenken. Ganze Wirtschaftsutopien setzen auf diese ökonomische Kurzsichtigkeit, wie ich u. a. im Buch von Chris Anderson „Makers“ lesen durfte.

Der Broterwerb der meisten Blogger liegt nicht im professionellen Publizieren ihrer Bloggerthemen. Wenn der Bloginhalt mit der beruflichen Passion zusammen fällt, dann ist er oftmals auch eine sehr angenehme und kluge Form des Empfehlungsmarketings. Und wenn ein Buchhändler über Bücher bloggt ist dies sogar wünschenswertes Marketing.

Doch wenn ein Journalist journalistische Themen bloggt wird es kritisch und ambivalent. Klar, auch er kann für sich in Anspruch nehmen, er wolle sich damit empfehlen. Doch empfiehlt er sich dann meines Erachtens mit einer kostenlosen, abgeschlossen Leistung in bester Qualität. Es wäre so, als würden FriseurInnen anbieten, dass der erste Haarschnitt bei ihnen kostenfrei ist oder in Hotels die erste Übernachtung oder in Restaurants das erste Essen eines neuen Gastes gratis. Das sind Marketingideen, die diese Märkte in Kürze kaputt machen würden. Denn nicht wenige würden dann von Friseur zu Friseur, von Hotel zu Hotel oder Restaurant zu Restaurant hoppen.

Und nebenbei bemerkt: dieses Problem betrifft sehr ähnlich auch die vielen Selfpublisher, die ihre erste Veröffentlichung für € 0,99 anbieten. Einzelne mögen davon profitieren und tatsächlich Leser gewinnen, die sie mit einem soliden Preis von € 9,99 nicht erreicht hätten. Kaufmännisch ist das aber völliger Humbug. Doch die Dynamik im Markt ist nun durch dieses inflationär genutzte Preisdumping so groß geworden, so dass es langfristig allen Marktteilnehmern schadet. Noch grenzt sich der etablierte Buchmarkt vom Markt der Selfpublisher deutlich ab. Dadurch bleibt der Schaden (Preisdumping & Qualitätsskepsis) weitgehend auf den Markt der Selfpublisher beschränkt.

Doch ich befürchte, dass dies nicht mehr lange so bleibt. Und die ersten, die darunter leiden werden, sind die hoch ambitionierten kleinen, unabhängigen eBook-Verlage. Denn hier werden viele Buchkäufer bald kaum noch einen Unterschied wahrnehmen, sobald sich die Selfpublisher auch im Bereich der Buchgestaltung und im Lektorat mit Hilfe von sehr günstigen bis kostenlosen Netzangeboten professionalisiert haben. Vergleichbares konnten wir in den vergangenen Jahren bei der Gestaltung von Webseiten beobachten. Für die Gestaltung einer ansprechenden Homepage oder eines Blogs braucht man heute kaum noch einen Webdesigner.

Ich schreibe dies nicht, um zu mahnen, sondern um zu sensibilisieren. Alles, was wir tun, sollten wir nicht nur auf unser idealistisches Wohlbefinden ausrichten, sondern auch die Effekte bedenken, die dieses Tun insgesamt hat.

IMG_8357So, jetzt will ich aber die Partystimmung nicht mehr weiter runterziehen. Ich rauch noch eine, und verschwinde dann französisch.

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14 Gedanken zu “Bloggerparty bei Richard Gutjahr

  1. Jaron Lanier Wem gehört die Zukunft?“ Empfohlene Visions – Lektüre zu dieser Thematik.

  2. Wieder mal ein interessanter Beitrag und nicht minder interessante Kommentare.
    Wenn du schreibst „…tragen auch (kompetente) Blogger zunehmend dazu bei, dass der Wert von journalistischer Arbeit sinkt. Gerade weil zunehmend herausragende Qualität in Blogs geboten wird, macht dies den Berufsschreibern zu schaffen.“ stimmt das natürlich – allerdings frage ich mich, ob ein Berufsschreiber, der sein Handwerk gelernt/studiert hat, meckern darf, wenn ein Blogger aus Leidenschaft seine journalistische Qualität erreicht oder vielleicht sogar überragt. Auch, wenn ein bestimmter Themenbereich, der von Bloggern gut bedient wird, vom Zielpublikum stärker abgefragt wird als bei klassisch arbeitenden und publizierenden Journalisten stellt sich die Frage, ob die bis jetzt praktizierte Form mit ihren Ansprüchen und ihren Zielen überhaupt noch zeitgemäß ist.
    Irgendwann kommt man, spinnt man alle Gedankenfäden weiter, zu der Frage, ob die zur Verfügung gestellten Informationen generell frei verfügbar sein sollten, ob der Leser generell bereit ist, für den Bezug von Informationen zu zahlen, und wenn ja, wie viel.

    Ich für mich sehe es auch eher so, dass gerade die Tatsache, in der „Freizeit“ zu bloggen und zu berichten, eine unglaubliche Freiheit in der Gestaltung ermöglicht; eine Unabhängigkeit, die man sich vermutlich auch nur so bewahren kann.

