Sara! Mir graut’s vor dir.

BuchtuberJa, die Buchtuberin Sara Bow und einige andere machen das klasse – die machen nämlich Kasse. € 800,– im Monat ist zwar nicht die Welt (mit Lippenstiften verdient man eigentlich besser), aber sie liebt halt Bücher. Da verzichtet man auch mal, wenn es der Sache dient.

Zu diesem Buchtuber Phänomen „Sara Bow & Co.“ hatte die SZ einen Artikel, nein besser ein Portrait veröffentlicht. Sympathisch und beruflich abgeklärt kommt die 21-jährige Bloggerin – also Generation von Ronja von Rönne – rüber. Und zweifellos hat sie digital-ökonomisch alles richtig gemacht. Respekt.

Deshalb hatte nicht nur ich gestern den Artikel auf Facebook gepostet, sondern allein in meinem Kreis auch zehn andere und es gab eine recht rege Reaktion darauf. Der Tenor war – etwas überraschend für mich – recht wohlwollend: Ist doch ok, lass sie doch. Es ist doch gut, wenn die überhaupt Bücher ins Sortiment nimmt. (Sie ist ja eigentlich Mode & Kosmetik Bloggerin) Und überhaupt, wenn es einem nicht gefällt, sollten sich mal die anderen Literatur-Blogger mit ihrer Anspruchshaltung was Besseres einfallen lassen. (Vielleicht so was wie Felix Wegener und Harald Link mit BOOKMARKS?)

„Die machen ja keine Buchkritik, die wollen ja nur empfehlen und verkaufen.“ war auch eine Rechtfertigung. Ähm ja, aber die Qualität der Urteile? Auf diesen Einwand gibt es umgehend eine erschlagende Antwort:

„Wer sagt denn eigentlich, was gute oder schlechte Literatur ist?“

Eben, wer sagt das eigentlich? Niemand kann für sich in Anspruch nehmen, anhand objektiver Kriterien gute von schlechter Literatur unterscheiden zu können. Aber es gibt ein Kriterium, dass enorm hilft sich diesem Wunsch anzunähern: man muss was darüber zu sagen haben – in welcher Form auch immer. Und das haben Sara Bow & Co. offenbar nicht.

Zum Glück werden im Artikel über die Literatur-Vlogger und Blogger schon mal zwei genannt die was zu ihren gelesenen Büchern zu sagen haben: Sophie mit ihrem Blog Literaturen und Uwe mit seinem Blog Kaffeehaussitzer. Aber die beiden sind selbst recht bescheiden und würden nie von sich behaupten, die bessere Literatur zu empfehlen. Ja, Bescheidenheit, so lernten wir, ist eine Zier. Doch radebrechend folgte darauf immer: doch weiter kommt man ohne ihr.

Um es bei aller nachvollziehbaren Zurückhaltung und Toleranz gegenüber allen Formen der Literaturvermittlung doch mal an dieser Stelle ganz deutlich zu sagen: ich finde es grauenvoll, dass diese Darbietungen, dieses ungenierte Plappern von Sara Bow & Co. erfolgreich Bücher verkauft. Soviel Neid muss sein.

Anspruchslos trifft auf anspruchslos

Mit solchen Formaten trifft die Anspruchslosigkeit eines selbstgefälligen Youtube-Sternchens auf die Anspruchslosigkeit naiver Teenies. Inhaltlich und sprachlich erreichen die Buchvorstellungen noch nicht mal das Niveau des Klappentextes der besprochenen Bücher. Und ich teile die Einschätzung von Marion Bösker, Pressesprecherin des Münchner Literaturhauses, die in einem Kommentar schrieb:

Diese beständige Unterforderung finde ich dramatisch schlimm. Auf diese Weise „erzieht“ man eine Art literarisches RTL2. Wäre das nicht grausam? Und was ist falsch daran, als Jugendlicher GUTE Literatur zu lesen? Ich habe das Glück, dass wir hier im Literaturhaus sehr häufig mit jungen LeserInnen zusammenkommen, die uns bestätigen. Denn jung sein heißt nicht, dass man blöd ist. Jung sein heißt aber oft, dass man eine Art „Anleitung“ braucht. Wie schade, dass im Internet (einem so wichtigen Medium!) offenbar alles möglich ist bzw. alles kritiklos geduldet und sogar bejubelt wird.

Der Erfolg eines solchen Formates – mehrere Tausend Views von Aufnahmen bis zu 60 Minuten Länge – macht mich jedoch nicht traurig, wie Stefanie Leo von Bücherkinder für sich feststellte, er verleitet mich vielmehr zum Snobismus. Denn gefühlt – wie man das als Snob ja gerne sagt – stehe ich darüber (der schon zugestandene Neid bezeugt ja meine menschliche Schwäche und relativiert mein Bekenntnis vielleicht etwas.)

Menschen lassen sich nicht ästhetisch erziehen.

Es bestätigt zudem meine Ansicht, dass man Menschen nicht ästhetisch erziehen kann, sondern ästhetisches Empfinden in früher Jugend kaum noch veränderlich konditioniert wird. Und solche Formate verstärken diese Konditionierung noch. Es ist das ewig Dilemma: wir setzen darauf, dass man Menschen – gleich welchen Milieuhintergrund sie auch haben – zu einer guten Urteilskraft erziehen könne. Das funktioniert jedoch leider nicht. Jeder bleibt da überwiegend in seinem Milieu verhaftet. Man mag zwar in seiner Jugend ein paar Trigger von außerhalb bekommen, doch selten vermögen diese es, zu einem großen intellektuellen Schritt zu verhelfen. Wer mit 16 Jahren Fantasy-Fiction und sonstige eskapistische Trivialliteratur liest, wird sich nicht Jahre später der Indie-Literatur hinwenden oder begeistert Virginia Woolf, Juli Zeh, Albert Camus, Thomas Bernhard, Rainald Goetz etc. lesen.

Besonders bedauerlich ist das, weil der Zugang zur Bildung nie so einfach und günstig war wie heute. Sich Lektüre empfehlen zu lassen, die uns nachdenklich macht, uns aus unserem Milieu lockt, uns aus der Provinzialität entfliehen lässt, die uns reflektieren lässt, uns selbstkritischer und empathischer macht, uns geistig wachsen lässt, ist heute in jedem Winkel der Republik möglich. Niemand muss mehr eine Bibliothek oder Buchhandlung dafür in seiner Nähe haben. Und damit gilt aber auch: Nie zuvor waren wir so selbstverantwortlich für unsere Bildung, unsere präferierte Kultur und unser ausgebildetes ästhetisches Urteilsvermögen – sei es für Mode, Essen, Kunst, Musik oder eben Literatur.

Ein wenig versöhnlich stimmt mich einzig der Hangout zum Buch Eleanor & Park, das Kolleginnen und Kollegen von Sara Bow veranstalteten und an dem sie leider aufgrund eines dringenden Termins nicht teilnehmen konnte.

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Wie wäre der Hangout wohl verlaufen, wenn Sara Zeit gehabt hätte? Ihre Ansicht zu diesem Buch, die sie sehr ausführlich und überraschend „kritisch“ nachreicht, lässt da nur Vermutungen zu, mit denen ich nun jeden sich selbst überlasse.

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Nachtrag 28. Juli 2015: nachdem nun doch so viele Booktuber sich im allgemeinen bekrittelt, gar diskreditiert fühlten, und einige mir mehr oder weniger höflich deutlich machten, dass meine Einschätzung von Fantasy-Literatur völlig deplatziert sei, würde ich gerne einen Vorschlag an die Community der (jungen) Booktuber machen. Denn wie ich in meinen Kommentaren mehrfach deutlich gemacht habe, finde ich das Format „Booktube“ gut. Und da würde es mich freuen, wenn wir einen Austausch der Welten hinbekommen. Mehr hier.

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57 Gedanken zu “Sara! Mir graut’s vor dir.

  1. Auf Deutschlandradio Kultur findet sich aktuell ein sehr anregender und erhellender Artikel über Fantasy-Literatur von Kirsten Dietrich:
    http://www.deutschlandradiokultur.de/fantasy-als-religion-von-zwergen-elfen-und-zauberern.1278.de.html?dram%3Aarticle_id=327167
    Wobei man sich hier – wie so oft – nur auf die herausragende Fantasy-Literatur bezieht, die auch ich für sehr lesenswert erachte.

    Meine These zu Fantasy-Lesern 16+ in meinem Beitrag und die sich daran entzündende Empörung wird im Lichte dieser hier beschriebenen Hintergründe zur Rezeption nachvollziehbar. Letztlich ist es für die Fans von Fantasy-Literatur fast schon Blasphemie, wenn ich unterstelle, dass die vorwiegende Intention von Fantasy eben Eskapismus ist und sie einfache Antworten auf die komplexe Realität bietet. Insbesondere bei der Frage danach, was Gut und Böse sei. Auch Autoren wie Holbein kommen hier zu Wort:

    „Ich denke, das macht schon die Faszination der Fantasy aus, dass sie die Welt vereinfacht, dass sie auch sagt, es gibt das Gute und es gibt Möglichkeit, da zu bleiben, nach mehreren Versuchungen und Prüfungen.“

    „Für die Religion gilt das gleiche: Das ist die Suche nach Antworten, die will sich nicht damit abfinden, dass die Welt irgendwann endet“, …

    .. sagt der Schriftsteller Wolfgang Hohlbein.

  2. Ich möchte hier nur einen kleinen Hinweis plazieren: Ich habe bis etwa 20 NUR „eskapistische Trivialliteratur“ gelesen, wobei verschlungen wohl der treffendere Begriff ist. Danach habe ich dank Studium für ca. fünf Jahre kein Buch freiwillig angefasst und nun, seit etwa fünf Jahren, lese ich mich querbeet durch die sogenannte „Weltliteratur“. Von Anna Karenina über Don Quijote, via Siddharta mit einem Abstecher zu Jonas Lüscher. Natürlich auch mal zwischendurch ein Häppchen wie The Grapes of Wrath oder Fear and Loathing in Las Vegas, dies nur ein paar Beispiele. Damit widerlege ich dieThese, dass nach 16+ keine Besserung mehr möglich ist (Antwort auf Kommentar vom 11.7.2015, 9:46). Ich sehe also keinen Schaden darin, während der sehr anstrengenden Teenie-Jahre in die Welt der Zauberer, Hexen, Ausserirdischen und derengleichen zu verschwinden oder besser gesagt zu entfliehen. Im Gegenteil, ich denke, mich hätte die doch weitgehend sehr schwere und bedrückende „Literatur“ zu der Zeit (bis etwa 22) zu sehr beschäftigt (zu viel Weltschmerk auf einem Haufen).

    • Danke für Deinen Kommentar, Nicole. Würdest Du sagen, dass Deine literarische Biografie exemplarisch ist und man sie verallgemeinern kann? Ich bezweifle dies und glaube kaum, dass viele ihren literarischen und auch sonst kulturellen Geschmack nach der Schulzeit erheblich verändern. Das ist meine These, die meine Beobachtung und auch Studien stützen. Gruß Thomas

    • Lieber Thomas
      Ob sie exemplarisch ist kann ich nicht beantworten. Ich kenne jedoch einige Personen, denen es ähnlich geht, vielleicht nicht in dem Ausmass, aber viele sind den Klassikern nicht abgeneigt. Insbesondere kenne ich jedoch Leute, die als Teenager kaum gelesen haben (und wenn, dann Trivialliteratur) und nun Dante, Dostojewski, den Koran etc. lesen. Und all diese Leute lesen zwischendurch wieder einmal “eskapistische Trivialliteratur”, wie ich auch (auch wenn ich mittlerweile keine Bücher mehr lesen kann, die in (zu) schlechtem Deutsch geschrieben wurden).
      Ausserdem kenne ich viele Leute, die von schlechten Deutschlehrern so mit „hochstehender Literatur“ traumatisiert wurden, dass sie freiwillig kein Buch mehr in die Finger nehmen, was ich ehrlich gesagt schlimmer finde, als wenn sie weiterhin “eskapistische Trivialliteratur” lesen.
      Was mir jedoch wichtig ist und ich deshalb nochmals ausführen möchte: Wenn ich Bücher wie zum Beispiel „Im Westen nichts neues“ oder „Draussen vor der Tür“ oder ähnliches nicht im Deutschunterricht hätte lesen müssen, sondern diese Bücher freiwillig gelesen hätte, wäre der Effekt auf mich wahrscheinlich tragisch gewesen. Es hätte mich wohl als Teenager so aus der Bahn geworfen, dass meine düstere „die Welt ist schlecht und die Menschheit sowieso abgrundtief böse“-Einstellung sich bis zum Selbstmord hätte entwickeln können. Es war schon hart genug im Deutschunterricht, aber dort konnte ich das besser abstrahieren, da ich das ja lesen musste und deshalb ablehnte. Das Lesen von “eskapistische Trivialliteratur” hingegen befreite mich über Stunden von den Gefühlsschwankungen und dem Hadern, das viele, ich würde mal sagen, die meisten als Teenager durchmachen. Ich für meinen Teil hätte die meisten Klassiker als Teenager nicht ertragen und mir ist ein lebender Teenager, der seichte Unterhaltung liest lieber als ein toter.
      Entschuldige bitte die Polemik, ich überzeichne hier, aber ich glaube du hast ziemlich gründlich vergessen wie es ist Teenager zu sein und nein, ich war kein Einzelfall.
      Gruss
      Nicole

      Ps: Aber in einem gebe ich dir recht: Eine 21-jährige, die ein Buch mit suuuuper bewirbt, ist keine qualifizierte Quelle für das nächste Lesevergnügen.

