Dies ist ein Blog und (noch) kein Shop.

Banner_20Prozent_Home

Banner vom Schnäppchenfuchs

Erinnert sich noch jemand an das „Schaufenster am Donnerstag“? Man muss schon der Mainzelmännchen konditionierten Generation 40+ angehören, um dieses unsäglich biedere, jedoch damals offenbar erfolgreiche Werbeformat, das die Werbeagentur Lintas ausgeheckt hatte, im Original zu kennen. Woran ich mich aber nicht mehr erinnere: hat man sich darüber heftig echauffiert? Hat man sich empört, dass hier ein vertrautes Newsformat nun missbräuchlich als manipulatives Werbeformat hergenommen wurde? Wahrscheinlich hat man es. Betrachtet man es heute, versteht man weder, dass es eine Debatte Wert gewesen wäre, noch dass dieses Format tatsächlich 15 Jahre erfolgreich gewesen sein soll.

Bildschirmfoto 2015-03-23 um 23.51.02Dass Werbung schon immer nach einem trojanischen Pferd sucht, also einem Format, dem wir ein naives Vertrauen entgegenbringen, sollte sich heute bis zum letzten Konsumenten rumgesprochen haben. Und doch herrscht in den Kreisen der Medienkritiker noch immer die Auffassung von der (selbst verschuldeten) Unmündigkeit des Konsumenten vor. „Unmündigkeit ist (nach Kant) das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen.“

So ein anderer, der uns gedanklich auf die Sprünge hilft, ist aktuell z. B. Sascha Pallenberg (mobilegeeks). Denn er echauffiert sich – zuletzt auf einem Panel bei der Konferenz „Rock the Blog“, das Karsten Lohmeyer moderierte und später in seinem Blog Lousy Penney nochmals resümierte – über ein aktuelles Online-Medienformat, das die Digitalagentur SinnerSchrader ihrem Kunden E-Plus als effektives trojanisches Pferd empfahl und auch umsetzte: curved.de. Dieses Format, so Sascha Pallenberg, geriere sich als Blog, sei aber ein unlauteres Content-Marketing-Tool, ja eigentlich ein Shop von E-Plus, gerichtet an eine Zielgruppe, die man weitgehend als Evangelisten des digitalen Mobile Lifestyles bezeichnen kann bzw. etwas süffisant auch als „Digital Naives“.

Ist curved.de exemplarisch für die Zukunft des Content-Marketings oder gar des Publishings? Weiterlesen

Blog Dich reich!

Bildquelle 123rf

Bildquelle 123rf

Wer zufällig die vom ZDF Frontal21 inszenierte „Samwershow“ gesehen hat stolperte eventuell wie ich über eine Randbemerkung zur großen Bedeutung der Bloggerszene für Zalando. Ein paar Tweets gab es auch dazu, dass Zalando eine Liste von über 1000 Fashionblogger hätte, denen unter dem Kürzel (SEO) regelmäßig Einkaufsgutscheine zugesendet würden. Die lösen die dann ein und präsentieren ihre Erwerbungen dann kreischend oder auch seriös als „Must have“ und verlinken auf den Sponsor. So geht das heute.

Gerne wird ja in Marketingfachkreisen der „Case“ Zalando als lehrreiches Beispiel vorgestellt, wie man mit einer Millionen schweren Werbekampagne „Schrei vor Glück“ in kürzester Zeit einen „Big Player“ am Markt positionieren kann. Das Fallbeispiel löst derzeit das seit den 80ern ewig kursierende Beispiel Sixt ab. Zugegeben, Sixt war viel amüsanter. Doch dass Werbung amüsant sein darf, haben die Konsumenten zwischenzeitlich abgestraft.

Randbemerkung: Humorvolle oder gar geistreiche Werbung – Zalando ist allenfalls für eine spitze Zielgruppe „witzig“– war ein Phänomen des vergangenen Jahrhunderts. Es resultierte wohl daraus, dass meine Generation der Babyboomer Werbung echt cool fand. Erfolgreich war sie dennoch so gut wie nie, sowie auch heute ca. 95% der Werbung nicht erfolgreich ist.