    Ein breites, großes Feld, dass noch zu bearbeiten ist und bei dem noch lange nicht alles zu Ende gedacht ist.

    Herzliche Grüße

    Sonja

    • Dank Dir für Deine Überlegungen. Ich gebe zu, dass der Blickwinkel, auf den ich versucht habe aufmerksam zu machen, nicht einfach zu vermitteln ist. Mir ging es nicht darum, das Bloggen an sich in Frage zu stellen. Wir sind uns ja alle einig, dass es bereichert. Ich wollte nur dafür sensibilisieren, dass wir damit auch ein aktiver Teil des Dilemmas sind, das aus der Medienrevolution hervortrat. Wir verteidigen unsere Bloggertätigkeit genauso wie ein Selfpublisher seine 99 Cent Romane, der Fahrer bei Uber oder der Privatmensch auf airbnb oder der Hobbyfotograf, der seine Bilder verschenkt. Und ich will das zunächst gar nicht verwerfen, sondern nur darauf verweisen, dass wir damit Teil einer sich entwickelnde Netzökonomie sind, die viele Geschäftsmodelle zerstört, ohne selbst Geschäfte machen zu wollen. Ja, die Open-Source-Philosophie ist mir suspekt. Sie mag in Teilen manch positive Effekte haben, doch gesamt betrachtet geht für mich die Rechnung nicht auf. Denn sie entspringt einem Luxus, der von der klassischen Ökonomie alimentiert wird.

      So, jetzt aber genug „doziert“. Ich wünsche Dir noch einen schönen Sonntag Abend.
      Thomas

  3. Lieber Gunnar, lieber Jochen und lieber lawgunsandfreedom,

    herzlichen Dank für Eure Kommentare, die für mich ein dialektischer Beitrag sind, Jochen. Dass ich die Spaßbremse mimte heißt ja nicht, dass ich die Freude vieler Blogger – auch bei mir – an ihrem Tun verkenne oder den Spaß gar verderben wolle. Wie ich ja schrieb, sind Bloggs und ihre Menschen dahinter eine große Bereicherung. Es schlagen, wie man es so gern pathetisch ausdrückt, zwei Herzen in meiner Brust.

    Einerseits bin ich, wenn auch etwas skeptischer als vor 10 Jahren, noch immer Evangelist der Digitalisierung. Der unmittelbare Zugang zu Informationen, Meinungen und zu Wissen in der Welt ist fast ein Wirklichkeit gewordener Traum, den ich besonders mit meinem heute siebenjährigen Sohn auskoste. Es ist herrlich, mit ihm gemeinsam all seine Fragen zu recherchieren. Und es gibt noch so viel weitere digitale Errungenschaften, über die ich hier nicht schreiben brauche, da sie schon hunderte Male genannt sind.

    Doch anderseits bin ich auch Realist und nutze immer nüchterne Phasen, um zu hinterfragen, wem ich eigentlich diese paradiesischen Zustände verdanke. Der Rationalist in mir neigt dann dazu, alles aus dem ökonomischen Blickwinkel zu bewerten. Die Grundhaltung dazu ist, dass es nichts umsonst gibt und sich die Frage einstellt: Auf wessen Kosten genießen wir dieses Paradies? Für Netzwerke und Suchmaschinen kennen wir unsere Antworten, doch für die kostenlosen Inhalte kennen wir sie noch nicht so genau. Und auch für die kostenlose Nutzung von Open-Source-Techniken bin ich mir nicht sicher, ob man die Bilanz – wie Du es andeutest, Jochen – ziehen kann.

    Jetzt kann man natürlich abwinken und sagen: Warum sich darüber Gedanken machen?“ Denn alles wird in einer freien Welt, wie ich sie mir wünsche, seinen ungesteuerten Fortgang nehmen. Und wenn es letztlich (auf unser Beispiel bezogen) dazu führt, dass mit Informationen, Herrschafts- bzw. Expertenwissen und kreierten Inhalten kein lukratives Geschäftsmodell mehr entwickelt werden kann, wird es dennoch auch in Zukunft unzählige Kanäle dafür geben, die dann quersubventioniert sind.

    Ich erachte es nur für wichtig, dass wir nicht immer dem Reflex folgen und dort systemkritisch werden, wo wir vielleicht erst einmal selbstkritisch sein sollten. Wir können nicht einerseits in der jetzigen Form obsolete Strukturen wie den lokalen Einzelhandel, regionale Herstellung oder nationale Kulturproduktionen bewahren wollen und zugleich euphorisch die radikalen Effekte der globalen Netzökonomie, wie ich sie angedeutet habe, ignorieren, selbst dankbar nutzen und mit unserem eigenen Tun beschleunigen.

    Ich bin durchaus kein Kulturpessimist und auch kein Fatalist in Hinblick auf die marktwirtschaftlichen Veränderungen in unserem globalen Dorf. Im Gegenteil, ich suche immer gerne und mit Leidenschaft nach Ideen, Mittel und Wege, wie man auf der „digitalen Tsunamiwelle“ (Nicolas Clasen) lässig und mit Freude reiten kann.

