Der Club der elitären Schöngeister

Literatursalon2

Der literarische Salon von Madame Geoffrin

Hut ab – Wolfram Schütte (75) will es noch mal wissen: ein Start-Up für eine Literaturzeitschrift im Netz, das sich aus Stiftungsgeldern finanzieren und „Club-Beiträge“ erheben soll.

Einmal mehr wird hier eine „Marktlücke“ intendiert, die aus einem ebenso subjektiven wie sentimentalen Verlustgefühl resultiert: es gäbe immer weniger Literaturbeiträge in den etablierten Medien. Ja, warum wohl? Sicher nicht, weil die Medien diese nicht „produzieren“ wollten, sondern schlicht und ergreifend, weil die Nachfrage danach kaum besteht. Und das nicht erst seit Anbeginn des Internets. Auch zuvor wurde das Feuilleton immer von den anderen Ressorts alimentiert. Doch der damit gewünschte Gesamteffekt, auf den ich weiter unten noch mal eingehe, hat sich allmählich abgenutzt. Daran werden sicher nicht mal ähnlich charismatische Nachfolger auf Joachim Fest, Joachim Kaiser, Marcel Reich-Ranicki und Frank Schirrmacher etwas ändern.

Von Zeit zu Zeit ist es angebracht vor die Tür zu treten und mal ganz nüchtern mit weitem Abstand auf die Institutionen der Hochkultur im Allgemeinen und auf die der Literaturbranche und des Feuilletons im Besondern zu blicken.

Es gibt Branchen, die sind derart bemüht, ständig ihr Mantra der eigenen Notwendigkeit und Bedeutung vor sich herzutragen, dass man den Eindruck gewinnt, in ihr arbeiten nur Anhänger des Solipsismus. Besonders ausgeprägt ist dies in der Werbebranche und ebenso – auch wenn ihr der Vergleich sicher nicht behagt – in der Literaturbranche. Weiterlesen

Notizen zur Selbstbedienung (12)

Mehr Notizen zur Selbstbedienung

Ein Offenbarungseid der verlegerischen Zunft: Louis Begleys Roman „Zeig dich, Mörder“

IMG_9931Ich bin noch immer fassungslos: 300 Seiten lang habe ich inständig gehofft, dass sich am Ende alles aufklären wird. Doch ich wurde bitter enttäuscht und hab mich furchtbar fremdgeschämt. „Die € 19.90 hättest Du dir sparen können, wenn Du mal auf die seriöse Literaturkritik gehört hättest.“ denkt jetzt sicher ein guter Freund, dem ich meine Lesevorfreude auf den neuen Begley bekundet hatte. Ja, das hätte ich zwar, doch wäre ich dann um eine weitere Einsicht ärmer:

Wo heute Suhrkamp draufsteht ist kein Suhrkamp mehr drin. Weiterlesen

Über Bücher, Blogger, Berge & Extrembuchkritiker.

Buchberg2Ich habe Glück gehabt. Vor knapp zwei Monaten entschloss ich mich dreist als Bloggerpate für die Leipziger Buchmesse zu empfehlen. Die Wahl der Jury fiel nicht nur neben 14 anderen auch auf mich, sondern ich bekam zudem ein Buch zugeteilt, „Mythos Redemacht“ von Karl-Heinz Göttert, das mich thematisch sofort einnahm. Es war herausfordernd zu lesen, doch es lies sich sowohl vom Umfang als auch intellektuell bewältigen. In Analogie zu einer Bergtour forderte es einiges an Ausdauer und Trittfestigkeit ab, doch es boten sich mir auch ständig reizvolle Aussichten. Am Ziel angekommen genoss ich das euphorisierende Gipfelglück und betrachtete befriedigt das weite Panorama. Ob dann mein Eintrag ins Gipfelbuch adäquat war und dem Berg (Buch) auch gerecht wird, müssen andere beurteilen. Weiterlesen