    • Danke Nicole. An meine schwierige Lebensphase als Teenager glaube ich mich noch sehr gut erinnern zu können. „Glaube“ schreibe ich, weil ich mir bewusst bin, wie viel man im Nachhinein verklärt. Doch besonders die Bedeutung von Literatur, ihre Entdeckung in dieser Lebensphase war für mich so einschneidend, dass ich sie sehr klar in Erinnerung habe. Ich zitiere hier aus einem anderen Kommentar zu meiner literarischen Biografie:

      „Bei Literatur fand ich zuhause einen breiten Kanon vor. Doch belletristisch zu lesen begann ich erst spät (mit 13). Auslöser waren bei mir die Freundinnen (und später auch Freunde), die mir Bücher an die Hand gaben, über die sie mit mir reden wollten. Und es waren Bücher dabei, die mir vor den Kopf stießen, die mir erste mögliche Antworten auf Lebensfragen gaben, die mich damals quälten. Fragen und Antworten über den Sinn des Lebens, den ich damals vermisste. Sie gaben mir Anregungen, was vielleicht lohnende Lebenswege sein könnten. Sie weckten immer wieder meine Neugierde, meinen Lust auf das Leben, das ich ab und an auch schon erwog, früh zu beenden. Literatur war zeitweise mein Rettungsanker vor der Flucht aus dem Leben. Eskapistische Literatur hätte das nicht vermocht, Fantasy hätte mich nur weiter entrückt. Das ist sicher meine persönliche literarische Initiation. Sie hatte einen sehr maßgeblichen Einfluss auf mein Leben. Bei anderen ist es vielleicht der Sport oder die Musik oder irgendein anderes Interesse, das ihre Leidenschaft weckte, und ihnen einen besonderen Antrieb zum Leben gab.“

      Bezüglich der Frage oder Annahme, ob Literatur so unerträglich sein kann, dass sie einen aus der Bahn wirft oder gar in lebensbedrohliche Krisen stürzen kann, wie Du es andeutest, bin ich gespalten. Einerseits mag ich niemandem seine Sensibilität diesbezüglich absprechen, doch andererseits sehe ich in dieser Lebensphase auch die Notwendigkeit, sich den Herausforderungen des Lebens aktiv zu stellen. Und dazu gehört auch die Beschäftigung mit den Tragödien die Menschen Menschen antun können, weil es offenbar zu wenige gab, die dem Einhalt boten. Was wir aktuell an Ressentiments in Teilen der Bevölkerung erleben ist auch auf fehlende Empathie zurückzuführen. Empathie erwächst sehr stark aus der aktiven Teilnahme am Schicksal anderer – ob konkrete Personen aus dem persönlichen Umfeld oder eben erzählten Schicksalen in Zeitungen und Büchern. Und auch deshalb habe ich meinen Vorschlag zum literarischen Austausch in meinem aktuellem Blogbeitrag gemacht: https://thomasbrasch.wordpress.com/2015/07/28/im-fruehling-sterben-das-ist-literatur-fuer-die-jugend/.

      Mit „Im Frühling sterben“ hat Ralf Rothmann einen Roman verfasst, der auch sensible Teenager ab 16+ nicht schockieren, sondern weit eher sensibilisieren wird.

    • Ich denke, wir reden vom selben. Und wie vielleicht nicht ganz deutlich geworden ist, mich hat nicht dein Beitrag gestört (auch wenn der von der Schreibweise und der Wortwahl her einige vor den Kopf gestossen hat), sondern die Art, wie du über „eskapistische Trivialliteratur“ geschrieben hast. Wir hatten beim Lesen wohl ziemlich gegenteilige Erfahrungen im Teenageralter.
      Die Trivialliteratur war für mich enorm wichtig, wichtiger als du dir vorstellen kannst und sie hat meine Liebe am Lesen erhalten. Erst ab mitte 20 war ich jedoch bereit diese auch zu kultivieren, auch wenn ich die Klassiker, die ich lese, danach nicht analysiere. Für meine Empathie hat die tägliche Dosis Tagesschau und der Geschichtsunterricht mehr als gereicht, um über das tragische Schicksal anderer (und damit über meine Hilflosigkeit) nachzudenken. Ich stellte micht täglich dieser Herausforderung. Das Lesen war die Flucht daraus, die notwendig war um nicht in eine Abwärtsspirale zu geraten. Dies ist mein Beispiel, aber in meinem Bekanntenkreis bin ich bei weitem nicht die einzige.
      Vielen Dank für den interessanten Austausch, spannend wie unterschiedlich der Einfluss von Literatur im Jugendalter ist.

  3. Zitat: „Das funktioniert jedoch leider nicht. Jeder bleibt da überwiegend in seinem Milieu verhaftet. Man mag zwar in seiner Jugend ein paar Trigger von außerhalb bekommen, doch selten vermögen diese es, zu einem großen intellektuellen Schritt zu verhelfen. Wer mit 16 Jahren Fantasy-Fiction und sonstige eskapistische Trivialliteratur liest, wird sich nicht Jahre später der Indie-Literatur hinwenden oder begeistert Virginia Wolff, Juli Zeh, Albert Camus, Thomas Bernhard, Reinald Goetz etc. lesen.“

    BITTE? Welche Arroganz spricht denn hier? Damit sprechen Sie allen Menschen eine gewisse Selbstbestimmung und Intelligenz ab. Klar gibt es einige die in ihrem „Millieu“ verweilen, aber Menschen entwickeln sich weiter, entdecken neues und verwerfen altes. Mein Geschmack hat sich im Leben mehrfach geändert da ich auf der Suche nach neuen Büchern immer mal auf andere Ideen komme und gerne ausprobiere. Man kann sehr wohl als Kind/Jugendliche Fantasy lesen und dennoch im Laufe der Zeit einmal anfangen zu Brecht und Co. zu greifen. Dazu noch: Fantasy und Sci-Fi beinhaltet großartige Literatur und Autoren mit Intellekt und Charme und lassen sich durchaus auf eine Stufe mit ihren genannten Autoren heben (zumal ich Juli Zeh für eher fragwürdig halte und gerade der Indiebereich ein Tummelplatz für unglaublichen Mist ist). Da wären Autoren wie z.B. Stanislaw Lem oder nehmen Sie doch mal Catherynne Valentes „The Orphan’s Tales“ in die Hand. Damit beweisen Sie einzig dass Sie voller Vorurteile anderen Genres gegenüber sind und voreingenommen Dinge ablehnen die Sie nicht kennen. Sie werden in jedem Genre literarische Perlen finden, sowie überall Unsinn zu finden ist. Auch in der „hohen Literatur“ kamen mir bereits Werke unter, die ich eher anzweifelte ob sie dort etwas zu suchen haben. Desweiteren darf Literatur für einige doch auch einfach nur Unterhaltung sein. Wo kämen wir dahin wenn jeder so elitär denkt wie Sie? Klar gibt es Blogger ohne Niveau, die einfach alles völlig unkritisch loben und in die Höhe halten, aber hey, es ist deren Hobby Bücher zu lesen. Eher ein positiver Grund, sie könnten auch den ganzen Tag RTL sehen was den Kopf noch weniger fordert. Außerdem besitzt der Leser, der aufgrund einer Rezension im Netz ein Buch kauft, auch noch einen eigenen Verstand. Wenn ich merke dass das Buch eigentlich völliger Schrott ist, was man mir empfahl, dann schreibe ich meine eigene Rezension darüber und sage meine Meinung.

    Kommen Sie bitte von ihrem hohen Ross herunter. Sie sollten sich mal von Vorurteilen gegenüber gewissen Genres und Menschen befreien und SIE IHREN Horizont erweitern.

    • Danke auch für diesen Kommentar. Mich freut es, dass ich offenbar zu Lesern und Bloggern durchdringen konnte, die ich üblicherweise mit meinem Blog wohl kaum erreiche. Das lag zwar gar nicht in meiner Absicht, denn dann hätte ich den Beitrag etwas anders geschrieben, doch ich bemühe mich in den Kommentaren meine Ansicht dazu näher zu erläutern. Bevor man also so drastisch über meine Person urteilt, sollte, wer ernsthaftes Interesse an meinen Ansichten hat, auch die Kommentare und meine Antworten zu dem Artikel lesen. Ich erweitere dabei auch meinen Horizont.

      Zunächst bedauere ich, dass offenbar kaum einer der Blogger, die sich über meinen Beitrag mokieren, über die Beiträge von Sara & Co. mokieren. Es verblüfft mich, dass Blogger wie Du Effi, die sich offenbar ernsthaft und leidenschaftlich für das Lesen engagieren, es selbstverständlich hinnehmen, dass ihre Arbeit ebenso wertgeschätzt werden soll, wie das anspruchslose Geplapper. Genau deshalb ärgere ich mich, weil ich begeistert davon bin, wie viele junge Leute das Netz zum intensiven und ernsthaften Austausch nutzen.

      Zudem ist es interessant, dass so viele reflexartig verärgert und beleidigt auf meine These reagieren, das kulturelle Präferenzen in der Jugend konditioniert werden und sich später nur noch selten ändern. Diese seit Jahrhunderten offensichtliche Tatsache, die jeder in seinem Bekannten- und Verwandtenkreis selbst bestätigt findet, wird heftig mit der eigenen Biografie widersprochen. Man verallgemeinert seinen persönlichen Werdegang und argumentiert munter gegen eine Tatsache, die man ansonsten vehement gesellschaftspolitisch kritisch hochhält: in Deutschland sei noch immer die familiäre Herkunft maßgeblich entscheidend dafür, was man im Leben erreichen könne und was eben nicht.

      Ja, was denn nun?

      Ich selbst bin der Ansicht, dass in den vergangenen Jahrzehnten unsere Gesellschaft sehr durchlässig geworden ist und es kaum noch hohe Hürden gibt, um sich auf einen Platz hinzubewegen, auf dem man sein Glück zu finden sucht. Heute können fast 50% aller Jugendlichen studieren, wenn sie möchten. Durch die Ubiqität von Wissen und Kultur im Netz kann sich heute jeder fortbilden und jede Form von Kultur geniessen, wie er möchte. Niemand muss mehr in eine Metropole reisen, um an herausragenden Kulturereignissen teilhaben zu können. Niemand muss mehr einsam seine Bücher lesen, seine Musik hören oder seinen sonstigen Interessen nachgehen, weil er in einem 500 Seelenort lebt und dort keine Gleichgesinnten findet. Jeder kann sich am heimischen Tisch das gesammelte Wissen der Welt abrufen.

      Und was machen wir mit all diesen wachsenden Möglichkeiten?

      Sehr wenig. Wir sollten uns eingestehen, dass es heute kaum noch äußere Bedingungen sind, die unsere Neugier, unsere Weltoffenheit oder unsere Bildung beschränken, sondern weit mehr unsere selbst geschaffenen Komfortzonen sind, in denen wir uns recht bequem eingerichtet haben.

      Zuletzt noch zum häufigen Plädoyer für die Fantasy-Literatur. Ich dachte, dass man sich hier wenigsten einigermaßen einig ist, wo von ich rede. Sicher gibt es auch gute Fantasy (und bitte nicht synonym mit Fiktion setzen). Doch das Genre ist ziemlich klar besetzt. So wie in der Musik das Genre „Schlager“. Aus beiden Lagern kommen immer wieder Argumente, dass es dort auch anspruchsvolles gäbe. Das mag ja ab und an sein, doch ist es nun mal nicht die übliche Intention der „Produzenten“ und entspricht auch nicht der Erwartung der Lesermehrheit. Der Erfolg dieser Genre verdankt sich überwiegend eskapistischen und stereotypischen Unterhaltungsformaten.