  4. Wie immer bei Deinen Beiträgen kann ich einigen Punkten voll zustimmen, bei anderen regt sich dagegen Widerspruch. (Ist das eigentlich schon Dialektik?)
    Open-Source ist an sich nicht kanibalisierend. Rund um WordPress (also der Software) z.B. hat sich eine milliardenschwere Industrie etabliert. Auch Linux hat Unternehmen zuhauf hervorgebracht und befeuert. Wie Open-Source-Inhalte zu einem Markt führen, weiß ich nicht; andere vielleicht schon, irgendwann.
    Wenn ich als Jouranlist Rezensionen schreibe, die mein (aktueller) Arbeitgeber oder ein anderer Abnehmer partout verschmäht, warum soll ich sie dann nicht frei ins Netz stellen dürfen. Wem schade ich, wessen Geschäft beschädige ich damit? O.K., ich arbeite in einem Feld, das im Wesentlichen abseits der Literatur- und Buch-Szene liegt, die Gefahr der Eigen-Zerfleischung und des Ast-Absägens ist bei mir eher gering.
    Was (m)eine Ausbildung/Studium betrifft, stimmt, die hat einst die Allgemeinheit finanziert; wenn ich jetzt für meinem Blog die erlernten Techniken nutze und Mehrwert für die Allgemeinheit (so sie den denn annimmt) produziere, dann ist das nur fair. Und ein wenig ausser Acht läßt Du eine esentielle Motivation vieler Blogger, nämlich den Spaß. Sie haben einfach nur Spaß (in ihrer Freizeit) zu schreiben und zu veröffentlichen.
    Eist also nicht alles Kanibalismus. lg_jochen

  5. Ein weiters Problem ist, daß der Qualitätsjournalismus in den Massenmedien immer mehr zur raren Ware wird und viele „Hobby“-Blogger, aber auch bloggende Journalisten sich genötigt sehen, dagegen anzuschreiben, indem sie saubere, besser recherchierte Artikel bringen. Keine Frage, daß sich bloggende Journalisten damit teilweise selbst kannibalisieren. Andererseits wird guter, gründlicher Journalismus kaum noch honoriert – weder vom Arbeitgeber, noch vom Gros der Konsumenten. Gefragt ist FastFood-Journalismus, der gerne einseitig sein darf und nicht selten mehr Meinungen als Fakten enthält.

    Mag sein, daß ein „gelernter“ Journalist besser ausgebildet ist. Aber heutzutage ist es leider viel zu oft so, daß die Grundregeln des Gewerbes für eine schnelle Schlagzeile einfach über Bord geworfen werden. Mit dem Effekt, daß Dilettanten (im Ursinn des Wortes) und Idealisten, die Arbeit der hauptberuflichen Profis machen, weil sie mit der gebotenen Leistung nicht zufrieden sind.

    Medienbetriebe sind kommerzielle Betriebe. Da bleibt es nun mal nicht aus, dass der Inhalt dem wirtschaftlichen Erfolg
    untergeordnet wird – auf Kosten der Qualität.

  6. Das Beispiel mit Friseuren und sonstigen Dienstleistern, die sich mit Umsonst-Angeboten überflüssig machen würden, trifft nicht so ganz den Kern des Problems. Im Netz ist es schwierig, sich mit Expertenwissen noch in Szene zu setzen. Das hat der Soziologe Niklas Luhmann gut beschrieben. Mit der Computerkommunikation wird die Eingabe von Daten und das Abrufen von Informationen soweit getrennt, dass keinerlei Identität mehr besteht. Wer etwas eingibt, weiß nicht, was auf der anderen Seite entnommen wird. Die Autorität der Quelle wird entbehrlich, sie wird durch Technik annulliert. Ebenso entfällt die Möglichkeit, die Absicht einer Mitteilung zu erkennen und daraus Verdacht zu nähren oder sonstige Schlüsse zu ziehen, die zur Annahme oder Ablehnung der Kommunikation führen könnten. Die moderne Computertechnik greift nach Ansicht von Luhmann die Autorität der Experten an. Fast jeder hat mittlerweile die Möglichkeit, die Aussagen von Wissenschaftlern, Journalisten, Unternehmern oder Politikern am eigenen Computer zu überprüfen. Hier liegt wohl die größte Schwierigkeit, aus der eigenen Expertise direkt pekuniäre Vorteile zu ziehen. Es sind in der Regel indirekte Effekte – wie bei Musikern, die nur noch über ihre Live-Auftritte vernünftige Einnahmen erzielen. Man muss Umwege gehen. Läuft also alles auf Preisdumping und Kannibalisierung hinaus? Wohl nicht. eBooks haben eine Chance, wenn sie nicht nur als Abziehbild von gedruckten Büchern auf den Markt geschwemmt werden, sondern sich als eigenständiges Genre völlig neu definieren. Über Crowdfunding konnten ambionierte Buchprojekte sehr gut finanziert werden. Über Vorträge, Workshops und Sponsoring gibt es viele Möglichkeiten, aus Social Web-Aktivitäten neue Einnahmequellen zu erschließen. Ich sehe das nicht so pessimistisch.

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