„Wofür und wogegen schreibe ich an?“

Holtrop1Eine Frage, die ich zwar auch mir in aller Bescheidenheit ab und an stelle, jedoch für all jene, für die Schreiben Profession ist, ist sie eine zwingende Ausgangsfrage. Ist doch jedes Schreiben letztlich ein Plädoyer. Mal Anklage, mal Verteidigung bzw. Rechtfertigung. Deshalb Vorsicht vor denen, die vorgeben, uns nur berichten zu wollen. Niemand erinnert neutral, jeder ist zugleich Schöpfer und Richter seiner Anekdoten und Geschichten.

Lesen sollte deshalb immer von Skepsis begleitet sein, wenn wir es vorziehen, selbst zu einem Urteil zu gelangen. Ein Anspruch, dem wir jedoch häufig aus Bequemlichkeit nicht gerecht werden. Bequem, weil wir zum einen unsere Vorurteile nicht ständig in Frage stellen wollen, und zum anderen, weil wir kaum Autoren oder Medien wählen, die nicht mit unserer Haltung, unseren Werten, Idealen oder auch Ideologien in Einklang sind. Wir ziehen Bestätigungsliteratur nicht nur vor, sondern lehnen oftmals auch das Widersprüchliche kategorisch ab. (Selbst wenn wir uns damit konfrontieren, ist es uns kaum möglich nüchtern zu rezipieren.) Bei der Medienauswahl ist das offensichtlich, bei der Wahl der Autoren mag das nicht immer so augenscheinlich sein.

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