      Der Masse an Fantasy-Literatur zuzusprechen, sie böte den Lesern die gleichen Reflexions- und Rezeptionsangebote wie der anspruchsvolle Kanon der Literatur, diskreditiert das gesamte Bemühen von vielen verstorbenen und noch lebenden Autoren. Auch die Mehrheit der RTL- oder Pro7-Zuschauer weiß, dass sie sich intellektuell unterfordert, wenn sie den Sender schaut.

    • Fantasy behandelt politische Themen, Selbstfindung, Liebe, Hass, das Leben als solches. Ja, genau das kann Fantasy und es ist nicht einmal wenig oder selten. Man muss sich nur einmal dafür öffnen dafür. Zu sagen „ja aber in der gehobenen Literatur ist das Gang und Gebe“ macht diese großartigen Fantasyromane nicht weniger gut und wichtig. Zumal, wie ich bereits schrieb, in dieser tollen intellektuellen Literatur auch nicht alles rosig ist. Da reicht es oft auch schon gewohnte Floskeln abzuarbeiten, einen gewissen Duktus zu pflegen und sich beliebter Themen auf die hundertste Weiße anzunehmen um darin heute aufgenommen zu werden. Mir kam darin bereits so einiges pseudo-kritisches-Denken vor.
      Und hören Sie bitte auf zu tun als wäre ihr Geschmack besser oder elitärer als „unserer“. Subtil schwingt dies bei all Ihren Kommentaren nämlich mit. Denn er ist es nicht. Wie gesagt, man kann Fantasy lesen und trotzdem die gleiche intellektuelle Stimulanz erhalten (und das Argument dass das meiste im bereich Fantasy extrem seicht ist, ist hier auch kein Gegenargument. Es gibt viel seichtes, ja, aber nicht jeder liest dies ausschließlich oder überhaupt. Kenne genug Blogger die sich über diesen Zerfall des Genres dank Twilight und Co. aufregen).

      Und nein, ich bin kein Freund von Sara Bow. Ich halte an sich auch nicht viel von diesen Bloggern die einfach nur alles „mega süüüüß“ und „sooooo toll“ finden. Solche Blogger verfolge ich auch erst gar nicht. Ein Blogger muss für mich einen gewissen Leseanspruch besitzen und reflektiert rezensieren. Allerdings verteufel ich diese mega-mega-mega-toll-Blogger auch nicht. Ich beachte sie einfach nicht.

      Und wieder nein, ich habe meine eigene Geschichte nicht über irgendwelche Studien und dergleichen gestellt. Mir ging es um Ihre Verallgemeinerung. Mir nun zu sagen ich solle meine eigene Geschichte nicht dazu zählen oder in dem Kontext beachten, ist doch nur ein Zug Ihrerseits Ihre Verallgemeinerung wieder gewichtiger werden zu lassen. Ich selbst habe mich auch schon mit solchen Dingen beschäftigt, im Zuge des Studiums kam auch ich bereits in Kontakt mit derartigen Studien. Mag ja sein dass es „meistens“ zu verläuft, aber das schließt die tausende und millionen Male nicht aus, in denen es eben nicht so ablief. Zumal man in seinem literarischen Milieu ja gerne bleiben kann, es kann durchaus sein dass einfach innerhalb des Genres der eigene Anspruch steigt? Ich glaube dies ist meistens viel eher der Fall.

      Ich blogge zudem über Comics, was für Sie ja dann sicherlich der totale Zerfall des Literatur ist?

    • Es ist schwierig sich mit jemanden konstruktiv auszutauschen der auf seinem Standpunkt beharrt und dann so argumentiert:

      „Mag ja sein dass es “meistens” zu verläuft, aber das schließt die tausende und millionen Male nicht aus, in denen es eben nicht so ablief.“

      Oder so:

      „Wie gesagt, man kann Fantasy lesen und trotzdem die gleiche intellektuelle Stimulanz erhalten (und das Argument dass das meiste im bereich Fantasy extrem seicht ist, ist hier auch kein Gegenargument. Es gibt viel seichtes, ja, aber nicht jeder liest dies ausschließlich oder überhaupt. Kenne genug Blogger die sich über diesen Zerfall des Genres dank Twilight und Co. aufregen).“

      Zudem verteufele ich Sara Bow & Co. nicht, sondern kritisiere die Form ihrer Buchpräsentationen. Würden das vielleicht mal einige mehr machen, würde das Niveau auch mal besser. Denn es folgt das dritte Zitat:

      „Solche Blogger verfolge ich auch erst gar nicht. Ein Blogger muss für mich einen gewissen Leseanspruch besitzen und reflektiert rezensieren.“

      Und ebenso darauf zu beharren, dass das Genre Fantasy den gleichen geistigen Anspruch an Rezeption abverlangt wie andere Literatur, ist schlichtweg leugnen eines Geschäftsmodells.

  4. Klar gibt es in dieser Szene auch einige Dinge, die mich stören, und ich kann Sie deswegen teilweise auch verstehen. Andererseits möchte ich Ihnen so auch ein paar Inputs zurückgeben, da Sie einiges nicht berücksichtigt haben, wohl weil sie nicht dieser angesprochenen Altersgruppe zugehören. Ich denke, jeder brauch eine gewisse Ablenkung, nicht jeder liest ernste Bücher, schaut ernste Musik und bleibt dabei bei gesundem Menschenverstand. Jeder braucht immer wieder mal was völlig Gehaltloses, um überhaupt noch lebensfreudig zu bleiben. Und ob das jetzt eine Komödie oder ein klischeehafter Roman ist, bleibt bitteschön mir überlassen, ebenso wie meine Entscheidung, dazu eine Rezension zu verfassen oder nicht. Deswegen ist es ganz okay, wenn nicht alle Bücher Klassiker sind und manchmal einfach nur für Gute Laune sorgen. Ich persönlich schreibe das auch in meine Rezensionen, wenn ein Buch nicht den Sinn des Lebens hinterfragt oder belanglos ist – und trotzdem finde ich es vielleicht gut und mochte es. Da ist dann bitte auch nicht darüber zu urteilen, in welchem Millieu ich aufgewachsen bin, welche Umgebung und welche Erziehung mich geprägt hat.
    Viele Booktuber_innen und Buchblogger_innen betreiben ihre Tätigkeit schon eine ganze Weile und haben seither nicht nur viel gelesen, sondern fast genauso viel rezensiert. Klar hat jedes Buch seine eigene Sprache und fast schon charakterlichen Eigenschaften, aber manchmal wird nach der hundertsten Rezension erst bemerkt, wie stupide das manchmal ist, wie viele Wiederholungen sich einschleichen. Klar gibt es Unterschiede im Ausdruck, aber unsere Meinung generell als anspruchslos zu bezeichnen und danach nochmals Ihre daraus ereignenden Überheblichkeit herauszustreichen, finde ich gewagt. Ich persönlich gebe mir Mühe und meine auch zu glauben, mit meinen 14 Jahren mich treffend auszudrücken zu können, aber vielleicht wird dass dann wieder als snobistisch angesehen.
    Ich persönlich denke, dass wir als Jugendliche oder Junge Erwachsene, die lesen und rezensieren, eine Ausnahme der heutigen Generation sind. Weil wir uns nicht mit Social Media zukleistern und unsere Unterhaltung nicht von Wlan abhängig ist. Danach über ein Buch sinnieren und es zu reflektieren, zeichnet sich doppelt aus, meiner Meinung nach. Nicht alle machen das vielleicht auf die gleiche Weise, aber Sie werfen uns alle in einen Topf.
    Übrigens finden Sie nicht nur Empfehlungen, sondern auch kritische Meinungen hinter unserem Geschriebenen. Ich denke, ich habe gerade so oft ein Buch als, um es uns einfach zu machen, als ‚wirklich schlecht‘ bewertet wie ich Bücher als ‚grandios‘ bewertet habe. Jedoch lese und rezensiere ich als Hobby (ein weiterer Punkt, auf den ich später noch zu Sprechen kommen möchte), und manchmal lasse ich mir zuliebe ein schlechtes Buch weg oder ein besonders Gutes, bei dem mir die Worte fehlen und ich sowieso nichts halbwegs Gescheites zu Stande bringen würde. Ich lese, weil ich gerne lese, ich lese wegen den guten Büchern und um die geht es für mich persönlich. Deswegen haben die bei mir Vortritt. Desweiteren kaufe ich mir bloss Bücher, die mich wirklich interessieren, lese einige Seiten rein und habe so kaum einen totalen Fehltritt. Natürlich kann sich ein Buch noch komplett in die andere Richtung entwickeln, dennoch kommt das natürlicherweise seltener vor, als wenn ich blindwütig zugreifen würde.
    Als Business würde ich das übrigens auch nicht bezeichnen. Mir ist bewusst, dass ich mittlerweile mehr Rezensionsexemplare zugeschickt bekomme, als dass ich mir Bücher kaufe, aber das ist meiner Meinung nach auch okay so. Ich hänge mich in mein ‚Hobby‘ rein, habe mir HTML angeeignet und verbringe einige Stunden meiner sowieso schon vollen Woche mit meinem Blog. Ich mache es, weil es mir Spass macht, und trotzdem habe ich mehr ‚Arbeit‘, seit mein Blog eine gewisse Anzahl an regelmässigen Leser_innen besitzt. Eine Geschäftsfrau bin ich noch lange nicht, wenn ich eine besondere Art an Entgeld für meine Arbeit bekomme, sondern bloss eine erfolgreiche Bloggerin.
    Ich hoffe, es ist in Ordnung für Sie, wenn ich Ihrem Beitrag meine Resonanz gebe und das alles auch verlinkt auf meinem Blog veröffentliche.
    Mit freundlichen Grüssen,
    Mara

  5. Seinen Sie doch mal froh das es überhaupt noch Leute gibt die Lesen statt vorm Fernseher zu hocken und RTL zu schauen.

    • Ehrlich? Die, die sich solche Formen der Empfehlungen geben lassen und klasse finden, die lesen kaum und schauen offenbar lieber Youtube-Videos auf RTL-Niveau an.

  6. Also ich bin nicht mehr jung (29) und tatsächlich erst im späten Alter von 18 Jahren auf Fantasy gestoßen… es fing wie bei vielen mit den Herr der Ringe Filmen an und seitdem lese ich fast nichts anderes mehr… wende mich auch seit kurzem der sogenannten „Jugendfantasy“ zu, Dystopien und Co. und finde wirklich, dass es nichts besseres gibt, um dem Alltag zu entfliehen. Meiner Meinung nach muss Lesen Spaß machen, unterhalten und eventuell auch hier und da mal nachdenklich stimmen… und wo man sich das holt, ist doch egal, Hauptsache man liest überhaupt.
    Sara folge ich tatsächlich ebenfalls, auch wenn ich ihre Videos schon lange nicht mehr schaue… ich hole mir meine Buchtipps einfach lieber schriftlich auf Blogs ab.
    Und ja, ich lese nur wenige Klassiker bzw. „anspruchsvolle“ Literatur, das hat mir die Schule einfach versaut und wie gesagt: beim Lesen will ich entspannen! Ich hatte noch nie Freude daran, ein Buch total auseinander zu nehmen, ich lese es, mache mir meine Gedanken dazu und gut. Deshalb lese ich auch keine Rezensionen oder ähnliches, sondern orientiere mich einfach an neuen Veröffentlichungen und entscheide anhand von Klappentexten und Co., ob das was für mich wäre…

    • Herzlichen Dank für Deinen Kommentar, Steffi. Wie ich ja schon in anderen Kommentaren schrieb, ist für mich die Wahl des präferierten Genres bei Literatur vergleichbar mit der bevorzugten Musik oder dem Film-Genre. Letzteres ist für mich das, was offensichtlich für Dich Bücher sind. Entspanntes zurücklegen und sich gut unterhalten lassen. Da Musik in meinem familiären Umfeld nur eine sehr untergeordnete Rolle spielte, hat es bei mir sehr lange gedauert, bis ich über die in der Jugend bevorzugte Rock & Pop Fokussierung später auch den Weg zu Jazz, Klassik (Oper) fand. Darüber bin ich heute sehr froh, denn es offenbarte mir musikalische Welten, die ich heute sehr geniesse. Bei Literatur fand ich zuhause einen breiten Kanon vor. Doch belletristisch zu lesen begann ich erst spät (mit 13). Auslöser waren bei mir die Freundinnen (und später auch Freunde), die mir Bücher an die Hand gaben, über die sie mit mir reden wollten. Und es waren Bücher dabei, die mir vor den Kopf stießen, die mir erste mögliche Antworten auf Lebensfragen gaben, die mich damals quälten. Fragen und Antworten über den Sinn des Lebens, den ich damals vermisste. Sie gaben mir Anregungen, was vielleicht lohnende Lebenswege sein könnten. Sie weckten immer wieder meine Neugierde, meinen Lust auf das Leben, das ich ab und an auch schon erwog, früh zu beenden. Literatur war zeitweise mein Rettungsanker vor der Flucht aus dem Leben. Eskapistische Literatur hätte das nicht vermocht, Fantasy hätte mich nur weiter entrückt. Das ist sicher meine persönliche literarische Initiation. Sie hatte einen sehr maßgeblichen Einfluss auf mein Leben. Bei anderen ist es vielleicht der Sport oder die Musik oder irgendein anderes Interesse, das ihre Leidenschaft weckte, und ihnen einen besonderen Antrieb zum Leben gab.