Bildquelle 123rf

Bildquelle 123rf

Was nun die TV-Kampagne von Zalando betrifft, wird gerne unterschlagen, dass sie ihre massive Verbreitung einem sogenannten Media-for-Equity-Share-Programms mit ProSiebenSat.1 verdankt – also der Medienkonzern bekommt eine Beteiligung und stellt dafür eine Menge Werbeplätze zur Verfügung. Hätte Zalando die Werbung bezahlen müssen, hätten sie wohl abgelehnt. Denn Zalando ist eine Optimierungsmaschine (ähnlich wie amazon) und prüft alle Aktivitäten in Hinblick auf ihre Effizienz. Ein TV-Spot hat nach Angaben von Zalando 2012 die Klickraten auf ihr Portal durchschnittlich verdreifachen können. Das ist nun nicht wirklich berauschend und wäre für einen bezahlten Spot sicher nicht effizient genug gewesen.

Wer sich allmählich fragt, was hat dass nun mit Bloggen zu tun, den bitte ich noch um ein paar Sätze Geduld, wenn er gerne mit seinem Bloggen reich werden möchte.

Noch kurz zurück zum eigentlichen Zweck der massiven TV Werbung. Sie dient im wesentlichen dazu, ein Unternehmen deutlich größer erscheinen zu lassen als es ist. Denn sie erreicht eine Mehrheit von Menschen, die zwar nie bei Zalando einkaufen werden, die aber nach der massiven Kampagne jederzeit bestätigen würden, dass Zalando ein großes Unternehmen ist und wohl auch Marktführer in seinem Segment. Diese Wahrnehmung nun ist die wichtigste für alle Investoren. Das Unternehmen muss nicht primär wirtschaftlich sein und das Geschäftsmodell muss auch nicht unbedingt langfristig haltbar sein. Wichtig ist, man hat einen Platzhirschen geschaffen.

Ist das gelungen, geht es nun darum Kasse zu machen. Und ab hier kommen nun die Blogger ins Spiel. Üblicherweise findet der Verkauf solcher Unternehmen ja nicht öffentlich statt, sondern ein etabliertes, großes Unternehmen kauft den Laden und versucht ihn zu integrieren. Doch diesmal kündigt sich ein Börsengang an. Und an dem können nun alle teilhaben. Und ganz besonders die Blogger. Denn die haben – wie uns ja der Bericht des ZDF und der Wirtschaftswoche sowie auch viele andere Fachmedien bestätigen, enorm an Einfluss auf den Erfolg von eCommerce-Anbietern gewonnen.

Des Bloggers rechte Hand: sein persönlicher Finanzmanager. Bildquelle 123RF

Des Bloggers rechte Hand: sein persönlicher Finanzmanager. Bildquelle 123RF

Da heißt es jetzt noch schnell aktiv und reich werden. Zunächst sollten alle Blogger konsolidiert ein Blogging-for-Equity-Angebot an Zalando senden. Sollte hierfür die Zeit zu knapp werden oder sich Zalando nicht begeistert zeigen, dann bleibt der Blogger-Community später noch die Börse. Mit größtem Vergnügen können alle Blogger das Investment in Zalando regelmäßig hoch und runter schreiben bzw. bloggen. Alle erwerben sich zuvor entsprechende Aktienoptionen (keine Aktien, da ist der Hebel zu klein. Wem das zu kompliziert klingt, geht einfach mal zur Bank seines Vertrauens.) Dann bloggen alle mal gegen und mal für Zalando, (Backlinks, von denen es derzeit über 7000 geben soll, kurz mal kappen und – wenn der Kurs allmählich im Keller ist – wieder aktivieren.)

