Wer war ich und wenn ja wie viele?

 

Keine-Helden-Tiger

©2015 | Anke Koopmann | designomicon, München

So sind wir, Geliebte, allmählich erkaltet.

Da hilft auch die Erkenntnis nichts, daß die Kunst

ihre Kraft nur im Verfall entfaltet.

Wolf Wondratschek  (Carmen oder bin ich das Arschloch der achtziger Jahre)

 

Hach ja, damals! Solche biografisch inspirierten Romane wie das aktuelle Debüt von Candy Bukowski – Babyboomer-Generation wie ich, wenn auch ein paar Jahre jünger – wecken nicht selten manch wehmütige Erinnerung. Doch die Wehmut, wie das Alter Ego von Candy Bukowski Sugar bemerkt, ist eine zwiespältige Befindlichkeit. „Wehmut“ sei „ein weiches Wort, aber ein hartes Gefühl.

„Wer Wehmut mit etwas Sanftem gleichsetzt, weiß nicht, wovon er spricht. Wehmut ist Vermissen in Akzeptanz, man müsste Gandhi sein, um darin etwas Sanftes zu finden. Ich bin nicht Gandhi, ich bin Lara Croft, ich trage einen unsichtbaren Munitionsgürtel um die breite Hüfte und bin bereit zu töten. Immer wieder töte ich den armen Gandhi und schneide Gefühlen schön langsam die Pulsadern auf. In Längsrichtung bis runter auf den Knochen.“

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Greenwash Inc. – da hab ich wohl zu viel erwartet.

FullSizeRenderVielen Dank an den Dumont Verlag für eine persönliche Premiere. Manch einen wird es verwundern, doch dieses Buch ist das erste mir von einem Verlag unaufgefordert zugesandte, über das ich hier im Blog resümiere. Bislang habe ich alle Bücher erworben oder privat geschenkt bekommen, über die ich schreibe. Das war kein Credo von mir, sondern eher eine Hemmung, da mir die alte Schule anerzogen ist, sich für Gefälligkeiten anderer auch erkenntlich zu zeigen. Öffentlich bedankt hatte ich mich dann für den Erhalt über Facebook, auch, weil mir die Promotion um das Buch gut gefiel (siehe Titelbild).

Eigentlich sollte ich es dabei bewenden lassen. Denn mir liegt selten etwas daran, über Bücher und Autoren zu resümieren, die mich weder anregen noch aufregen konnten. In diesem Fall ist es jedoch etwas komplizierter.

Karl Wolfgang Flenders Debüt hätte ich aufgrund der gelungenen Buchgestaltung, seiner Verlagsherkunft, des Klappentextes und des Kollegen-Statements von Jan Brandt ziemlich sicher erworben:

„“Greenwash Inc.“ ist der Roman für alle, die glauben, mit Slowfood und Biokonsum die Welt verbessern zu können. Eat this!“

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Exzess in der Oase.

BildScheherazade hätte wohl ihr Freude an Jonas Lüscher gehabt. Er hätte ihr Stoff für viele der 1001 Tage geliefert, um den König bei der Stange zu halten. Lüscher ist für mich eine große Entdeckung und Hoffnung auf noch kommende spannende, amüsante und geistreiche Romane und Erzählungen. Beachtlich, dass dieses Debüt letztlich nur eine Novelle mit 125 Seiten wurde, bietet es doch Stoff für einen umfangreichen Roman.

Schon die Idee, menschliche Hybris und seelische Abgründe, wie sie sich in der Bankenkrise offenbarten, nicht nur sinnbildlich, sondern wörtlich in einer tunesischen Oase zu verorten, ist ein literarische Clou. Wer die Geschichte liest, wird es keinen Moment als exotische Konstruktion empfinden, sondern beeindruckt verfolgen, wie hier zwei Welten im Exzess aufeinander treffen und in denkbarer Weise explodieren. Dem feingeistig, nacherzähltem Weg zur Katastrophe folgte ich wie gebannt. Die finale Schilderung des Exzess war mir dann zwar etwas zu einseitig und abenteuerlich, doch gestehe ich sie der Freiheit eines Geschichtenerzähler gerne zu.

Nicht zuletzt behagt mir der gewählte Stil von Jonas Lüscher sehr. Er ist literarisch, wortverliebt, der Autor geht sehr achtsam mit der Sprache um. Und er versteht es hoch amüsante Anekdoten zu schreiben. Und recht sympathisch wirkt er auch.

Begeistert und ausführlich geht die Bloggerin Literaturen auf das Debüt ein.