  7. Sehr geehrter Herr Brasch,
    ich muss Ihnen mitteilen, dass ihr Artikel mich wirklich sehr verärgert hat.
    Ich selbst bin nun wirklich kein Fan von Sara Bow und lese lieber Rezensionen, als sie mir anzuhören, aber dennoch finde ich die Art und Weise, auf die Sie ihr Missfallen äußern sehr unprofessionell. Auch Ihre Angriffe auf Fantasy- und Jugendliteratur finde ich höchst unpassend.
    Zuerst einmal ist es meiner Meinung nach nicht sinnvoll alle Booktuber in dieselbe Schublade wie Sara Bow zu stecken, indem Sie sie fortlaufend als „Sara Bow & Co“ bezeichnen. Sara Bow ist nicht Stellvertreter aller Booktuber, von denen – wie das immer und überall so ist – die einen ihre Empfehlungen besser begründen können als die anderen.
    Ebenfalls in die Rubrik „Schubladendenken“ gehört die Bezeichnung der Jugend als anspruchslos, naiv („Mit solchen Formaten trifft die Anspruchslosigkeit eines selbstgefälligen Youtube-Sternchens auf die Anspruchslosigkeit naiver Teenies.“) und leicht zu manipulieren („Und solche Formate verstärken die Konditionierung noch.“). Einige Jugendliche sind sicherlich naiv und möglicherweise auch anspruchslos, aber Sie sollten nicht den Fehler machen unsere Jugend in ihrer Gesamtheit zu unterschätzen und im Besonderen nicht diejenigen, die an Literatur (welcher Art auch immer) interessiert, das sind nämlich oft Menschen, die des kritischen Denkens durchaus fähig sind.
    Das von Ihnen in dem Zusammenhang eingefügte Zitat ließ mir sogar einen Schauer über den Rücken laufen, hörte es sich doch sehr nach Zensur und Einschränkung der Meinungsfreiheit an („[…] Wie schade, dass im Internet […] offenbar alles möglich ist bzw. alles kritiklos geduldet und sogar bejubelt wird.“).
    Natürlich muss nicht alles kritiklos geduldet oder bejubelt werden, doch die Alternative, nämlich ungeliebte Äußerungen zu verbieten scheint mir noch um einiges gefährlicher.
    Und nun zu meinem alllerliebsten Satz: „Wer mit 16 Jahren Fantasy-Fiction und sonstige eskapistische Trivialliteratur liest, wird sich nicht Jahre später der Indie-Literatur hinwenden oder begeistert Virginia Wolff, Juli Zeh, Albert Camus, Thomas Bernhard, Reinald Goetz etc. lesen.“
    Nun ich wage ja zu bezweifeln, dass Sie die Gabe des Wahrsagens besitzen. Meiner Meinung nach ist es individuell verschieden, ob sich jemand in seinem Literaturgeschmack verändert oder ob er das Genre, welches ihm zusagt schon frühzeitig gefunden hat und lebenslang dabei bleibt. Auf mich persönlich, das muss ich Ihnen zugestehen, trifft Ihre gewagte These – bisher zumindest – sogar zu.
    Ich habe als 16 jährige bereits gerne das gelesen, was Sie als „Fantasy-Fiction und sonstige eskapistische Trivialliteratur“ bezeichnen und tue dies auch heute, einige Jahre später, noch gern.
    Und wissen Sie was, diese Art von Literatur macht mich nachdenklich, lockt mich bisweilen aus meinem Millieu, lässt mich der Provinzialität entfliehen und reflektieren, macht mich selbstkritischer und empathischer und ja, sie lässt mich sogar geistig wachsen. Nun bin ich bereit andere Einstellungen und Geschmäcker zu akzeptieren und sie kritisch zu betrachten ohne sie gleich anzugreifen, denn auch Toleranz ist eine Zier.
    Mit (freundlichen) Grüßen

    • Danke für den Kommentar Tanja. Wenn Ihnen wirklich was an meiner Ansicht zu dem Thema liegt, dann würde ich mich freuen, wenn Sie auch die zahlreichen Kommentare zum Artikel lesen, die ich bislang fast alle beantwortet habe. Dort werden Sie u.a. finden, dass nicht ich verallgemeinere, sondern sie es so verallgemeinernd lesen. Sara & Co. meint einen Typus an Booktubern, den es mehrfach gibt, aber nicht alle Booktuber. Selbst im Beitrag weise ich ja auf den Hangout hin, den ich in seiner Form sehr gut finde. Der Hinweis auf die Anspruchslosigkeit bezieht sich exakt auch nur auf diese Art des Booktubings, denn, ja es gehören immer zwei Seiten dazu. Die, die so plappern und die, die sich das auch anschauen – und das sind ja nicht wenige. Beide haben wohl eben nicht den Anspruch, mehr über ein Buch erfahren zu wollen, als dass es megamegamegatoll ist.

      Und auch zu meiner These habe ich einiges in den Kommentaren geschrieben und verlinkt, was diese wohl mehr bestätigt als widerlegt. Wenn Sie gerne überwiegend Fantasyliteratur lesen, die ja per se nicht anspruchslos ist (Lese gerade begeistert Harry Potter meinem 8jährigem Sohn vor), soll Ihnen das unbenommen bleiben und beeinflusst dies auch nicht meine Wertschätzung. Ich lebe damit, dass 90% meiner Freunde und Bekannten gar nicht lesen. Doch wenn Sie diesem Genre zubilligen wollen, dass es im selben Maße die Rezeptions- und Reflexionsebene erfüllt wie der literarisch anspruchsvollere Kanon, dann diskreditieren Sie alle lebenden und verstorbenen SchriftstellerInnen, die sich darum bemüh(t)en, Teile davon zu verfassen. Fantasy und Eskapismus bevorzuge ich beim Film und habe volles Verständnis, wenn mich Cineasten bedauern, dass ich mich nur selten auf Anspruchsvolleres einlasse.

      Abschliessend: wie Sara Bow und ähnliche Booktuber Literatur behandeln, hat kein Buch verdient – gleich aus welchem Genre. Dass ist Bücher verkaufen wie Schokoriegel. Und da habe ich kein Verständnis für, wenn Leute, die sich ansonsten um Literaturvermittlung bemühen (und die waren ja der Anlass meines Beitrages), einfach nur sagen: ach, lass sie doch.

    • Sehr geehrter Herr Brasch,
      heute finde ich endlich die Zeit Ihnen auf Ihre Rückmeldung zu antworten und Ihnen meinen Dank auszusprechen dafür, dass Sie mir eine ganz neue Welt der Literatur eröffnet haben.
      Ich schäme mich nun meiner fantastischen Vergangenheit, in der meine Zeit stets der Unterhaltung widmete und höchstens ausnahmsweise einmal geistig gefordert wurde.
      Tatsächlich hatte ich immer das Gefühl, nur dann anständig unterhalten zu werden, wenn auch mein Verstand herausgefordert wurde und dass ich beides regelmäßig innerhalb der Fantasyliteratur finden konnte. Vermutlich ist mein Verstand mittlerweile durch den langjährigen Konsum dieser Literatur verkümmert, denn ich glaubte doch wirklich innerhalb der Fantasy würden nicht nur gelegentlich sondern recht häufig wichtige und strittige Themen wie beispielsweise Selbstjustiz und Rache, Abhängigkeit und Freiheit des Einzelnen, Toleranz, Widerstand gegen Gewaltherrschaften, Rassismus, Umgang mit Trauer und Verlust, Krankheit und Armut, Umgang mit Erfolg und Wohlstand, verschiedenste Arten zwischenmenschlicher Beziehungen usw. behandelt werden.
      Erst durch Ihren Beitrag wurden mir die Augen geöffnet und ich erkannte, dass Fantasyliteratur zwar „per se nicht anspruchslos ist“, aber man in ihr in keinem Fall zugestehen kann, dass sie „im selben Maße die Rezeptions- und Reflexionsebene erfüllt wie der literarisch anspruchsvollere Kanon“, da dies aufs schändlichste Weise diskreditierend gegenüber „allen lebenden und verstorbenen SchriftstellerInnen, die sich darum bemüh(t)en, Teile davon zu erfassen.“ ist.
      Ohne Ihre Hilfe wäre ich wohl nie zu dieser wertvolleren Erkenntnis gelangt.
      Meine Erfahrungen im Bereich des „literarisch anspruchsvolleren Kanons“ sind viel zu gering, als dass ich es je geschafft oder gewagt hätte ein Urteil darüber zu fällen, welche Art der Literatur „die Rezeptions- und Reflexionsebene“ in höherem Maße erfüllt, als die andere(n) Art(en).
      Zum Glück haben Sie sich dieser Aufgabe angenommen und sie so viel besser bewältigt, als es mir je gelungen wäre.
      Selbstverständlich haben Sie Ihr Urteil nur aufgrund fundierter Beweise gefällt.
      Man spürt ja förmlich, wie sehr Sie sich in die Materie eingearbeitet haben:
      Erfahrungen im Bereich der höheren Literatur haben Sie natürlich schon zur Genüge gesammelt, aber da dies nicht ausreichen würde um beide Literaturgenres zu vergleichen, scheuten Sie – davon bin ich überzeugt – nicht davor zurück sich auch mit der Fantasyliteratur zu beschäftigen.
      In zeitintensiver Kleinarbeit lasen Sie sich kreuz und quer durch das Genre, obwohl jede Sekunde eine Qual für Sie war. Sie lieferten sich mutig der Gefahr der Verdummung durch fehlenden Anspruch aus und nur ab und an konnten Sie dem entkommen und mit einem Schiller o.ä. der furchtbaren Trivialliteratur entfliehen (dies natürlich nicht auf eskapistische Art und Weise).
      Dies konnte Sie allerdings nicht davon abhalten weiter vorzudringen in die Abgründe der Fantasy und nun kennen Sie sich in den entsprechenden Gefilden sogar besser aus als erfahrene Leser (vermutlich weil diese nicht über einen durch höhere Literatur geschärften Verstand verfügen).
      Der Einblick den Sie gewonnen haben ist wirklich bewundernswert, beispielsweise ist es mir zeitlebens nicht gelungen, etwas über „die übliche Intention“ von Fantasy-Autoren oder die „Erwartung der Lesemehrheit“ auszusagen, aber vermutlich habe ich mich einfach nicht ausführlich genug mit der Fantasyliteratur beschäftigt, um über die Gedanken ihrer „Produzenten“ und ihrer „Lesemehrheit“ bescheid zu wissen.
      Für Sie allerdings sind diese Menschen wie ein offenes Buch, das ist kaum zu übersehen.
      Es ist eine solche Schande, dass ich diese Tatsache nicht gleich erkannte und annahm, dass Literatur, als eine Form der Kunst immer subjektiv sei. Ich glaubte fest daran, dass jede Art der Literatur gleichberechtigt sei und jeder Leser nur subjektiv aufgrund individueller Kriterien die Entscheidung treffen könne, was anspruchsvoller, tiefgründiger, unterhaltsamer etc. sei.
      Dass den nicht so ist verstand ich erst durch Ihren von Wahrheit strotzenden Text.
      Zwar ist die Frage nach guter und schlechter Literatur nicht zu beantworten („Niemand kann für sich in Anspruch nehmen, anhand objektiver Kriterien gute von schlechter Literatur unterscheiden zu können.“), wohl aber die Frage nach guter und besserer Literatur („Der Masse an Fantasy-Literatur zuzusprechen, sie böte den Lesern die gleichen Reflexions- und Rezeptionsangebot wie der anspruchsvolle Kanon der Literatur, diskreditiert das gesamte Bemühen von vielen verstorbenen und noch lebenden Autoren.“).
      Erst durch Ihre spitzfindigen Ausführungen wird mir klar, dass ich jahrelang in naiver, unterhaltsamer Unwissenheit lebte und mit meinen diskreditierenden Äußerungen der höheren Literatur Unrecht tat, indem ich sie schändlicherweise auf eine Stufe stellte mit jeglichen anderen Genres. Dabei macht sie doch ihrem Namen alle Ehre und erhebt sich königlich über diese „eskapistische Trivialliteratur“.
      Schließlich ist sie ääähhmm… nun ja, sie erfüllt die Rezeptions- und Reflexionsebene in höherem Maße, weil… hust… na weil… Sie ist einfach bei weitem viel tiefsinniger, aufgrund von… ja…
      Huch! Na sowas!
      Jetzt habe ich doch tatsächlich vergessen, aus welchem Grund die hohe Literatur soviel wertvoller und bildender ist, als alle anderen literarischen Spielarten.
      Im Text konnte ich Ihre zahlreichen Argumente leider auch nicht wiederfinden, was natürlich nur damit zusammenhängt, dass mein Verstand kaum mehr in der Lage ist nach etwas anderem Ausschau zu halten, als unterhaltenden Elementen.
      Bitte, Herr Brasch, helfen Sie mir, indem Sie mir noch einmal erklären was „den literarisch anspruchsvolleren Kanon“ so anspruchsvoll macht.
      Wodurch unterscheidet sich die höhere Literatur von anderen Genres ?
      Welche Inhalte werden vermittelt, die in der Fantasy sträflich vernachlässigt werden ?
      Was zeichnet den verwendeten Sprachstil als erhaben aus ?
      Bitte erklären Sie mir das so genau wie möglich, sodass ich, wenn ich die Wahrheit in die Welt hinaustrage, nicht urplötzlich als unglaubwürdig und engstirnig dastehe.
      Denn von der einzig wahren Wahrheit über die Literatur haben Sie mich selbstverständlich überzeugt. Von heute an werde ich mich fernhalten von allem, was unterhaltsam ist und streng darauf achten mich nur noch mit Dingen zu beschäftigen die meinen Verstand anregen, damit ich endlich, endlich geistig wachse.
      Ohne Sie hätte ich es nie geschafft diesen Schritt zu tun. Es ist ein Segen, dass es noch wahre Helden gibt, die für das Niveau in der Literatur kämpfen und sich von nichts und niemandem davon abhalten lassen.
      Ich…oh nein!
      Ich spüre gerade, dass mich erneut das Verlangen nach „Fantasy-Fiction und sonstiger eskapistischer Trivialliteratur“ überkommt. Wieder muss ich abtauchen in eine glitzernde, rosafarbene Zuckerwatte-Welt, in der Einhörner auf Feen zu Zwergen reiten, die sie mit Schmuck und Waffen aus Gold und Silber überhäufen. Doch oh weh! Dort kommt ein mieser fieser Bösewicht um die Ecke, der die Weltherrschaft an sich reißen will und alle schönen Vampirprinzen entführt. Was soll jetzt nur getan werden?
      Schnell auf in den Kampf mit schimmerndem Zauberstab und schädelspaltender Axt!
      Zack und Bumm!
      Jetzt liegt er tot am Boden und der Vampirprinz sinkt seinem Einhorn in die Arme. Alle sind wieder glücklich und können singend und tanzend über die weiten Wiesen laufen.
      Typische Fantasyliteratur eben.
      Tja, machen Sie sich nichts draus, Herr Brasch. Ich habe ja schließlich schon Fantasy gelesen bevor, währenddessen und nachdem ich 16 war. Sie konnten mich also nicht mehr retten („Wer mit 16 Jahren Fantasy-Fiction und sonstige eskapistische Trivialliteratur liest, wird sich nicht Jahre später der Indie-Literatur hinwenden oder begeistert Virginia Wolff, Juli Zeh, Albert Camus, Thomas Bernhard, Reinald Goetz etc. lesen.“).

