Die Wahrheit, nichts als die Wahrheit; so wahr mir die Fantasie helfe.

OonaSalingerDie Wahrheit ist auch nur eine Hypothese. Selten wird uns dies so tragisch deutlich wie aktuell beim Absturz der Germanwings Maschine. Die absolute, objektive Wahrheit über die Ursache gibt es für uns offenbar nicht. Trotz aller konkreten Hinweise und klaren Indizien, weigern sich nicht wenige, diese anzuerkennen. Die vorgebliche Tat eines einzelnen Piloten ist für viele im wahrsten Sinne des Wortes so unvorstellbar, dass sie sich der Anerkennung der Fakten verweigern und sich lieber allen möglichen Spekulation anschließen, die ihrer Vorstellungswelt näher sind.

Im Falle eines biografischen Romans ist dies zwar nicht wirklich tragisch, aber ebenfalls so spekulativ, dass sich eine Reihe von Lesern empört von der Interpretation bekannter Fakten und der daraus entwickelten Fiktion abwenden. Die hitzige Kritik über den Wahrheitsgehalt entbrennt ja oft schon bei Sachbüchern oder Biografien über historische Ereignisse bzw. Personen. Da letztlich alle diese Arbeiten nur Interpretationen von dokumentierten Erinnerungen sind, ist die Form des biografischen Romans zwar nicht unbedingt die, welche der Wahrheit am nächsten kommt jedoch wohl die ehrlichste des Autors. Denn hier wird der Leser sofort gewarnt, dass es sich um eine subjektive Fiktion anhand bekannter Daten und Fakten handelt.

Diese ehrliche Form wählte Frédéric Beigbeder, um sich seinem Heros der Literatur anzunähern: J. D. Salinger. Mit Oona & Salinger verfasste er seine biografische Geschichte über die entscheidenden Jahre der Adoleszenz eines Autors, dessen Ruhm sich einem einzigen Roman und dessen Mythos sich einer einzigartigen manischen Menschenscheu verdankt. Und weshalb verweist er dabei schon im Titel auf eine kurze jugendliche Liaison zu einem 15jährigen Teenager, der später nur deshalb bekannt wurde, da ihn der größte Komiker aller Zeit heiratete und acht Kinder mit ihm bekommen hat? Weil Beigbeder, wie er schon zu Beginn schreibt, wild spekuliert: Weiterlesen

Zehn Bücher, von denen ich mir wünschte, dass Frauen sie gelesen haben.

Bildschirmfoto 2015-03-31 um 22.14.30Ruth Klüger hat vor Jahren mal einen Essay zu einem heiklen Thema verfasst: Frauen lesen anders. Das hab ich mir jetzt antiquarisch bestellt. Bin gespannt. Gekürzt findet man ihre Gedanken auch noch in einem älteren Beitrag der Zeit.

Sie spricht einen Aspekt in der literarischen Rezeption an, der meines Erachtens nur sehr selten betrachtet wird und mir schon immer etwas rätselhaft war: das Ungleichgewicht von männlichen Autoren, die über männliche Protagonisten schreiben, die mehrheitlich von Frauen gelesen werden.

Sicher, in der Literaturwissenschaft und der anspruchsvollen Literaturkritik gilt der Aspekt der Leseridentifikation mit dem Protagonisten als zweitrangig und dessen kritische Würdigung als verpönt. Er „wird uns“, wie Ruth Klüger schreibt, „als eine kindliche Vorstufe des reifen, kritischen Lesens ausgelegt.“ Doch in dieser Adoleszenz verharrt die Mehrheit der Leser, wie die Buchbesprechungen von uns Sonntags-Rezensenten auf amazon, LovelyBook & Co. offenbaren. Weiterlesen