Liebe Christen, ladet doch Muslime zur Weihnacht in eure Kirchen ein.

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Die Form der aktuellen Debatte um Pegida, IS-Terrorangst, Islamisierung, Flüchtlings- und Asylpolitik und was noch alles in diesen Topf an irrationalen Ängsten und Vorurteilen vermanscht wird droht einen Großteil der Bevölkerung in Deutschland zu vergiften. Und zwar auf allen erdenklichen Seiten.

Wenn mir jemand unterstellt, dass meine Nachbemerkung in einem Tweet zu meiner Freude über die Aktion #illridewithyou

„Was ich aber ewig vermisse ist hörbare Empörung über IS & Co. aus der aufgeklärten, islamischen Welt.“

Foto 1 „scheiße rassistisch“ sei und nachdem man mich zuvor auch noch einem dämlichen Twitterverhör unterziehen wollte oder ein anderer mich rhetorisch in die Ecke eines Geiselnehmers stellen will, habe ich nun zwei Möglichkeiten, damit umzugehen. Ich ziehe mich in der Diskussion opportunistisch schweigend zurück oder ich versuche meinen Wunsch nach einem vernünftigen und selbstkritischen Diskurs in der Sache noch mal zu äußern.

Foto 2Wie man sieht habe ich mich für letzteres entscheiden. Ob das so bleibt, bezweifele ich. Denn wahrscheinlich muss ich den Erkenntnissen und Thesen eines Gustave Le Bon endgültig Recht geben und bei Massenbewegungen besser schweigen und das ganze aussitzen.

Meine Grundwerte sind einzig humanitär. Ich nehme keinerlei ideologische Haltung in der Diskussion ein, weder religiös noch politisch. Ich erwarte von allen Beteiligten, dass sie humanitäre Grundsätze haben. Diese Grundsätze werden derzeit von vielen missachtet. Von Terroristen in aller Welt, von Politikern, die Folter und Überwachung ungeahndet lassen, von Bürgern, die Sündenböcke für ihre Unzufriedenheit benennen. Unter all diesen gibt es jede Menge, die auch noch religiöse Glaubenssätze für sich in Anspruch nehmen. Doch kann sich ein Christ wirklich als Christ erachten, wenn er nicht bedingungslos Asyl gewährt? Erzählt ihnen davon nicht die Weihnachtsgeschichte?

Muslime brauchen in Deutschland Solidarität, aber keinen Schutzpatron.

Foto 3Die Muslime in Deutschland dürfen eine aktive hörbare Solidarität von einer vernünftigen Mehrheit der Bürger erwarten. Doch was weder die Muslime in Deutschland noch irgendeine andere selbstbewusste Gruppierung benötigt, ist die selbstgerechte, herablassende und bornierte Haltung von unzähligen selbsternannten Schutzpatronen, die aus allen Ecken stürmen und schon jeden deutschen Satz, in dem das Wort Muslime auftaucht, für suspekt erachten.

Foto 4Dieses Schutzpatronat ist genau die Geisteshaltung, die man mit Recht den selbstgefälligen, weltverbessernden Abendländern vorwerfen kann. Die Welt muss nicht von uns behütet werden. Wir sind nicht die Schäfer von Milliarden Lämmern in anderen Kontinenten. Wir sind einzig alle gemeinsam auf dieser Welt aufgerufen, die kleinen, aber gefährlichen Gruppierungen menschenverachtender Zeitgenossen zu ächten. Außer diesen, die explizit Gewalt als Mittel für legitim erachten um ihre Ansprüche durchzusetzen, halte ich alle Menschen für friedliebend, gleichgültig welcher Religion und Ideologie sie anhängen oder ob sie nur wie ich humanitär denken.

Und deshalb gebe ich hier meinen Eindruck noch mal deutlich wieder: mir ist bislang die Empörung aus den aufgeklärten und humanitären islamischen Kreisen nicht laut genug. Die wohl wenig repräsentativen Hinweise der zitierten Twitterer sind mir zu leise. Angesichts all der Gräueltaten, die in den vergangenen Jahren im Namen dieser Religion begannen wurden erwarte ich Entsetzen & Gebrüll von allen. Eine wirklich bemerkenswerte und beeindruckende Aktion wie #notinmyname, die in England gestartete wurde, steht bei bescheidenen 300.000 Views. Kein Medium greift sie auf, keine deutsche Gruppe erweitert sie.