      Viele Grüße noch.

    • Schade, so eine lange Replik zu schreiben, die inhaltlich extrem redundant ist, auf das eigentliche Thema überhaupt nicht eingeht sich auf einen Teilaspekt versteift mit dem Fazit, das Wertschätzung von Literatur völlig beliebig und subjektiv sei.

    • Sehr geehrter Herr Brasch,
      auf die anderen in Ihrem Text genannten Thesen bin ich schon in meinem ersten Kommentar eingegangen und was das angeht besteht bei mir keinerlei Diskussionsbedarf mehr, zumal ich mit Ihren Rechtfertigungen diesbezüglich durchaus leben kann.
      Aber wenn Sie noch etwas zum Thema hören wollen, dann würde ich Ihnen im Bezug auf die Booktuber ans Herz legen, eindeutigere Formulierungen zu wählen, denn offenbar haben hier einige Ihrer Leser verallgemeinernd gelesen. So können Sie in Zukunft vermeiden missverstanden zu werden.
      Was nun die Konditionierung der Jugend betrifft, so ist und bleibt eine Statistik eben eine Statistik und kein Naturgesetz. Ich habe z.B. in Deutschland noch kein Elternpaar mit seinen 1,38 Kindern an der Hand spazieren gehen sehen, obwohl dies die durchschnittliche Anzahl an Kindern ist. Genauso habe ich in meinem Bekanntenkreis keinen Leser, der sich in seinem Literaturgeschmack nicht verändert hat. Auch in den Kommentaren hier zeigt sich, dass sich viele Leser in ihrem „Leseleben“ noch verändern. Genauso gibt es – zugegeben – viele Leser, die dies nicht tun. Letzendlich bleibt einem nichts anderes übrig als jeden Menschen individuell zu beurteilen und sich in Toleranz zu üben – etwas, dass ich auch Ihnen wärmstens empfehlen würde.
      Der Grund, warum ich mich so ausführlich zu Ihren Behauptungen zum Thema Fantasy geäußert habe, ist folgender: Ich konnte und kann mich schlicht und einfach nicht mit Ihren Angriffen – denn um solche handelt es sich – auf das Genre abfinden.
      Wenigstens haben Sie es geschafft, meinem Kommentar das Hauptargument zu entnehmen: Wertschätzung von Literatur ist subjektiv! Dafür ist Ihr Beitrag und die Rückmeldungen, die Sie dafür erhalten haben nur ein Beweis von vielen. Niemand kann für die Gesamtheit an Lesern weltweit festlegen, was höherwertig oder minderwertig ist – ich nicht und Sie auch nicht.
      Daher ist es auch keineswegs überraschend für mich, dass Sie sich den Fragen, die ich an Sie gerichtet habe, nicht gestellt haben. Ich selbst hätte sie auch nicht beantworten können, was ich aber hätte tun müssen, hätte ich die Behauptung aufgestellt, dass die Fantasy anderen Literaturgenres überlegen sei – so wie es im Bezug auf die höhere Literatur getan haben.
      Im Gegensatz zu Ihnen beschäftige ich mich bereits seit Jahren differenziert mit dem Fantasygenre und fand den von Ihnen verlinkten Artikel keineswegs erhellend und zudem schlecht geschrieben. („Fantasy hat Zauberer. Fantasy kann auch Elfen haben, ätherische, aber trotzdem mächtige Wesen – oder auch nur muskelbepackte Krieger mit wenig Kleidung und großen Schwertern: die Geschichten um „Conan den Barbaren“ zählen zu den ältesten Beispielen der sogenannten heroischen Fantasy. Immer aber gilt: Fantasy zeichnet eine andere Welt, eine Alternative zum Jetzt.“) Hier zeigt sich, wie wenig sich die verantwortlichen mit Fantasy auskennen. Fantasy zeichnet eben nicht immer eine andere Welt, eine Alternative zum Jetzt. Das es innerhalb der Fantasy zahreiche verschiedene Untergenres gibt, die an verschiedenen Schauplätzen, sowohl in fiktiven Welten, als auch in unserer Realität spielen, ist den Verantwortlichen wohl leider nicht bewusst.
      Abgesehen davon: Wenn Geothes „Iphigenie“ nicht auch eine „Alternative zum Jetzt“ ist, sowie jedes andere Werk, was nicht in dieser Welt und zu dieser Zeit spielt.
      Vielmehr habe ich einen Beitrag gefunden, der für Sie vielleicht tatsächlich erhellend sein könnte: http://www.polyoinos.de/Phantastik/fantasy_polemik.html
      Allerdings wage ich ernsthaft zu bezweifeln, dass Sie sich auch nur im Geringsten darauf einlassen werden.
      Daher denke ich, dass es am Vernünftigsten ist Hier und Jetzt einen Schlussstrich zu ziehen, bevor diese Diskussion noch ausartet.
      Sie werden sich weiterhin abfällig äußern, über alles, was Ihrem Bild von Bildung und hoher Kunst wiederspricht und ich werde diese Einstellung weiterhin als verurteilend, engstirnig und verblendet einstufen. Daher verschwenden wir wohl beide hiermit nur unsere Zeit und sollten die Nase vielleicht lieber wieder in die Bücher stecken, das lohnt mehr.
      P.S.: Sie können selbstverständlich noch versuchen, meine Fragen zu beantworten, aber ich glaube nicht, dass es Ihnen gelingen wird.

    • Danke für den Blogbeitrag. Sehr aufschlussreich und ein schönes, leidenschaftliches Plädoyer. Schade, dass er keine Kommentare ermöglicht und sich kein Diskurs daran angeschlossen hat.

      Was meine Haltung zur Wertschätzung von Literatur betrifft und warum Literaturkritik auch immer Gesellschaftskritik ist, dazu gab es heute einen sehr guten Beitrag auf dem Perlentaucher: https://www.perlentaucher.de/essay/gute-literaturkritik-ist-gesellschaftskritik.html

  8. Danke, für diese grobe Verallgemeinerung der dummen und verwahrlosten Jugend. Denn es ist ja allgemein bekannt das Jugendliche alle anspruchslos und beeinflussbar sind („Jung sein heißt aber oft, dass man eine Art “Anleitung” braucht.“, dieses Zitat ist zwar nicht von Ihnen persönlich, aber da Sie es übernommen haben stehen Sie wohl dahinter.)
    Ich und mein gesamter Bekanntenkreis fühlen sich durch Ihren Artikel sehr vor den Kopf gestoßen und ich frage mich, was Ihnen das Recht gibt über ein gesamtes Genre, eine gesamte Altersklasse und über die Gesamtheit an Booktubern zu urteilen. Abgesehen davon ist meiner Meinung nach jede Art von Literatur „eskapistisch“, da sich der Leser in jedem Fall in eine andere Situation versetzen muss. Wie sie außerdem schon geschrieben haben gibt es keinen Messwert für „gute“ oder „schlechte“ Literatur, es sind also auch Fantasyromane nicht pauschal als „schlecht“ zu bezeichnen. Es ist meiner Meinung nach eine Frage des persönlichen Geschmacks.
    Ich für meinen Teil bin der Ansicht, dass sich auch aus einem Fantasyroman ebenso viel Sinn entnehmen lässt wie aus sogenannter „höherer“ Literatur, wenn man dafür empfänglich ist. Es ist für mich eine Unverschämtheit, was Sie in Ihrem überflüssigen Kommentar geschrieben haben.

    • Was soll ich darauf erwidern? Ich habe genügend dazu schon in den anderen Kommentaren geantwortet. Wenn ihnen Sara & Co. gefällt, ok. Mir missfällt es. Und das zu bekritteln ist ebenso legitim, wie ein Buch, Film oder ein Musiker. Festzustellen, dass jede Literatur eskapistisch sei, beleidigt das Bemühen vieler Autoren, Literatur zu schaffen, die uns reflektieren lässt. Denn was Eskapismus im literaturwissenschaftlichen Sinne bedeutet, ist eine der wenigen klaren Abgrenzungen zu ernsthafter Literatur. Das nicht Fantasy per se eskapistisch ist, versteht sich dabei von selbst. Lese gerade sehr begeistert mit meinem 8Jährigen Sohn Harry Potter und wünschte, den hätte es schon in meiner Jugend gegeben.

