Der Kapitalismus ist immer in Mode

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Wir wohnen in einem privilegierten Vorort Münchens. Als im vergangenen Jahr ca. 300 Flüchtlingen in der Turnhalle des Gymnasiums untergebracht wurden, spendeten wir – wie viele in unserer Gemeinde – reichlich Kleidung für Jung und Alt. Die Abgabe der Spende haben wir mit einem Besuch der provisorischen Einrichtungen verbunden, auch damit unser neunjähriger Sohn den Menschen dort direkt begegnet. Denn, wie viele Kinder, fremdelte er bei der Vorstellung, mit den Flüchtlingskindern in Kontakt zu kommen. Er war zwar sofort bereit, jede Menge von seinen Sachen zu spenden, doch die Idee, diese persönlich zu übergeben, behagte ihm zunächst nicht. Letztlich überzeugten wir ihn damit, dass wir auch einen Fußball spenden wollten und wir sicher seien, dass es da jede Menge Kinder gäbe, mit denen er dann kicken könne.

Das alles verlief überaus erfolgreich. Denn wie bei Kindern zu erwarten, war mit diesem Ball nach einer Viertelstunde jegliche Hemmschwelle überwunden. Wir blieben über eine Stunde und die Kinder verabredeten sich am Ende zu weiteren Fußball-Treffen im naheliegenden Verein. Als wir dann am Abend zusammensaßen und beim Essen über die Begegnung sprachen, überraschte mich mein Sohn mit einer naiven Feststellung, die damals wohl auch von einigen Erwachsenen geteilt wurde: die Flüchtlinge seien ja gar nicht arm. Auf meine Nachfrage, woran er das festmache, erklärte er: „Ja, die haben doch die gleiche Sachen an wie wir.“ Ich schmunzelte und sagte: „Ja klar, die tragen ja unsere Sachen, die wir gespendet haben.“

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