Mit jeder dieser konsolidierten Aktionen werden die Blogger reicher. Ich denke, zweimal im Jahr sollte das gut funktionieren. Und wenn die Blogger-Community dann mal professionell rangehen will, gründet sie einen European Blogger Hedgefond. Da können die Profis sogar tagtäglich Schwankungen nutzen, die die Bloggerszene auslöst.

Also, wer da nicht mitbloggt ist selbst schuld, wenn er in ein paar Jahren nicht auf der Forbesliste der Bloggermillionäre steht.

Die heutige Kindheit – eine (fast) werbefreie Zone.

524655_10200450004685505_1736439317_n

Eine Kindheit ohne allgegenwärtige Werbung erschien mir bis vor wenigen Jahren noch undenkbar. Die Baby-Boomer Generation, zu der ich zähle, wurde auf allen nur denkbaren Kontakt-, Kommunikations- und Medienkanälen uneingeschränkt und unzensiert zu hemmungslosen, hedonistischen Konsum eingeladen. Freiwillige Selbstkontrolle und unfreiwillige Beschränkungen der Werbebranche gab es erkennbar nicht – da wäre sicher das HB-Männchen sofort in die Luft gegangen. Damals konnte noch jeder klar begründen, warum er Jägermeister säuft und jeder Fünfjährige wusste, wo der Geist des Weines steckte. Rätsel gaben mir damals s/w Kleinanzeigen in der Funkuhr auf: was so ein Massagestab an der Wange einer Frau wohl taugt? Ich habe damals sogar ernsthaft erwogen, den als Weihnachtsgeschenk für meine Mutter zu bestellen.

HB-MännchenTagtäglich klingelte es an der Tür und man bekam zum Beispiel das Angebot einem frisch entlassenen Jugendsträfling eine zweite Chance zu einem ehrlichen Leben zu geben. Man müsse ihm nur jetzt und sofort ein Zeitungsabonnement abnehmen, damit er seinen Job nicht gleich wieder verliert. Leider konnte man den jungen Mann nicht nach 5 Sekunden überspringen. Sehr häufig wurde das Türgespräch aber vom Telefon unterbrochen. Oft von einem Kollegen Herrn Kaisers, der uns ein paar Sorgen nehmen wollte, die wir vor dem Gespräch noch gar nicht hatten. Ihn weg zu klicken ging damals zwar auch, galt aber als sehr unhöflich.

NeckermannFS70Was heute als Spam in wenigen Sekunden aus dem email-Fach in die virtuelle Tonne geschoben wird, fand sich damals haptisch und sperrig im Briefkasten – und es gab noch keine Papiertonnen neben dem Hauseingang. Wenn der neue Neckermann-Katalog kam, war es ein Fest der Kreativität für mich. Denn ich bekam den alten und begann nach Herzenslust Collagen aus Miedermodels und Badenixen zu basteln oder meinen Wunschzettel zu Weihnachten zusammenzukleben – mit Uhu versteht sich. Nicht selten wurden Sonntagsspaziergänge in die Innenstadt gelenkt. Das nannte man damals noch Schaufensterbummel, heute kennt man nicht mal mehr den Fachausdruck der Marketingsprache der 90er dafür: Window-Shopping.