    • Nachdem ich den neusten Kommentar von Effi Pampelmuse gelesen habe, neige ich dazu ihr in allen Punkten zuzustimmen. Im Gegensatz zu Ihnen benutzt Sie gute Argumente und vertritt eine Meinung, die nicht direkt eine ganze Menschengruppe angreift. Zusätzlich möchte ich anmerken, dass Sie niemanden diskreditiert, indem Sie lediglich sagt das fantastische Literatur auf der gleichen Stufe steht wie die „höhere Literatur“, was eine Tatsache ist, denn es gibt kein Genre von dem man in seiner Gesamtheit behaupten kann es wäre einem anderen unterstellt.
      Ich erwarte auf diesen Kommentar keine Antwort und ehrlich gesagt möchte ich auch nicht wirklich eine, denn ich rege mich nur wieder darüber auf. Ihre Äußerungen bringen mein Blut nämlich jedes Mal zum Kochen, weil sie entweder schlicht nicht wahr sind oder einfach unverschämt.

      P.S . Interessant wie Sie einfach voraussetzen ich wäre ein Fan von Sara Bow. Zu Ihrer Information ich bin es nicht.

  9. Danke für Ihren Kommentar, leider kann ich nicht direkt darauf antworten, daher mache ich es auf diesem Wege. Und ja, ich sehe mich da durchaus als Einzelfall, vor allem in meinem Bekannten-Kreis. Die Liebe zum Lesen habe ich auch selbst entwickelt, meine Eltern lesen beide nicht. Aber auch was die Musik angeht: in meiner Jugend-Zeit habe ich viel Pop und Chart-Musik gehört und auch in diesem Metier habe ich mich enorm weiterentwickelt. Jazz, Folk, experimentelle (elektronische) Musik – ich fühle mich in jedem Genre wohl.

  10. Ein Artikel mit dessen Inhalt ich weitesgehend übereinstimme (ich werde mir diese Videos aber nicht antun) aber auch ich störe mich an dem Satz:
    „Wer mit 16 Jahren Fantasy-Fiction und sonstige eskapistische Trivialliteratur liest, wird sich nicht Jahre später der Indie-Literatur hinwenden oder begeistert Virginia Wolff, Juli Zeh, Albert Camus, Thomas Bernhard, Reinald Goetz etc. lesen.“
    Ich habe damals viel Stephen King, Hohlbein und Konsorten gelesen was ich heute überhaupt nicht mehr tue. Nun befinden sich in meinem SuB Bücher von James Joyce, William Butler Yeats, Henrik Ibsen und vielen mehr. Sogenannte Trivialliteratur lese ich so gut wie überhaupt nicht mehr.

    • Herzlichen Dank für die Rückmeldung. Ich könnte es ja dabei bewenden lassen und sagen, ok, meinetwegen sagt die Lesepräferenzen am Ende der Pubertät nichts über die zukünftige aus. Doch damit würde ich es mir und auch den Kommentierende etwas zu leicht machen. Auch nach einer etwas längeren Google-Recherche fand ich bislang keine Untersuchung, die meine These untermauert, aber auch keine, die mir das Gegenteil bestätigt. Ich fand jedoch einige Artikel, die meine Vermutung eher unterstützen, was mir auch mein persönlicher Erfahrungsraum bestätigt.

      Hier ein Artikel zum Thema Fantasy-Literatur: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-65089128.html

      Hier eine Studie zur literarischen Sozialisation von StudentInnen

      Und hier noch ein älterer Vortrag, der das Dilemma beschreibt: http://www.ph-heidelberg.de/fileadmin/user_upload/deutsch/Lesezentrum_Archiv/Hefte_01-05/eggert.pdf

      Jeder, der seinen persönlichen Wandel als allgemeines Gegenargument meiner Vermutung anbringt, sollte sich wohl erst einmal als Ausnahme von der Regel betrachten. Die gibt es natürlich, die gab es immer.

      Hätte ich diese Vermutung auf die Musik bezogen, wäre der Widerspruch wohl weit geringer, obwohl es sich dort meines Erachtens ähnlich verhält. Nur sind dort die Grenzen zwischen E und U deutliche klarer. Man kann davon ausgehen, dass es sehr selten ist, dass sich jemand nach seiner Teenie-Zeit noch mal gänzlich einem völlig anderem musikalischen Genre nähert, wenn er nicht Musik selbst macht, sondern nur rezipiert. Hier könnte ich mich als Ausnahme von der Regel benennen, zumindest wenn ich meinen Freundeskreis in der Jugend betrachte, von denen mir bekannt, keiner heute intensiv Klassik hört.

      Provokant in Analogie zur Fantasy-Literatur gesagt, wer mit 16 Helene Fischer Fan ist, wird nicht mit 26 ein Kribbeln verspüren, wenn er die Arie der Königin der Nacht hört.

  11. „Wer mit 16 Jahren Fantasy-Fiction und sonstige eskapistische Trivialliteratur liest, wird sich nicht Jahre später der Indie-Literatur hinwenden oder begeistert Virginia Wolff, Juli Zeh, Albert Camus, Thomas Bernhard, Reinald Goetz etc. lesen.“

    In meinen Augen eine unpassende Verallgemeinerung, die so einfach nicht haltbar ist. Nur, weil man mit sechzehn Jahren noch keinen Kafka liest, heißt das nicht, dass man es nicht später tut. Der Literaturgeschmack verändert sich, man wird reifer und kann sich eher auf Weltliteratur einlassen (denn diese erfordert andauerndes Mitdenken sowie im besten Fall Kenntnisse der entsprechenden Literaturepoche, da man vieles sonst schlicht und ergreifend nicht versteht). Denn mal ganz ehrlich – ich fand Klassiker mit sechzehn Jahren furchtbar öde und habe fast ausschließlich Fantasy gelesen.
    Meiner Meinung nach muss man sich nicht mit jedem Buch, das man liest, weiterbilden. Zumal man im Teenageralter weniger an Weiterbildung als an gut zu lesenden Geschichten interessiert ist. Noch heute liebe ich Jugendliteratur und lese hauptsächlich Fantasybücher. Das hat allerdings nichts damit zu tun, dass ich mit Klassikern nichts anfangen kann. Ich sehe da ehrlich gesagt keinen Zusammenhang mit einer geschwächten Urteilskraft oder einem Milieu. Obwohl du es nicht abwertend meinst, wie du bereits in vorherigen Kommentaren erwähnt hast, erscheint es leider doch so.

    Ich kann zwar einigen Punkten in deinem Beitrag zustimmen, diesem jedoch so gar nicht, da ich ihn sehr unreflektiert finde. Ansonsten stimme ich dir absolut darin zu, dass eine Rezension beziehungsweise Empfehlung nicht aus „megamegatoll“ bestehen solte. Da mir dies im Teenageralter aber wahrscheinlich ebenfalls als Kaufgrund ausgereicht hätte (was nichts mit Anspruchslosigkeit und Naivität zu tun hat – denn wenn man von einem Booktuber weiß, dass er denselben Geschmack hat, kann man durchaus auch auf ein flaches Urteil wie „megamegatoll“ vertrauen, zumal man sich meist nicht nur über einen Kanal über ein Buch informiert), finde ich es wiederum in Ordnung. Sara zielt einfach nicht auf hochkritische Beurteilungen eines Buches ab und wer ihren Kanal verfolgt, weiß das. Wem das nicht gefällt, der sieht sich ihre Videos eben nicht an (ich zähle auch nicht zu ihren Zuschauern). So ganz verstehe ich diese ganze Aufregung nicht und finde es auch völlig übertrieben, von einem literarischen RTL 2 zu reden. Das zeigt nur mal wieder, dass einige Menschen, die sich für besonders belesen und gebildet halten, den Literaturgeschmack anderer abwerten. Ich bin beispielsweise auch kein Fan von Fifty Shades of Grey oder den Büchern von Anna Todd – aber was juckt’s mich, wenn es anderen gefällt?
    Es war schon immer so: Über Geschmack lässt sich nicht streiten.

    • Danke für deinen Kommentar, Saskia. Ich denke, wer interessiert ist und sich mit meiner These näher beschäftigt, wird am Ende zu dem nüchternen Ergebnis kommen, dass spätestens mit Ende der Schulzeit die Weichen für kulturelle Interessen gestellt sind. Dabei werte ich nicht per se ab, dass jemand überwiegend dann eskapistische Literatur präferiert. Diese Literatur ist schon Jahrhunderte maßgeblich für einen florierenden Buchmarkt. Die Gattung „Roman“ entspringt diesem Marktbedarf und die meisten, heute vergessenen Romane im 19. Jahrhundert waren schlichtweg nur erbauliche oder schaurige Unterhaltung, um seinem eintönigen Alltag zu entfliehen. Heute deckt bei mir diesen Bedarf der Film ab – was so manchen Cineasten sicher schleierhaft ist.

      Gerade habe ich in einem anderen Blog meine Buch-Biografie geschildert. Und zwar aufgrund der Rückmeldung, ich würde so den Fans von Sara vor den Kopf stoßen. Das habe ich zwar mit meinen Beitrag eigentlich nicht gemacht, da ich ihn gar nicht an die Fans adressierte. Dennoch würde ich aber auch sie vor den Kopf stoßen. Jedoch nicht ungefragt. Denn ich habe bis zu meinem 13ten Lebensjahr fast nichts Belletristisches gelesen. Erst als ich von den Mädels in meiner Klasse und um mich herum vor den Kopf gestoßen wurde in dem sie erstens recht schlaue Sätze u.a. von Goethe, Hesse, Dürrenmatt und Frisch zitierten und sie zweitens ziemlich deutlich machten, dass sie mit mir keine gemeinsame Themen hätten, nahm ich die Bücher zuhause aus dem Regal und fing an zu lesen. Und dann bekam ich zum 15. Geburtstag den „Fänger im Roggen“ von meiner ersten großen Liebe geschenkt. Der hat mich dann auch ziemlich vor den Kopf gestoßen. Der hat mir einerseits mein cooles Lebensunlustgefühl gespiegelt und anderseits aber klar gemacht, dass man mit dieser Lebensweise wohl ein unbeliebter Kotzbrocken wird. Zumindest in den nachfolgenden Jahren tat das dann seine positive Wirkung.

      Dieses vor den Kopf stoßen – seien es Bekannte, Freunde, Fremde oder Bücher selbst -braucht es, um mal anderes wahrzunehmen.

      Ich wäre in meiner Jugendzeit nie auf die Idee gekommen, über solche kritischen Anregungen und Reaktionen von Älteren zu lachen oder sie in den Wind zu schlagen. Sie hätten mich sicher auch genervt, denn ich wollte ja schon ernst genommen werden. Gerne hätte ich über Schuld und Sühne, über dieses „In die Welt geworfen sein“, über Lebenssinn, Freiheit, Willens- und Urteilskraft, Selbst- und Fremdbestimmung etc. philosophiert ohne zuvor ein Buch zu lesen. Doch nachdem ich dann zähneknirschend einige in die Hand nahm (z. B. „Der Fremde“ von Camus oder „Ansichten eines Clowns“ von Böll – waren zum Glück nicht so dick) begann ich zu ahnen, wie viel Anregung ich wohl erst einmal tanken sollte, bevor ich beginne, mir schon großspurig antworten zu geben.

      Ich bin zum Glück in meinem Leben oft vor den Kopf gestoßen worden. Das macht nicht nur nachdenklich, sondern bringt einen auch auf andere, neue Gedanken.

    • Dem eingangs genannten Zitat kann ich ebenfalls aus der eigenen Biografie heraus nur widersprechen. Was ich mit 16 gelesen habe (ja, SF und Fantasy), lese ich schon lange nicht mehr. Thomas Bernhard hingegen? Camus? Gerne.

    • Kannst du eine Studie anführen, die beweist, dass die „Weichen für die kulturellen Interessen“ nach der Schulzeit gestellt sind? Wenn nicht, ist dieses Argument nicht haltbar.

      Interessanterweise haben sich meine Klassenkameraden mit dreizehn Jahren nicht die Bohne für Hesse und Goethe interessiert und zitieren konnten sie erst recht nichts von den genannten Herren. Wir haben „Freche Mädchen, freche Bücher“, „Eragon“ und „Harry Potter“ gelesen und damit ganz hervorragend gelebt. Dümmer sind wir dadurch übrigens auch nicht geworden, würde ich nun einmal ganz frech behaupten. Und ich glaube eher, dass nur wenige etwas damit hätten anfangen können, wenn ein Klassenkamerad plötzlich mit hochtrabenden Zitaten von Dürrenmatt um sich geschlagen hätte. Wir haben in der siebten Klasse gerade einmal angefangen, Klassiker wie „Der Schimmelreiter“ zu lesen und diese zu diskutieren. Doch in einem solchen Alter zeigen einfach die wenigsten Jugendlichen Interesse an solcher Literatur, und das ist meiner Meinung nach völlig verständlich und normal.

