Greenwash Inc. – da hab ich wohl zu viel erwartet.

FullSizeRenderVielen Dank an den Dumont Verlag für eine persönliche Premiere. Manch einen wird es verwundern, doch dieses Buch ist das erste mir von einem Verlag unaufgefordert zugesandte, über das ich hier im Blog resümiere. Bislang habe ich alle Bücher erworben oder privat geschenkt bekommen, über die ich schreibe. Das war kein Credo von mir, sondern eher eine Hemmung, da mir die alte Schule anerzogen ist, sich für Gefälligkeiten anderer auch erkenntlich zu zeigen. Öffentlich bedankt hatte ich mich dann für den Erhalt über Facebook, auch, weil mir die Promotion um das Buch gut gefiel (siehe Titelbild).

Eigentlich sollte ich es dabei bewenden lassen. Denn mir liegt selten etwas daran, über Bücher und Autoren zu resümieren, die mich weder anregen noch aufregen konnten. In diesem Fall ist es jedoch etwas komplizierter.

Karl Wolfgang Flenders Debüt hätte ich aufgrund der gelungenen Buchgestaltung, seiner Verlagsherkunft, des Klappentextes und des Kollegen-Statements von Jan Brandt ziemlich sicher erworben:

„“Greenwash Inc.“ ist der Roman für alle, die glauben, mit Slowfood und Biokonsum die Welt verbessern zu können. Eat this!“

Alle „angeteaserten“ Aspekte berühren mich. Die ökologische-ökonomische Debatte begleite ich schon seit meiner Jugend Ende der 70er Jahre, initiiert durch den Bericht des Club of Rom und Meadows apokalyptische Prognosen in seinem Buch „Die Grenzen des Wachstums“. Beruflich bin ich seit Jahrzehnten in der Marketing- und Kommunikationsbranche tätig, kenne einige Agenturen als Mitarbeiter und auch einige als Kunde.

Smart, selbstgefällig und schnöselig – wenn Sie diese Skills mitbringen, sind Sie unser Mann.

Bildquelle 123RF

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Das Kabinett an ausnahmslos smarten, selbstgefälligen und nicht nur zynischen, sondern menschenverachtenden Mitarbeitern, mit denen Flender seine fiktive PR-Agentur Mars & Jung besetzt hat, ist wirklich ermüdend stereotyp. Dass zudem die ganze Handlung aus der subjektiven Sicht der Hauptfigur Thomas Hessel erzählt wird, befremdete beim Lesen zunehmend. Denn der Charakter dieses eitlen Gockels ist zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte so angelegt, dass er zur kritischen Selbstreflexion oder Introspektion fähig wäre. Dazu hätte Hessel zumindest final einen Moment der Läuterung erfahren müssen. Doch diesen gibt es nicht.

Vor kurzem las ich „Johann Holtrop“, die von Rainald Goetz literarisierte Biografie des Thomas Middelhoff. Trotz aller Verachtung, mit der Goetz seine Figur gestaltet, gesteht er ihr ab und an eine Ahnung an Selbstzweifel zu. Davon sind alle Figuren in Greenwash Inc. völlig frei. Zudem entbindet der Autor seine Figuren – für mich dramaturgisch völlig unnötig – von jeglicher Zurechnungsfähigkeit und Verantwortung, da sie stetig unter Einfluss von Drogen oder Pharmaprodukten stehen.