Bildschirmfoto 2014-03-29 um 00.09.01Zwar gab es noch kein 24-Stunden-Privatfernsehen,  dafür aber auch keine Fernbedienung zum Zappen. Der Togal-Werbespot mit Luis Trenker war da bestens im Vorabendprogramm nach der Serie „Immer, wenn er Pillen nahm.“ platziert. Und das schlechte Gewissen meiner alleinerziehenden Mutter wurde weniger durch meinen abendlichen Fernsehkonsum geweckt, sondern weit mehr durch den fehlenden Duft eines knochentrockenen Bademantels, den ich dabei mich kratzend trug. Da half auch Creme 21 wenig. Fakt war auch: es gab einen Grauschleier. Besonders bei den wunderschönen Gardinen mit der Goldkante. Miss Tilly, der Onkel von Tchibo, Frau Sommer und Klementine waren abendliche Dauergäste bei uns. Ich habe in meiner Kindheit nicht ein einziges Kinderlied vollständig auswendig gelernt. Doch konnte ich sicher aus dem Stehgreif 30 Werbejingles aufsagen. Und die waren damals deutlich komplexer als heute: „Strahlerküsse schmecken besser, Strahlerküsse schmecken gut.“ oder ein Klassiker, den ich hier als Ohrwurm anteasere: „Komm doch mit auf den Underberg, komm doch …. Ein paar Jahre später, als ich ins Clerasil-Alter kam und wir endlich den ersten Farbfernseher meiner Großeltern übernehmen konnten, fiebert ich heimlich dem Fa-Spot entgegen – eine feuchte Barbusige im Fernsehen, wow.

bonanzarad_neckerman73Aus dem Radio, das damals in der Küche und im Auto nonstop lief (Es gab ja noch keine Kassetten oder CDs) dudelten unaufhörlich aufklärende Spots, deren Machart heute nur noch ganz wenige Werbetalente beherrschen, wie z.B. Seitenbacher. Als Kind der Stadt Frankfurt genoss ich alle zwei Jahre ein Eldorado: die IAA. Mir kommen heute noch die Tränen, wenn ich an den Verlust meiner umfangreichen Anstecknadel-Sammlung denke. Apropos Auto: damals bestimmte noch ich 10jähriger Steppkes, wo meine Mutter tanken sollte. Mal waren es die Münzsammlung bei Shell zur WM 1970, danach die Bildersammlung für die Heinz Sielmann und Hans Haas Bücher bei Esso und dann wieder die Oldtimer- Wandbilder von Aral und so fort. Ähnlich begeistert war ich von Besuchen im Schuhgeschäft Salamander, wo man wieder das neue Abenteuer von Lurchi erfahren konnte. Überhaupt gab es in jedem Stadtteil Spielwaren- und Schreibwarengeschäfte mit Spielzeug & Comics, an denen man tagtäglich sehnsüchtig auf die Auslagen schielend vorbeischlenderte. Ja, schon in der zweiten Klasse gab es den ersten unversöhnlichen Marken-Clash: auf der einen Seite die Pelikan- und auf der anderen die Geha-Fraktion.

EssoTigerNeben Comics, die ja auch Werbung enthielten, war ich auch ein begeisterter Illustrierten-Leser. Stern und Brigitte waren meine bevorzugten Bildmedien und entsprechend enttäuscht war ich, wenn meine Mutter ab und an den Spiegel mit seinen langweiligen s/w Bildern anschleppte. Summa cum laude hatte ich meine Konsumentenreife schon in der Grundschule erlangt. Die Hälfte des Wocheneinkaufs am Samstag Vormittag, an dem ich gerne teilnahm, war von meinen Präferenzen bestimmt: Nutella, Toastbrot, Miracoli, Iglo Fischstäbchen, Chiquita-Bananen, Nesquik, TriTop, RexDanny-Comic,  Weiße Nestle Crunch, Prinzenrolle und Treets waren die Grundnahrungsmittel meiner Kindheit.  Doch dann kam Aldi und damit die erste Konsum-Tristesse. Immer seltener betraten wir die schöne Markenwelt des Supermarktes, Persil musste Tandil weichen und ich bekam zum Trost einen Radiocassetten-Rekorder. So wurde Radiowerbung das erste Opfer meines Medienwandels.