      Zudem bin ich nicht der Meinung, dass man als Jugendlicher bereits die höchsten Sphären der Philosophie erklimmen muss. Ich persönlich war nie ein Fan von schwer zu lesenden philosophischen Texten und diese konnten mich auch im Studium nie begeistern. Trotzdem kenne ich durchaus die Hauptaussagen gewisser Philosophen (Stichwort Allgemeinbildung) – und damit reicht’s mir auch. Nichtsdestotrotz kann ich hervorragend über Philosophie diskutieren, denn vieles ergibt sich bereits aus gesundem Menschenverstand und einem rationalen, objektiven Blick auf die Umwelt und die Mitmenschen. Dafür brauche ich weder Platon noch Camus, und ich finde es tatsächlich etwas irritierend, dass so etwas in deinen Augen scheinbar eine Voraussetzung ist, um über Lebenssinn, Urteilskraft und dergleichen zu diskutieren. Das Leben besteht nicht nur aus Büchern (und das schreibe ich, deren Leben zu einem enorm großen Teil aus Büchern besteht – doch deine Ansicht geht mir persönlich einfach zu weit und wirkt auf mich veraltet und überholt).

      Du darfst nicht vergessen, dass sich die Gesellschaft seit deiner Schulzeit wesentlich gewandelt hat, nicht zuletzt durch das Internet, und dass du deine Maßstäbe bei heutigen Jugendlichen einfach nicht mehr ansetzen kannst. Das muss man wohl oder übel akzeptieren, da hilft auch Meckern nichts. Die Jugend verdummt nicht, nur weil sie nicht mit dreizehn Dürrenmatt in ihrer Freizeit liest, auch wenn das von älteren Generationen scheinbar gerne angenommen wird. Doch auch ich gehöre zu der jungen Generation und bin weder ungebildet noch unbelesen, bloß weil ich meine Nase am liebsten in Fantasybücher stecke und keinen Bock auf Camus habe. Diese einseitige Betrachtungsweise stößt mir wirklich sauer auf, daher auch wieder ein langer Kommentar.

      Und dieses „vor den Kopf stoßen“ empfinde ich persönlich nicht als die richtige Taktik. Das ist so (Achtung, plattes Beispiel), als würde man zu einem Raucher sagen: „Bah, bist du abartig, gib dein Geld lieber mal für sinnvolle Dinge aus statt mit jeder Kippe auf deinen Tod hinzuarbeiten“ – klappt genauso wenig, da eine negativ konnotierte Herangehensweise verständlicherweise weniger Erfolg hat als eine positiv konnotierte in Form von Ermutigungen und Optimismus. Logisch, oder? Man sollte sich nicht mit Klassikern beschäftigen, weil man es als Zwang empfindet, sondern aus Spaß und Neugierde, und Spaß entsteht in der Regel nicht, wenn man vor den Kopf gestoßen wird.

    • Das ist jetzt sehr viel Widerspruch. Und den will ich auch so einfach mal akzeptieren. Einzig eine Anmerkung: einerseits wünschst du dir eine Studie für meine These und anderseits bist du überzeugt, dass man über die großen Fragen des Lebens einzig mit gesunden Menschenverstand philosophieren kann und da dann schon zu befriedigenden Ergebnissen kommt. Das ist natürlich aus meinem Blickwinkel ein völliger Widerspruch. Mein gesunder Menschenverstand, meine Lebenserfahrung und allein die jährlichen PISA Studien unterstützen meine These. Zudem habe ich auf die Schnelle einen ganz interessanten Beitrag dazu gefunden, der das Thema „Literarische Sozialisation“ beleuchtet, zwar schon etwas älter ist und keine Studienergebnisse benennt, jedoch das von mir formulierte Dilemma bestätigt: http://www.ph-heidelberg.de/fileadmin/user_upload/deutsch/Lesezentrum_Archiv/Hefte_01-05/eggert.pdf.

      Zudem hatte ich ja schon betont, dass für mich das Leseverhalten und die Literaturpräferenz keinerlei Frage der Wertschätzung eines Menschen ist. Ich habe logischerweise in meinem Freundeskreis mindesten 90% Menschen, die mein Interesse an Literatur belächeln und im Prinzip kaum lesen. Denn mein Freundeskreis deckt da schon recht repräsentativ die Gesellschaft ab. Literatur ist Liebelei und vermag einzig auf die eigene Entwicklung der Persönlichkeit Einfluss nehmen. Doch sie macht die Welt nicht besser, eher gibt es ein paar Bücher, deren Einfluß sehr viel Leid über die Welt gebracht haben.

  12. Hallo…
    Also ich muss gestehen, dass ich mich sowohl vom Artikel in der SZ als auch von dem Beitrag hier persönlich angegriffen fühle. Ich habe auch einen YT-Kanal über Bücher, möchte aber nicht mit Sara in eine Schublade gesteckt werden. Wobei man Saras Reaktion auf Twitter entnehmen kann, dass viele Dinge ihr im Mund umgedreht wurden… Ich mache Videos über Bücher, weil ich meine Freunde an Büchern teilen möchte. Ich möchte weder etwas verkaufen noch bin ich Literaturkritiker. Und 800€ oder mehr zu verdienen ist die Ausnahme. Aber andererseits sei es ihr gegönnt: wer möchte nicht mit seinem Hobby Geld verdienen?
    Im übrigen lese ich nicht nur Jugendbücher, die hier ja doch sehr abgewertet werden, sondern auch Austen, Shakespeare und Co.
    Und wer entscheidet, mit welcher Begründung, was Gute und was schlechte Literatur ist?

    • Wie unten schon geschrieben: Weder beklage ich die Form des Booktubing, die ich sogar klasse finde, noch fordere ich eine akademische Literaturkritik ein, noch werte ich Jugendbücher ab. Ich beklage die Darbietung, so wie ich mich auch über eine TV-Sendung beklagen würde, wenn sie meines Erachtens dem Thema nicht gerecht wird. Dieses Feedback kann man annehmen oder lassen, so wie die verlinkte Beurteilung von Sara Bow über das Buch „Eleanor & Park.“

  13. Ist ja alles schön und gut aber ich finde es unverschämt so über Leute zu reden, die man nicht einmal selber kennt und dafür ist ihr Urteil ziemlich kritisch obwohl sie weder Sara kennen noch Booktuber! Ich bin selber Blogger und Booktuber und finde es gut dass Rezensionen aufgelockert werden und man nicht wie in der Zeitung darüber berichtet, denn das ist nicht der Sinn des Bloggens. Außerdem würden sie Sara kennen wüssten sie wie viel ihr die Bücher bedeuten und es nicht um irgendwelches Geld geht. Und nur weil wir die Bücher perönlich empfehlen und nicht in irgendeiner Fachsprache heißt es nicht dass unsere Meinung weniger wert ist. Sie sollten einmal Bedenken, warum wir so erfolgreich sind mit Bloggen und Youtube …

    • Was soll ich auf so eine Reaktion auf diesen Beitrag antworten? Weder beklage ich die Form des Booktubing, die ich sogar klasse finde, noch fordere ich eine akademische Literaturkritik ein. Die betreibe ich ja selbst nicht. Ich beklage die Darbietung, so wie ich mich auch über eine TV-Sendung beklagen würde, wenn sie meines Erachtens dem Thema nicht gerecht wird. Dieses Feedback kann man annehmen oder lassen, so wie die verlinkte Beurteilung von Sara Bow über das Buch „Eleanor & Park.“

  14. Ich persönlich finde es auch nicht sehr hilfreich, ein Buch nur mit einer Nacherzählung des Inhalts und mit den Worten „mega mega toll“ oder „sooo schön“ zu beschreiben, da ich damit einfach nichts anfangen kann. Aber wenn durch Sara einige Bücher verkauft werden, hat sie scheinbar etwas an sich, das begeistern kann. Und wenn es nur die Freude ist, die sie ausstrahlt, wenn sie von ihren gelesenen Büchern erzählt. Ich bin der Meinung, dass allein das schon sehr anregend sein kann. Und letztendlich ist es aus meiner Sicht auch nicht so wichtig, WIE genau sie es schafft, dass man durch ihre Videos dieses oder jenes Buch kauft, denn am Ende müssen wir das Buch schließlich selbst lesen und uns im besten Fall eine eigene Meinung darüber bilden. – Und die kann ja weitaus definierter, in die Tiefe gehender ausfallen. ;)

    Liebe Grüße (von einer Buch-Bloggerin)

    • Danke dir, Janine, für deinen Kommentar. Ich habe durchaus Verständnis für den Reflex, bei Sara Bow & Co. zu denken: Ach, lass sie doch. Das war ja auch meine erste Reaktion als ich den Artikel zuerst mit dem etwas süffisanten Kommentar auf FB postete: „So macht man heute Buchbesprechungen. Dann klappt’s auch mit der Kohle.“

      Irritiert war ich dann aber – wie ich schrieb – über die breite Akzeptanz und Verteidigung, dass dies doch völlig ok sei. Ist es das? Ist diese Darbietung und Behandlung von Literatur eine Form, die wir tolerieren, ja gut heißen wollen? Für mich ist es das eben nicht. Für mich unterschreitet dies eine akzeptable Schwelle. Wenn ich hier nicht rufe: So bitte nicht! verrate ich meinen letzten eigenen Anspruch an ein Mindestmaß von Engagement für eine Sache.

      Wie ich schon anderer Stelle schrieb, können wir nicht einerseits über die Verflachung der Medien lamentieren und dann andererseits ein „Gewächs“ dieser Verflachung bejubeln, weil sie ein cleveres Business daraus gemacht hat. Wenn man noch Ambition verspürt, nicht alles der Beliebigkeit zu überlassen, sondern sich für das Schöne, Wahre, Gute einzusetzen – wie auch immer man dieses für sich beurteilt – dann kann man meines Erachtens diese Form nicht tolerieren. Deshalb hab ich das hier kund getan.

    • Ich denke, dass diese Darbietung der Buchbesprechung für jene Personen „okay“ ist, die damit etwas anfangen können. Wenn man mit gehobenerer Behandlungsform von Literatur überfordert ist (bzw. nur Bahnhof versteht), wird man sich über Saras Beiträge wahrscheinlich mehr freuen, als über Abhandlungen studierter Literaturkritiker.

      Ich kann Saras Form der Buchbesprechung durchaus tolerieren, weil sie erstens ein sympathisches Wesen besitzt, sichtlich Freude im Umgang mit ihren Büchern (und der Mitteilung darüber) hat und weil ich weiß, dass es eben Menschen gibt, für die genau diese Form die richtige zu sein scheint.

      Personen, die „mehr“ brauchen, lieber hinterfragen und gut begründete Kritik schätzen, werden sich Videos von Sara und Konsorten sowieso nicht ansehen und abonnieren.
      Ich persönlich finde es einerseits schön, dass sie sehr offen wirkt und redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, andererseits kommt das das dann natürlich auch sehr seicht und nicht durchdacht rüber. Es sieht so aus, und wahrscheinlich ist es auch so, als hätte sie das Video (ich habe mir das verlinkte angesehen) nur einmal abgedreht und online gestellt, ohne groß darüber nachzudenken. Diese Sorglosigkeit lässt darauf schließen, dass ihr Perfektion und das was andere Leute von ihr denken, egal ist. – Wie gesagt: einerseits bewundernswert, andererseits ist das, was in diesem Fall dabei herauskommt, für manche Menschen aber leider auch nicht sehr nützlich.

      Trotzdem würde ich sagen, dass das, was sie tut, auch niemandem schadet, denn selbst ist der Mensch, und ich und jeder andere auch, hat es selbst in der Hand, was er/sie (in welcher Form auch immer) konsumieren möchte, jeder muss selbst wissen, welches Niveau für ihn das richtige ist.