Gibt man in Google „Islam gegen Terror“ ein, findet man an erster Stelle eine Initiative „www.muslime-gegen-terror.de“, die ihre Aktivitäten wohl schon 2004 wieder eingestellt hat. Und bei den Links unter dem Suchbegriff „fatwa against islamic state“, die mir gesendet wurden, bekomme ich diesen Twitter-Account an zweiter Stelle: https://twitter.com/isfatwa.

Und um das eindeutig hier noch mal zu betonen, obwohl ich es für selbstverständlich erachte: Ich unterstelle Muslimen nicht, dass sie keine eindeutige Haltung gegen den Terror hätten, sondern ich mach darauf aufmerksam, dass die Demonstration ihrer Haltung mir zu leise ist, genauso wie die Demonstration der Haltung humanitärer, hilfsbereiter und friedliebender Christen zur Flüchtlings- und Asylpolitik in Deutschland.

Vielleicht wäre es ein versöhnlicher und beeindruckender Beitrag in diesem ausgehenden Jahr, wenn die Christen in Deutschland alle Muslime zu ihrem Fest der Versöhnung einladen, gemeinsam in der Kirche stehen, gemeinsam eine Predigt verfassen, die der Welt deutlich zeigt, das ihr beider Glaube keinen Platz hat für Hass und Spaltung der Menschen. Wenn das passiert, würde selbst ich zu Weihnachten in die Kirche gehen – wenn ich noch Platz finde.

Nachtrag 18. Dezember: Ich staunte nicht schlecht als ich heute mitbekam, dass in Deutschland die evangelische Kirche die oben beschriebene Aktion der britischen Muslime aufgriff, um mit #nichtinmeinemNamen gegen Pegida Stellung zu beziehen. Das halte ich für unglücklich, insbesondere da meine oben genannte Hoffnung in Österreich aktuell erfüllt wurde. Dort gibt es das erste Video österreichischer Muslime, die unter #nichtinmeinemNamen Stellung beziehen:

 

Nachtrag, 22. Dezember: Sicher, über den konkreten Vorschlag „ein muslimisches Lied“ von ehemals Cat Stevens heute Yussuf Islam beim Weihnachtsgottesdienst zu singen, muss man nicht begeistert sein. Doch die Kommentar auf FB dazu sind für mich die deutliche Antwort, die ich von der bislang schweigenden „christlichen“ Mehrheit erwartet hatte: Muslime an Heilig Abend in unserer Kirche? Das dann bitte doch nicht.

Lasst die Reichen doch reicher werden.

St_TropezUnsere ideologische Brille macht uns häufig blind für einfache Logik. So sollte man die populistische Empörung darüber, dass immer weniger Menschen den größten Teil des materiellen Reichtums anhäufen, mal abklingen lassen und nüchtern das Szenario hinterfragen:

In unserem Land lebt die überwiegende Mehrheit in Wohlstand. Wobei Wohlstand eben heißt, dass man einen akzeptablen Wohnraum hat, sich gesund und ausreichend ernähren kann, akzeptable bekleidet ist und sich die ein oder andere individuelle Anschaffung leisten kann sowie genügend bezahlbare Angebote erhält, um auch seinen geistigen und kulturellen Hunger stillen zu können. Und über diesen Wohlstand verfügen selbst Geringverdiener in Deutschland.

Was sichert uns diesen Status quo? Regelmäßige mtl. Einkünfte, Preisstabilität bzw. niedrige Inflation.

Bildquelle 123rf

Ideologisch suggeriert wird uns nun – unsere menschliche Schwäche „Neid“ ausnutzend – , dass es da ein paar wenige Superreiche gibt, die Jahr für Jahr auch noch immer reicher werden und das dies doch ungerecht sei. In welcher Hinsicht ungerecht? Werden die Reichen immer reicher, weil sie uns ärmer machen? Nein, der allgemeine Wohlstand wächst weiterhin. Es geht uns gesamt materiell nicht schlechter sondern besser als vor 10 Jahren. Es sind nur nebenbei auch ein paar wenige unglaublich reich geworden.