Ich hatte einen amüsanten Wirtschaftsroman erwartet, der auf subtile Weise unsere öko-naive Wohlstandsgesellschaft aufs Korn nimmt. Denn hierzu gibt es endlos Stoff, der unsere saturierte, sich selbst betrügende Gesellschaft entlarvt als schulmeisternde Verzichtserklärer, die sich jedoch schlicht weigern zu erkennen, dass kritisches Verbrauchen und Konsumenthaltsamkeit zwar eine nette persönliche Tugend in unserer Überflussgesellschaft ist, jedoch die globalen ökologischen und ökonomischen Herausforderungen damit nicht gelöst werden können. Der stetig eingeforderte ökologische, nachhaltige und gesundheitsbewusste Lebenswandel ist zu einem trendigen Konsumstil verkommen, der je nach Milieu mal in Birkenstocks Fair-Trade-Bio-Kaffee schlürfend daherkommt oder sich Smoothie nippend in Organic-Lingerie räkelt und letztlich doch eins gemein hat, nämlich als Ablasshandel für unser berechtigt schlechtes Gewissen zu dienen.

Dass im Roman global agierende Konzerne aus der Agrar-, Textil- und Abfallindustrie als beispielhafte hässliche Vertreter eines ausbeuterischen weltweiten Wirtschaftssystem herhalten müssen, ist altbekannt und lenkt – wie schon die unsympathischen Romanfiguren – von einer weit wichtigeren Einsicht beim Leser ab:

Aller Systemkritik sollte erst einmal Selbstkritik vorausgehen.

Es gibt in unserer westlichen Welt eine unüberschaubare Anzahl dozierender Kritiker unserer Überflussgesellschaft. Und was tun die in aller paradoxen Regelmäßigkeit? Sie alle veröffentlichen darüber Bücher, Hardcover-Bücher!

SPIEGEL_TITEL_UEBERFLUSSKaum einer der Wachstumskritiker und Askese-Prediger mag eingestehen, dass uns schon das exponentielle Wachstum der Weltbevölkerung dazu verdammt, technische und industrielle Lösungen zu finden, um sowohl die ökologischen als auch die gesellschaftlichen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte global bestehen zu können. Verzicht und Askese mag sich manch wohlgenährter Europäer gern auferlegen, doch davon werden die 90 Millionen Menschen, um die unsere Weltbevölkerung jährlich wächst, nicht wohlständig. Die Enthaltsamkeitsnaivität in Deutschland wird am Beispiel Wasser schon exemplarisch.

Für die Tasse Kaffee am Morgen braucht es vorher mehr Wasser als wir täglich im Haus verbrauchen.

Die Deutschen sind anerkannte Meister im Wassersparen. Nur 130 Liter am Tag pro Person für Waschen, Zähneputzen, Duschen, Toilette etc.. Und das in einem Land, das nie Wasserknappheit haben wird, aber dafür zunehmend die Schäden in der Kanalisation ausbessern muss, weil nicht genug Abwasser hindurchläuft. Völlig ignoriert wird jedoch der (virtuelle) Wasserverbrauch, den alle Produkte zuvor benötigten, bevor sie von uns verbraucht werden. Und das oft dort, wo sauberes Wasser durchaus mal knapper sein könnte. Gutes Beispiel ist unser Kaffee. Eine Tasse Kaffee benötigt zuvor ca. 140 Liter Wasser. (Ein Bier dagegen nur die Hälfte).

Man muss also nicht das Klischee der im Bioladen einkaufenden SUV-Fahrerin bemühen, um die Bigotterie in unserer westlichen Wohlstandsgesellschaft zu veranschaulichen. Jedes Kind, das derzeit in Deutschland aufwächst, wird spätestens bei erreichen seiner Volljährigkeit einen ökologischen Fußabdruck haben, der es nach heutigen ökologischen Erkenntnissen moralisch zwingen müsste, ab dann nur noch als Selbstversorger in Mecklenburg-Vorpommern den Rest seines Lebens zu fristen und den kruden Empfehlungen eines Professor Niko Paech zu folgen.

huGO-BildID: 7021118 Torsten Toeller Fressnapf Holding GmbH Vorsitzender der Geschäftsführung