Foto 1-2Als Teenie ging es regelmäßig mindestens einmal die Woche noch ins Kino. Werbefestival mit anschließendem Product-Placement-Film wie z.B. James Bond. Da war Werbung dann wirklich Kult und Kunst: Afri Cola. Und Werbung wurde allmählich diskutiertes Thema auf dem Schulhof oder im Tchibo-Cafe. Man teilte damals zwar nur die Meinungen und keine Likes darüber, doch ab Anfang der 80er konnte man sicher sein, dass ein neuer Spot von Coca-Cola oder Langnese jedem 14 bis 16jährigen bekannt war. Fast jeder kannte den neuen Spruch von Jägermeister und Anfangs der 90er Jahre war ich Stolz darauf, dass ich selbst als Werbetexter arbeitend diese Kampagne noch mal wiederbeleben durfte. Fiat Panda Werbung war auch cool. Und in den Rowohlt Taschenbüchern gab es damals noch Werbung. Weiß noch jemand, wofür? Pfandbriefe und Kommunalobligation, aber auch für Zigaretten. Überhaupt waren Zigaretten des Werbers liebstes Kind. Kein Produkt wird mehr diese Dominanz erreichen, die Zigarettenwerbung in meiner Kindheit und Jugend hatte. Was heute das iPhone oder Galaxy war damals für jugendliche Markenentscheider Marlboro oder Camel.

Das alles war einmal.

LurchiDas Märchen von der Omnipräsenz der Werbung wird zwar von den Medien – taktisch klug – gerne aufrechterhalten. Da stört es auch nicht, wenn immer wieder Medienkritiker in dieses Horn blasen, im Gegenteil es wird noch gerne befeuert. Denn solange noch die 60er bis 80er Generation in den Management-Positionen sitzen, sind es noch genug Entscheider über Werbebudgets, die mit diesem Bild der Werbung aufgewachsen sind. Doch faktisch kann ich feststellen, dass mein knapp siebenjähriger Sohn heute – und ich übrigens auch – in einer fast gänzlich werbefreien Umgebung lebt.

Afri ColaAn unserem Briefkasten hängt die Aufforderung „Keine Werbung“ – und es wirkt. An unserem Festnetztelefon hängt meine Frau noch aus nostalgischen Gründen. Werbeanrufe kenne ich seit Jahren nicht mehr. Wenn mal ein Fremder oder Fremde an unserer Haustür klingelt, dann ist es ein Biobauer aus der Gegend, der uns Äpfel anbietet oder die Sternensänger. In der Einkaufsstraße unseres Münchner Vorortes gibt es zwar noch diesen Schreibwarenladen mit Spielzeug, doch betreten wir den fast nie. Ansonsten finden sich ja in der 1A-Geschäftslage von Stadtvierteln neben ein paar Drogerieketten zunehmend nur noch Telekommunikationsläden, Versicherungsagenten, Immobilien-Makler oder zwei, drei italienische Feinkost-Läden als Angebote des täglichen Bedarfs. Die wecken aber bei meinem Sohn wenig Gelüste. Unseren Wocheneinkauf erledigt meine Frau heute lieber alleine (erst mal zu Aldi), so dass Felix selten mal in den Genuss eines überbordenden Markenangebotes kommt. Gekauft wird dann aber fast nur Frischware. Seit der Anschaffung unseres Thermomix (Vorsicht, Werbung!) wird jede Marmelade und sonstiger Brotaufstrich darin zubereitet. Der Honig, die Eier, Spargel, Himbeeren, der Wein kommen alle über Freunde und Bekannte direkt vom Erzeuger. Außer Milchprodukten stehen bei uns keine Markenprodukte auf dem Frühstückstisch. Nicht missverstehen, wir sind da weit weniger bewusste Konsumenten als bequeme. Und es schmeckt offenbar auch unserem Sohn alles so gut, dass er auch nach Nutella- und Fruchtzwerge-Kontakt beim Besuch von Freunden keine Defizite anmeldet.

TreetsFelix kennt kein werbefinanziertes Radio. Wenn wir Radio hören, dann Klassik (fast keine Werbung) oder Informationssender wie Deutschlandfunk. Ja, auch im Auto, denn den Verkehrsfunk benötigen wir ja nicht mehr, seit wir ein dynamisches Navi haben. Musik gibt es bei uns in voller Eigenregie. Entweder auf CD, in iTunes oder auf Youtube.