Mission Leipzig

IMG_9210„Freude und Bürde zugleich“ twitterte ich als ich erfuhr, dass ich als einer von 15 Bloggerpaten für eines der zum Leipziger Buchpreis nominierten Bücher ausgewählt worden sei. Eine Jury der Leipziger Buchmesse, die man nicht nur um ihre Aufgabe beneiden sollte, wählte aus ca. 70 Anmeldungen aus. 70 Blogger, die sich bereit erklärten, Pionierarbeit zu leisten. Sind 70 nun viel oder wenig? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall wünsche ich mir, dass dieser Vorstoß der Messe, Literaturblogger aktiv in den Literaturbetrieb einzubeziehen, sehr gute Resonanz findet. Weiterlesen

Kann man mit Juli Zeh Spaß haben?

JuliZeh

Dank an Klappentexterin, die ein Interview mit Juli Zeh 2012 machte und diese Bild auf ihrem Blog veröffentlichte. Zum Interview einfach auf das Bild klicken.

Um vorab kein Missverständnis aufkommen zu lassen: ich kenne Juli Zeh persönlich nicht. Doch die Frage kam mir einfach in den Sinn, nachdem ich ihre aktuelle Sammlung an Essays und Vorträgen in „Nachts sind das Tiere“ gelesen hatte und mich der vielen Kommentare auf ihre Kolumnen sowie kritischen Artikel über sie erinnerte.

„Juli Zehs Besserwissertum erinnert an das der alten Männer à la Grass und Walser. Nur dass die bessere Literatur schreiben. (Ob das zur Duellaufforderung reicht? Oder sind Leserbriefschreiber nicht satisfaktionsfähig?)“ schrieb z. B. Gregor Keuschnig unter einem Artikel von Volker Weidermann. Volker Weidermann zitiert Juli Zeh in seinem Artikel, dass sie es bedauere, bösartige Kritiker nicht mehr zur Satisfaktion fordern zu können:

„Ich bedaure wirklich, dass es die Möglichkeit des Duells seit 100 Jahren nicht mehr gibt. Ich würde da gerne anrufen und sagen: ,Ich treffe Sie morgen früh um fünf auf einer nebligen Lichtung. Die Wahl der Waffen liegt bei Ihnen.“

Oha! Also als Kritiker ist mit ihr nicht zu spaßen. Nun, ich bin ja nur ein Leser und Zuhörer, der ihre Klugheit sehr schätzt. Aber auch unter denen gibt es entschiedene Zeh-Verweigerer, ja heute muss man schon Neudeutsch „Hater“ schreiben, z. B. Johann Otto in einem Kommentar in der FAZ„Politisch mit enormem Linksdrall versehen, immer mal wieder rechthaberisch im Fernsehen zu vernehmen, und in allem, was sie vermutlich am PC so herunterklappert, vor allem enorm öde und langweilig. Eine deutsche Schriftstellerin eben, von der so was einfach erwartet wird: „Im Bundestagswahlkampf 2005 gehörte sie zu den Autoren, die den Aufruf von Günter Grass zur Unterstützung der rot-grünen Koalition unterschrieben haben“ (aus Wikipedia). Große Abneigung!“ Weiterlesen

Literaturkritik: Alles Willkür, oder was?

FeuilletonDie reflexartige Zustimmung auf Jörg Sundermeiers Lamento im Buchmarkt und im Freitag über den miserablen Status der heutigen Literaturkritik in den Feuilletons erinnerte mich doch sehr an die Debatte über die deutsche Bildungspolitik, ausgelöst durch einen naiven Tweet einer 17jährigen Gymnasiastin (Ein gute Zusammenfassung der Reaktionen auf Sundermeier gibt es bei Lesen-mit-Links) Beide Male kommen die Mahner aus der Ecke der Kulturpessimisten, die sich hartnäckig verweigern, das stetig anwachsende Angebot an Bildung, Informationen und Verbreitungsmöglichkeiten zu honorieren. Die altväterliche Sehnsucht nach Orientierung durch honorige Instanzen eint sie. Sie erachten die mediale Vielfalt als Tor zur Einfalt und sehen die Kultur ohne Vermittlung von anerkannten Kuratoren und Kritikern der Beliebigkeit ausgesetzt.

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