Torsten Toeller
Fressnapf Holding GmbH
Vorsitzender der Geschäftsführung

Wir leben in einem Land, in dem jemand als arm gilt, wenn er sich nicht regelmäßig mal eine Urlaubsreise leisten kann. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Millionen von Haustieren besser versorgt sind als Millionen von Menschen in der dritten Welt. Wir sollten uns klar sein, dass wir über 50% unserer Umweltbelastung derzeit ins Ausland verschoben haben – Tendenz steigend. Bei uns leben Millionen Singles in Einzelhaushalten. Die durchschnittliche Wohnfläche in Deutschland pro Einwohner liegt aktuell bei 45 qm. (1989 waren es noch 39 qm). Die Arbeitsplatzflächen müsste man jetzt noch hinzurechnen. Das Heim, das eine mehrere Generation umfassende Großfamilie beherbergt, ist für uns bestenfalls ein idyllisches Märchen der Vorzeit, das wir aber mitnichten ernsthaft Wirklichkeit werden lassen wollen. In Deutschland besitzt jeder Einwohner durchschnittlich 10.000 Gegenstände. Jeder hätte die Möglichkeit, seinen Besitz zu teilen, um unnötige Anschaffungen in der Nachbarschaft zu vermeiden. Man zeige mir den Hobbygärtner, der sich mit 10 Nachbarn abspricht, bevor er eine Heckenschere erwirbt. Oh Gott, wie unangenehm, den Nachbarn mal um eine Bohrmaschine zu fragen. Gibt es doch schon ab € 50,– im Baumarkt.

Und wir Buchliebhaber, die wir freudestrahlende unsere zig Meter gedruckte Bücher durchs Leben tragen? Wir möchten doch gar nicht wissen wie miserabel die Ökobilanz unserer Bibliothek aussieht gegenüber einem eReader, der auf mindestens dreißig Jahre Haltbarkeit ausgelegt wäre.

Es gäbe unendlich viele weitere Beispiele mit denen man uns in einem wohlstandskritischen Gesellschaftsroman subtil oder auch mal brachial zynisch vor den Kopf stoßen könnte. Doch die Chance hat Karl Wolfgang Flender nicht ergriffen. Stattdessen entwickelt er eine hanebüchen dramatische Story vom Aufstieg und Fall eines Schmocks unter Schmocks, der mit völlig übertrieben inszenierten, menschenverachtenden, ja gar tödlich endenden PR-Aktionen über seine Hybris stolpert.

Die obskure Besetzung des Romans und die grellen, reißerischen Anekdoten überschatten die durchaus hier und da mal süffisant eingewobenen bigotten Aspekte unserer boomenden Wir-sorgen-für-eine-besser-Welt-Ökonomie und nehmen ihr viel kritische Kraft. Wenn ein Typ wie Thomas Hessel herablassend über die Tatsache referiert, dass man heute nicht mehr Motive von Elend und Armut in der Werbung für Engagement in die dritte Welt verwenden kann, sondern nur noch strahlend lachende Kinder, die glücklich über die Zuwendungen scheinen, dann treten kaum Selbstzweifel beim Leser ein, ob dem so ist. Dem ist so, das kann ich aufgrund unseres eigenen Spenden-Engagements für Schulen und Bibliotheken bestätigen.

Auch ein eigentlich deprimierender Umstand den Thomas Hessels angesichts nackter Füße indischer Straßenhändlern im Regenschlamm anspricht, nämlich dass diese sich jetzt wohl unzählige Parasiten zwischen die Zehen holen, erzielt bei den ständig sarkastisch abgesonderten Zitaten kaum noch nachhallende Wirkung:

„Aber das ist kein Problem. Denn am Ende der Regenzeit schneiden belgische Medizinstudenten, die einer NGO 1.000 Euro für dieses Praktikum zahlen, die Viecher begeistert wieder raus. Wir sind nun mal alle Teil einer langen Wertschöpfungskette.“

Selbst ebenso hellsichtige wie zynische Medienanalysen verlieren aus dem Mund dieses aufgeblasenen Schnösels ihre Wucht einer erschreckenden Wahrheit:

„Wir brauchen den Fabrikbesitzer als Sündenbock. Sobald man ihn … aufgestöbert hat, wird er mit einiger Wahrscheinlichkeit vor den Kameras sämtlicher TV-Stationen von einem wütenden Mob gelyncht. Dieser animalische Gewaltausbruch wird uns bildpolitisch eins a in die Karten spielen. … Die Menschen verstehen nicht, dass sie mit derartigem Verhalten unbewusst die Logik unterstützen, die sie in der Ausbeutung gefangen hält. Implizit werden so die skandalösen Arbeitsbedingungen dieser Menschen entschuldigt – sie sind in diesem Bildzusammenhang eben nur Arbeitstiere.“

Sind in Brandburg nicht nur die Kühe braun

Sind in Brandenburg nicht nur die Kühe braun?

Und ob irgendein Leser den Wahrheitsgehalt prüft, wenn Hessel bemerkt: „Kein Wunder, dass Gerüchten zufolge die Hälfte der Biohöfe in Brandenburg in den Händen von Nazis ist.“ ist fraglich. Wie eine Google-Suche bestätigt, ist dies wirklich ein bekanntes Phänomen.

Dass Ethik und Moral auf dem Markt keine Tugenden, sondern bestenfalls Marketingstrategien sind, könnte heute für jeden offensichtlich sein, der kritisch über unsere Konsumangebote nachdenkt. Da mögen dm-Drogerien, Alnatura, Hipp oder Weleda zwar noch das kleinere Übel sein, doch letztlich dienen sie uns überwiegend nur als Ablasshändler, die uns wider besseres Wissens gerne das Gefühl der Unschuld verkaufen. Dabei klage ich nicht den verzweifelten Versuch des ethischen Konsums an, der ja dazu beiträgt, die menschenverachtenden Auswüchse zu lindern, sondern die damit oft verbundene Haltung, man sei damit nun Teil der Lösung und nicht mehr Teil des Problems.

Askese lokal, Wachstum global

Mit der Forschung, Entwicklung und Industrialisierung im 19. Jahrhundert begann das unaufhaltsame Wachstum des Wohlstandes auf der Welt und parallel das exponentielle Wachstum der Menschheit. Wir sind verdammt dazu, diesen Weg erfolgreich weiter zu gehen, wenn wir die Menschheit nicht in bestialische Verteilungskämpfe treiben wollen.

Bei aller Enttäuschung über die „Story“ von „Greenwash Inc.“ überzeugen mich dennoch einzelne Passagen im Roman, z. B. wie oben geschrieben und insgesamt der gewählte Sprachduktus. So ist die Lektüre zumindest für all jene interessant, die mit der PR-Branche oft in Berührung kommen oder gar selbst in oder für sie arbeiten. Hier hat es Karl Wolfgang Flender verstanden, das aktuell gehypte Story-Telling mit den entsprechenden Floskeln, Worthülsen und euphemistischen Textformen zu literarisieren. Dass er diesen Stil exzellent beherrscht, verdankt sich sicherlich nicht zuletzt der Tatsache, dass er im Bereich Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation promovierte.

Tobias Nazemi bringt in seinem Blog „Buchrevier“ für den Roman weitaus mehr Verständnis und Wohlwollen auf. Ich stimme weit mehr mit Claudia Hildebrand auf „Das graue Sofa“ überein, dass der Roman den Kern seiner Intention schon nach dem ersten Kapitel freigelegt hat und man leider in den weiteren Kapiteln kaum noch Überraschendes zu lesen bekommt.

Auch im Feuilleton fand ich mehr Enttäuschung. Es zeigt, dass die Romanidee wohl einen Nerv getroffen hat, doch dass viele Leser schon einen selbstkritischen Schritt weiter sind als der Autor. Hier im Spiegel, hier in der Welt und hier beim NDR.

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13 Gedanken zu “Greenwash Inc. – da hab ich wohl zu viel erwartet.