      Liebe Grüße,
      Janine

  15. Auch mir ist der Satz, den der vorherige Kommentator zitiert, negativ aufgefallen, da ich durchaus Menschen kenne, die erst mit 18/19 aus irgendeinem Grund (meistens war es nicht die Schule) begonnen haben, sich mit Literatur auseinanderzusetzen. In einem Falle war es z.B. die Verfilmung der Herr der Ringe-Trilogie bzw. des ersten Bandes. Daraufhin wollte mein Bekannter auch die anderen Bände lesen, statt auf die Fortsetzung zu warten. Mittlerweile liest er neben der oft gescholtenen Trivialliteratur (bevorzugt mit Horror- und Zombiethematik) auch z.B. Remarque oder Orwell oder Heinrich Mann.
    Ich würde die Buchauswahl mit 16/17 nicht so schwarz malen wollen, wie es durch diesen Satz geschieht.
    Lieber Gruß!

    • Danke für deinen Kommentar. Es zeigt mir ja immer, dass ich mich nicht in allen Punkten verständlich machen konnte. Ich selbst maße mir nicht an, irgendeine Literaturpräferenz zu verurteilen. Ebenso würde ich niemanden gering schätzen, der überhaupt nicht liest. Ganz im Gegenteil: in meinem persönlich gewachsenen Bekanntenkreis, lesen höchsten 10% Belletristik. Wer Literatur nur als eskapistisches Medium präferiert, macht das genauso wie ich überwiegend beim Film.

      Dass sich jemand erst mit 18/19 Jahren einem breiterem Genre an Literatur widmet, erachte ich aus meiner Erfahrung als Ausnahme. Die Weichen werden hier meines Erachtens vorher gestellt. Und wie schon in meinen Antworten zu den anderen Kommentaren beschrieben: ich beklage nicht die Literaturauswahl von Sara, sondern die Art und Weise, wie sie die Literatur behandelt.

  16. Toleranz gegenüber Andersdenkenden beginnt für mich nicht nur bei der Religion, sondern auch bei der Literaturauswahl. Die kids sind gezwungen, in einem System zu leben, welches auf ewiges Wachstum setzt. (Die Ausbeutung finanziell schwächerer Länder mal kurz außer Acht gelassen) Sie passen sich an, schwimmen mit, wie die meisten von uns, die die Möglichkeit haben trotz ihres Unbehagens den „Rahm“ in Form finanziellem Wohlstands abzuschöpfen. Auch wenn der Neid,

    „Um es bei aller nachvollziehbaren Zurückhaltung und Toleranz gegenüber allen Formen der Literaturvermittlung doch mal an dieser Stelle ganz deutlich zu sagen: ich finde es grauenvoll, dass diese Darbietungen, dieses ungenierte Plappern von Sara Bow & Co. erfolgreich Bücher verkauft. Soviel Neid muss sein.“

    oder, ich unterstelle jetzt einfach: die Betrübnis über die Qualität der zu verkaufenden Bücher überwiegt. Bücher, egal welcher Couleur sind nicht sakrosankt und der Verkauf von intellektuell minderwertigen Exemplaren via youtube stellt womöglich eine Bedauerlichkeit dar, die Schlussfolgerung, dass die Klassengesellschaft (das Milieu) niemals überwunden werden kann, festzementiert ist stimmt mich einerseits nachdenklich, andererseits traurig.

    „Wer mit 16 Jahren Fantasy-Fiction und sonstige eskapistische Trivialliteratur liest, wird sich nicht Jahre später der Indie-Literatur hinwenden oder begeistert Virginia Wolff, Juli Zeh, Albert Camus, Thomas Bernhard, Reinald Goetz etc. lesen.“

    Es bleibt die Frage:

    Wenn elitäre Schöngeister gezwungen sind einen Club zu gründen, ist dies doch bereits die bewusst herbeigeführte Abgrenzung von allen als minderwertig beurteilten Niederungen, Irrungen und Wirrungen. Führt das nicht automatisch und zwangsläufig zu einem derart erhöhten Sitz auf dem Gaul, mit dem Kopf in den Wolken wohliger Gedankenschwere,dass die Umweltwahrnehmung sich verzerrt?

    Mein Verständnis, dass man sich gezwungen sieht das empfundene Elend lautstark zu äußern ist durchaus vorhanden.

    Daher ein link: https://feinerbuchstoff.wordpress.com/2015/06/15/literatur-blogger-erhebt-euch/

    mit respektvollem Gruß vor einem Literaturblogger, dessen Beiträgen ich gerne folge, wenn ich es denn vermag (siehe Zitat „Wer mit 16…“ )
    und der Bitte, das Augenmerk speziell auf den letzten Satz zu richten ;)

    • Danke Dir für den Kommentar, den ich gerne dahingehend aufnehme, dass es mir genau darum geht, Toleranz nicht in Beliebigkeit enden zu lassen. Sie ist 21 – ein Alter, in dem man über Literatur Jugendlichen mehr erzählen können muss, als dass ein Buch megamegamega toll ist. Und darum geht’s mir.

      Was ich zudem deutlich zu machen versuchte: ich bekrittle nicht die Literatur, die sie empfiehlt. Es liegt mir fern, jemanden seine Literaturpräferenz madig zu machen. Es ist völlig ok, sich auf ein rein eskapistisches Genre sein Leben lang zu beschränken. Im Bereich Film mache ich das zwar nicht gänzlich, doch ich bevorzuge im Alltag Actionfilme und Thriller, wenn ich mal keine Lust zu lesen habe.

      Mir ging es mit diesem Beitrag darum, klar zu machen, dass wir nicht darauf hoffen können, dass Jugendliche sich dem gesamten Spektrum an Literatur widmen werden, wenn wir nicht die Form der Behandlung von Literatur kritisch beurteilen. Wie gesagt, wenn eine 21jährige so Literatur behandelt, sollte dies für mich nicht nur eine Qual sein, sondern für jeden, der Literatur schätzt.

      Was nun den elitären Club betrifft: den sehe ich – wie beschrieben – als ewige Konstante. Die Unverschämtheit ist nur, dass er sich seit Jahrzehnten, Jahrhunderten erhebt, maßgebend für die gesamte Gesellschaft zu sein und deshalb auch die gesamte Gesellschaft auffordert, diesen Club mit seinen geförderten Aktivitäten zu finanzieren. Für mich ist die Leidenschaft für Literatur und manche anspruchsvolle Hochkultur persönliche Liebelei. Und ich hätte volles Verständnis dafür, dass sich eine Mehrheit in der Gesellschaft dagegen sträubt, diese Liebelei mitzufinanzieren.

      Intellektuell kann jeder in diesen Club eintreten, wenn er will. Hier gibt es meines Erachtens kaum noch Barrieren. Einzig muss man bereit sein, die dazu erwartete Bildung zu erwerben.

    • Meine Söhne sind 13 und 15 Jahre alt, wenn ihnen jemand erzählt, dass ein Buch „megamegatoll“ ist würden sie sehr kritisch nachfragen. Allein schon deshalb, weil sie gelernt haben Bücher vorzustellen und zu präsentieren. Damit stehen sie sicherlich nicht alleine da in ihren Altersstufen. Mit 21 Jahren dürfte die Bloggerin dies ebenfalls gelernt haben, entscheidet sich aber bewusst (?), dagegen, womöglich um die lippenstiftaffine Zielgruppe nicht zu verschrecken. Wenn sie diese, wie es den Anschein hat tatsächlich erreicht, hat diese, durch das niedrigschwellige Lockangebot vielleicht zum ersten Mal, außerhalb des Unterrichts, die Möglichkeit selbst zu lesen und zu denken…

      Ich leide selbst unter Literaturbesprechungen die sich in Schlagwörtern und Ausrufungszeichen erschöpfen, sehe aber die Chance bei derartigen „Rattenfängern“ darin, dass sie Interesse zumindest wecken und so die Möglichkeit entsteht weiterzuwachsen, überhaupt erst ein Buch zur Hand zu nehmen.
      Von daher verweigere ich mich der Qual, sehe auch keinen Sinn darin. ;)

      Zum Club: Die Gesellschaft alimentiert bedeutend unangenehmeres als den Schöngeistlichen Club, angefangen bei den Unsummen für die Kirchen. Auch hier gilt für mich des Anhalters Motto, linse ich doch gerne ab und an den Schöngeistern in die Gedankenwelt.

      Gelassenheit wünschend

    • Danke noch mal. Es bestätigt ja den Kern meiner Intention. Einzig unterscheiden wir uns in der Akzeptanz. Ich mag nicht einerseits der allgemeinen Verflachung in den Medien mit kleinen bescheidenen Mittel entgegenarbeiten und anderseits dann aber die jugendlichen „Gewächse“ solcher Medien kritiklos tolerieren. Die entschuldigende Logik, dass auf diese Weise wohl junge Menschen zum Lesen animiert werden, die sich sonst nicht anregen lassen würden, bezweifele ich zudem. Würde sie so funktionieren, müsste man sie auf alle Medien anwenden. Dann sollte man selbst in den Feuilletons besser täglich Lese-Tipps von Promis vorstellen.

      Zum Club: als Nutzniesser der gesellschaftlichen Alimentierung von Hochkultur nehmen wir das dankend an. Das Verweisen darauf, dass das ja andere auch so machen, ist dabei aber kein Argument, sondern ein Offenbarungseid.

  17. Sara, mir graut’s gar nicht vor dir. Im Gegenteil, ich finde dich cool. Vor allem, weil du das tust, was ich in unzähligen Lesungen mit Jugendlichen eigentlich immer rate, wenn es um die Frage geht, wie und warum ich Autor wurde. In dieser Frage steht nämlich oft unausgesprochen: Was soll ich eigentlich tun, was soll aus mir werden? Und dann sage ich: Schau, ob es eigene Wege für dich gibt, lass dich von Leidenschaft führen und höre nicht auf die, die sagen, du kannst nichts oder das, was du willst passt nicht, ist nichts wert. Genau das macht Sara. Mit Leidenschaft frönt sie nicht nur ihren Vorlieben, sie hat auch noch ein Business daraus gemacht. Sie schafft (wenn der Artikel stimmt) Arbeitsplätze, sie ernährt sich und andere und zahlt hoffentlich auch irgendwann Steuern. Hut ab. Mit 21. Ohne sich um die teils fragwürdigen Regeln einer teils verschlafenen Branche zu scheren, macht sie ihr Ding und tut dabei doch wirklich niemand weh. Sie ist ein zugegeben bunter Stein in einem künftig immer kleinteiliger werdenden Mosaik der Buchvermittlung und Buchbeurteilung. Wenn Sara übrigens bei ihrer Tätigkeit Menschen dazu verführt zu lesen, ist das unabhängig vom Niveau des Inhalts der Bücher, auch eine gute Tat. Die Erkenntnisse der Forschung zur Literacy und die der Hirnforschung sprechen hier eine ziemlich deutliche Sprache. Übrigens ist die Behauptung, dass Menschen, die mit 16 nur Fantasy-Fiction lesen, nicht auch irgendwann den Segnungen der gehobenen Literatur anheim fallen könnten, schlicht falsch. In der kindlichen und pubertären Lesebiografie fast aller starken LeserInnen gibt es fast immer Phasen, in denen Kinder und Jugendliche durch solches Lesefutter regelrecht fressen, es ist sogar wichtig, um ein stabiles Selbstkonzept als LeserIn zu entwickeln (vgl. Rosebrock/Nix, Uni Frankfurt und Garbe/Uni Köln). Ich selbst habe meine ganze Kindheit über nur Kram gelesen, bei dem sich mir heute eigentlich die Nackenhaare aufstellen und dann kamen (noch in der Schulzeit) plötzlich die Buddenbrooks daher und wurden ein Lebensbuch. Immerhin hat es dann zum Buchhändler und später zum Autor gereicht, wenn auch zu einem, der zwar mittlerweile tausendfach zu Lesungen eingeladen wurde, aber nur einmal in ein Literaturhaus. Vielleicht liegt es daran, dass ich Kinder einfach nur zum Lesen verführen und sie dabei gut unterhalten will. ;-)

    • Wie ich schon auf FB darauf geantwortet habe: Sie ist 21 – ein Alter, in dem man über Literatur seiner jugendlichen Zielgruppe mehr erzählen können muss, als dass ein Buch megamegamega toll ist. Und darum geht’s mir. Zudem lautet meine These, wer über 16+ ist und weiterhin nur eskapistische Literatur liest, sich dies kaum mehr ändern wird. Und wenn wir jede Form der Literaturempfehlung bejubeln, können wir auch jede Form von Literatur bejubeln und enden gänzlich im Meer der Beliebigkeit. Dass ich vor Saras Aktivitäten als Business Respekt habe, schrieb ich zudem.

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