Stellen wir uns nun vor, dass unserem „Neid“ genüge getan würde und wir nun diesen Reichtum der Wenigen umverteilen. In Deutschland gibt es ca. 1,1 Mio. Millionäre mit einem geschätzten Vermögen von € 4 Billionen. Unterstellen wir mal, es ließe sich 50% deren Vermögen liquide machen, ohne das daraus ein wirtschaftshemmender Schaden entsteht. Diese Millionen verteilen wir nun auf alle Bundesbürger (ca. 80 Mio.), so dass nun jeder über 25.000 Euro mehr verfügt. Eine vierköpfige Familie hätte dann € 100.000,– zusätzlich auf dem Konto. Was würde dann passieren? Wer jetzt glaubt, es würde doch allen dann deutlich besser gehen, der hat nicht mal die Grundlogik der Ökonomie verstanden.

Im besten Fall würden wir das Gefühl uns nun etwas mehr leisten zu können etwa ein Jahr genießen. Danach wären wir dann aber deutlich ärmer. Denn mit dem Schub an Massenkonsum und Bereitschaft, mal etwas mehr auszugeben, erhöhen sich ganz erheblich und langfristig die Preise. Und unser Wohlstand, den wir vor dem Geldsegen hatten, würde nach gut einem Jahr schon deutlich teurer werden. Nach ca. zwei Jahren wäre wohl alles aufgezehrt und wir müssten nun erheblich mehr verdienen, um unseren Status Quo aufrecht zu erhalten.

Die Folgen einer Vermögensumverteilung kann man exemplarisch im privaten Immobilienmarkt gut beobachten. Dort werden häufig Häuser zu einem großen Anteil aus einem Erbe finanziert. Wer heute für ein Haus € 500.000,– zahlt, der kann es mehrheitlich nicht mit einem 100%-Kredit finanzieren, den er dann nur mit Lohneinkünften tilgt (Hierzu müsste er ca. € 2.500,- mtl. über 30 Jahre zahlen.) Viele können den Preis nur zahlen, weil sie oftmals ein Erbe zur Verfügung haben. Das Erbe ist es, das die Preise am Immobilienmarkt nach oben treibt. Gäbe es dieses Erbe nicht, sprich keine Vermögensumverteilung, wären die Preise deutlich niedriger.

SimmelDas Fazit aus dieser Logik ist das Grauen alle ideologisch blinden Sozialkritiker: die wachsende Akkumulation von Vermögen auf nur wenige Personen der Gesellschaft sichert vorhandenen allgemeinen Wohlstand mehr als die Umverteilung der Vermögen. Ein paar wenige Milliardäre und auch ein paar mehr Millionäre können nun mal nicht so signifikant konsumieren, dass die Lebenshaltungspreise steigen – höchsten für Champagner, Kaviar und Goldschmuck. Und wenn es immer weniger, immer reicher werden Milliardäre und Multimillionäre gibt, sinken sogar die Preise für Jachten und Luxusautos.

Unser gesellschaftlicher Wohlstand ist nicht das Ergebnis einer gerechteren Vermögensverteilung zwischen Superreichen und soziale Benachteiligten, sondern er ist das Ergebnis einer fair und wertschätzend bezahlten Lohnarbeit. Und damit dies möglich ist, müssen wir alle diese Arbeit auch entsprechend bezahlen.

Wer eine halbe Stunde beim Friseur sitzt und dafür nicht bereit ist € 15,– zu zahlen, hemmt den wachsenden Wohlstand mehr als der Millionär, der eine Konzertkarte für € 500,– erwirbt, um in der ersten Reihe zu sitzen. Das Konzert genieße ich – wohl auch dank seiner subventionierenden „Dekadenz“ – genauso auf meinem Stehplatz im Rang für € 15,–.

Nachtrag: wer sich gerne an der Geschmacklosigkeit der Reichen mehr weiden möchte und das auch noch hochkulturell beflissen, der sollte die Ausstellung „Fette Beute“ des Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe vom 18. Oktober an besuchen.

ReicherJungeDer tagtäglichen Dekadenz kann man aber auch hier folgen.