  1. Ich hab ihn auch gelesen und finde mich sowohl in deiner als auch in Buchreviers Besprechung wieder. Mich hat das Buch gut unterhalten, aber vermutlich eher deshalb, weil ich gar nicht den Anspruch hatte, es müsse mir mit all diesen Und-wie-verbessern-wir-jetzt-wirklich-die-Welt-Argumenten kommen. Ich arbeite selbst in der Werbung, und gerade in diesem Gockelhaften Männergehabe (frei von Selbstzweifeln, aber auch frei von Verantwortlichkeiten, wie du schreibst) habe ich viele Leute, mit denen ich zu tun habe, wiedererkannt, und das hat mich zum Schmunzeln gebracht. Stereotypen, ja, aber da steckt nun mal viel Wahrheit drin. Da ich generell der Meinung bin, dass die Menschheit das Schlimmste ist, was dem Planeten je passieren konnte, und dass es am besten wäre, wenn wir uns endlich alle gegenseitig ausrotten, habe ich mir von Greenwash keine erhellenden Ansichten erwartet, die meine Meinung ändern könnten – im Gegenteil. Ich wollte mich einfach nur an einem Freibadnachmittag von einer zynischen Story unterhalten lassen, und das ist dem Autor durchaus gelungen.

    • Danke Mareike, ok, so fatalistisch bin ich noch nicht. Eins muss man Flender sicher lassen: seine Frauenfiguren im Roman sind ebenso konsequent unsympathisch.

      Wenn der Autor ein alter Werber wäre, der jetzt auch mal einen Roman schreiben wollte, wäre meine Erwartungshaltung anders gewesen. Doch von einem jungen Autor wünsche ich mir als Debüt nicht ein abgeklärtes zynisches Weltbild vorgelegt zu bekommen. In dieser Lebensphase nicht das Bedürfnis zu haben, literarisch ein paar Giftstachel aufzustellen und eine saturierte Gesellschaft unangenehm zu piksen, ist für mich ebenso enttäuschend wie es damals schon die Pop-Literaten waren. Wenn mein Sohn in einigen Jahren irgendwann mal so zynisch und altklug daherkommt, werde ich ihn wohl in den Senkel stellen, und auffordern sich erst mal selbst als gesellschaftlich vorbildlich zu beweisen.

    • Ich verstehe deine Meinung zum Buch absolut und kann sie auch gut nachvollziehen! Als ich deine Rezension gelesen hab, hab ich mich ehrlich gesagt über mich selbst gewundert: Wenn ich denselben Anspruch gehabt hätte wie du, wäre ich auch enttäuscht gewesen. Aber dass er gesellschaftspolitisch punktet, das hab ich eh nicht gedacht. Ist doch alles oberflächliche Augenauswischerei, er beschreibt den Zustand der Welt, ohne Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Das hat mich in meinem eigenen altklugen Zynismus nicht so gestört ;)
      Sehr flach fand ich dafür alles Zwischenmenschliche. Die Beziehung zur Freundin?! Da hat er sich ja aufgeführt wie das lahmste und passivste Luschi überhaupt. Dass das Weibchen dann zum nächsthöheren Alphatierchen wechselt – Klischee, Klischee. Und mei, natürlich wollen alle nur rumvögeln und sehnen sich innerlich nach Liiiebe, was sonst. Gähn.

  2. Das ist die fundierteste [kann man das Adjektiv überhaupt steigern?] und erhellendste Besprechung, die ich bisher zu diesem Roman gelesen habe, und sie bestätigt meine Befürchtungen. Hab Dank für diese lohnende Lektüre, aus der man vermutlich mehr mitnimmt als aus dem Roman selbst. Diesen werde ich ganz sicher nicht lesen.