Zeitschriften, insbesondere Illustrierte findet man bei uns kaum noch. Ein paar auf dem Gäste-WC, die von irgendeinem Flug mitgebracht wurden. Die Tageszeitung sharen wir mit unseren Nachbarn. Doch darin finden sich kaum noch nennenswerte Anzeigen und für einen Siebenjährigen dient dieses Medium mehr als Bastel- und Malunterlage.

m_1970_lotus_europa_nr_5_matchboxWenn wir Filme anschauen, was wir meistens dann tun, wenn wir die Romanvorlage zuvor gelesen haben, gibt es die Spielfilme auf DVD oder per Stream. Oder die ehemaligen TV-Serien, wie „Z wie Zorro“, „Heidi“ oder aktuell „Robin Hood“ gibt es heute auf Youtube. Da kann man die lästigen Spots ja nach 5 Sekunden überspringen. Und die Sendung mit der Maus & Co. gibt es im Videopodcast.

Lineares Fernsehen kennt Felix ebenfalls kaum. Einzig Live-Events, bevorzugt Fußball und Formel 1, ist für uns ein Grund fernzusehen. Nur hier bekommt unser Sohn Werbespots mit. Ja, sie amüsieren ihn, doch selten sind in den Umfeldern Spots, die sein Konsuminteresse wecken könnten. Weder der neue Golf oder BMW, noch ein Besuch bei OBI oder Hornbach oder eine Kiste Krombacher standen je auf seinem Wunschzettel.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen. Wir sind ein ziemlich lifestyliger Haushalt und jeder kann auf einen Mac, ein iPad oder iPhone zugreifen. Die Nutzung von elektronischen Medien erfordert von jedem einzelnen Mitglied eiserne Disziplin.

Bildschirmfoto 2014-03-29 um 00.33.41

Aus dem Fa Werbespot 70er

Ebenso wenig wie Fernsehen oder Supermärkte kennt unser Sohn einen klassischen Einkaufsbummel. Wir Eltern haben dies früher ausgiebig genossen, doch heute sind wir vollends von den Vorzügen des Online-Shoppens überzeugt. Nichts zieht uns mehr in die Stadt, da wir die bessere, umfangreichere und günstigere Auswahl auf der Couch finden. Unser Sohn trägt mit Abstand die beste Garderobe in unserer Familie. Coole Markenklamotten auf ebay ersteigert oder aus Übersee bestellt. Ihm selbst ist das – noch – alles ziemlich schnuppe, solange es Jeans und Longsleeves sind. Wobei am Ende aber nichts über das Bayerntrikot geht, das wir selbstverständlich auch online bestellt haben. Spielzeug, Bücher bzw. eBooks, DVDs etc. alles online. Besuche von Kaufhäusern, Einkaufszentren, Spielzeuggeschäften, Modeläden, die ich in meiner Kindheit noch bis in die letzten Ecken ausgekundschaftet habe, sind für meinen Sohn das, was für mich damals Museumsbesuche waren.

asbach logoWas bleibt am Ende noch? Kleiner Tipp an alle Werbetreibenden: Nur noch Außenwerbung ist für meinen Sohn unumgänglich. Also nutzt Plakate und Verkehrsmittelwerbung, wenn ihr ihn auf Sinalco oder Fanta bringen wollt. Macht Promotion für einen Schokoriegel bei den Schülerlotsen, aber lasst Euch nicht von den Müttern und Vätern dabei erwischen. Und Product-Placement in Filmen, Videos und Spielen kommen immer gut. Mag sein, dass die Werbung meinen Sohn früher oder später doch noch kriegt. Ob ihn dann aber der doch etwas verzweifelt anmutende Versuch, mit supergeilen Viralspots davon zu überzeugen, nicht bei Aldi, Amazon, iTunes und beim Biobauern zu kaufen, bezweifele ich heute. Aber ich habe mich ja auch vor Jahren schon geirrt.