  3. Lieber Thomas,
    als ich den Roman im Verlagsprosept entdeckt habe, bin auch ich begeistert gewesen und habe den Roman sofort mit Erscheinungsdatum in meiner Lese- und Einkaufsliste vermerkt. Das hörte sich gut an, tolles aktuelles Thema, kritisch oder kritsch-ironisch, vielleicht sogar einmal wieder eine funkelnagelneue Schullektüre, die ich schneller in meinen Unterricht einbauen möchte, als sie als für Schüler erschwingliche Taschenbuchausgabe erscheint – so habe ich gedacht und gehofft. Und wie Dich hat mich meine Lektüre völlig enttäuscht. Wirklich, wirklich schade. Und so habe ich Deine Empörung (oder auch: Deine Wut-Rede, auch wenn Du ja noch ein paar positive Dinge gefunden hast) über den Roman, seine Machart und die vielen Facetten, die er eben nicht kritisch hinterfragt hat, mit großem Vergnügen gelesen.
    Viele Grüße, Claudia

  4. Hallo Thomas,
    auch von mir ein großes Kompliment zu dieser schönen Rezension, die das Thema „Greenwashing“ fundiert und unterhaltsam beleuchtet. Trotzdem greifen all Deine aufgeführten Argumente in Hinblick auf Flenders Werk ins Leere, weil der Autor eines Romans sich immer wieder auf seine künstlerische Freiheit berufen kann. Der Roman ist inspiriert von der Realität, aber alles andere ist derart überzeichnet, dass in meinen Augen eigentlich klar ist, dass man den Autor nicht mit Fakten und sachlichen Argumenten kommen kann.

    Aber man sieht ja an Deiner Rezension, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema nicht mit der Lektüre des Buches endet, sondern eigentlich erst richtig startet. Insofern wird die Realität jetzt inspiriert von dem Roman. Ich finde solche Prozesse sehr spannend.

    LG Tobias

    • Danke Tobias, ich denke – wie ich ja auch schreibe – , dass die Romanidee einen Nerv hätte treffen können, einen empfindlichen, der uns alle schmerzt. Wenn du einige Kritiken noch dazu liest, wirst Du merken, dass dies fast alle enttäuscht hat, gerade weil man ja mit Lust und viel Wohlwollen an die Lektüre ging.

      Ich fand ein Zitat von Flender, das mich vermuten lässt, dass er selbst noch zu dem Teil der Bevölkerung zählt, die ernsthaft glauben, dass man mit ethischem Konsum die Welt verbessert: „Das ist auch ein Grund, warum ich diesen Roman geschrieben habe, dass ich selbst so eine gewisse innerliche Zerrissenheit spüre, wenn ich selbst in dieser Gesellschaft konsumiere und mir überlegen muss, ob das, was ich jetzt kaufe, jetzt ethisch oder nachhaltig ist“, gesteht Flender.

      Genau den nächsten gedanklichen Schritt geht er nicht. Was wäre denn, wenn alle Welt ethisch und nachhaltig konsumiert?

      Unserer Tugendhaftigkeit schafft noch keine Lösung für knappe Ressourcen. Es bleibt für mich weiterhin dekadent, dass wir hier Premium-Katzenfutter und vegetarisches Hundefutter fabrizieren, egal, ob die Zutaten dafür vom Biohof kommen.

  5. Sind wir nicht schon in diesen „bestialischen Verteilungskämpfen“ ? Wenn ich die derzeitige Haltung vieler Menschen zur Flüchtlingssituation betrachte, drängt sich dieser Eindruck auf. Ansonsten, merci für diese Besprechung. Das Buch wurde in Taz oder Spiegel bereits kritisch hinterfragt mit demselben, wenn auch nicht so nachdrücklich geschilderten Resümee. Spart mir glatt Lebens/Lesezeit.

  6. Toller Text! Weitaus spannender und mitreißender als der Roman, den ich nach einigen Kapiteln zur Seite gelegt habe. Ich stimme zu: Schade um das Thema, da wäre mehr drin als das Abspulen von Stereotypen…

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