Lasst uns froh und populistisch sein

nikolause

Seit über 2000 Jahren haben die Massen Westeuropas und später auch in anderen Kontinenten der Erde die Möglichkeit, sich gegen Populismus, Propaganda, Demagogie, Indoktrinierung, Bild- und Textmanipulation zur Wehr zu setzen.

Endlos ist die Reihe der Mahner und Aufklärer, die, mal mittels Fakten, mal mittels Vernunft & Logik, gegen die vorherrschenden, postfaktischen Ansichten und Weltanschauungen der Masse opponierten. Zahllos sind die Reden und Schriften, mit denen die Aufklärer Denkanstöße und Einsichten zu geben versuchten, damit sich die Masse endlich von dem manipulativen Joch einer überwiegend unheilbringenden Heilslehre befreit. Doch den ebenso klugen wie mutigen Frauen und Männern blieb zu Lebzeiten die Beachtung meist verwehrt, ja, oftmals bezahlten sie ihr Bemühen mit gesellschaftlicher Ächtung, dem Pranger oder gar dem öffentlich bejubelten Tod.

Es halfen ihnen auch nicht die Belege der langen Geschichte, die nachweislich millionenfaches Leid und unzählige, unverzeihliche Tragödien dokumentieren, die diese Weltanschauung mit sich brachte. War ihr Begründer noch ein Sozialutopist, so sollte es seinen nachfolgenden Stellvertretern gar gelingen, seine Thesen so zurechtzubiegen, dass sie absolutistische Herrschaft, hasserfüllte Diskriminierungen, systematische Verfolgung Andersdenkender und extreme soziale Ungleichheiten bis heute als gefällig und moralisch legitim erscheinen lassen.

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Michelangelo Ausschnitt des „Jüngste Gericht“

Tatenlos, devot und opportunistisch sehen die Massen bis heute zu, wie die Vertreter dieser Lehren mit Willkür walten, sich maßlos selbst an den Ärmsten bereichern und sich ab und an für ein paar wenige Almosen feiern lassen. Die Masse Mensch rebelliert nicht gegen die seit Jahrhunderten immer wieder gegebenen leeren Versprechung und Verheißungen. Sie stört sich auch nicht an der Allegorie, die ihnen suggeriert, dass wer gesellschaftlich unten stünde, sich doch als moralischer Sieger trösten dürfe. Sie verinnerlicht das Bild dankend und denunziert lieber die Skeptiker, Kritiker und Andersdenkenden.

Bis heute huldigen Milliarden auf diesem Planeten diesem genialen Populisten, dem es über seinen Märtyrertod hinaus gelang, eine Weltanschauung zu manifestieren, die unsere gesamte westliche Kultur vereinnahmt hat, die heute auch gerne als Leitkultur eingefordert wird und die unser aller Denken und Handeln massiv beeinflusst – selbst das seiner vehementen Kritiker und härtesten Gegner.

Letztere haben den Widerstand längst aufgegeben und gelernt, dass sie nur in Frieden leben können, wenn sie das Irrationale ignorieren, ihm einen Raum lassen, indem es walten kann, man die Auswüchse dadurch ein wenig zähmt und in die Schranken weist, sodass ein Leben neben ihm heute möglich ist. Letztlich muss man sich nach all den Jahrhunderten damit arrangieren, dass nur aufgeklärt werden kann, wer aufgeklärt werden will.

In diesem Sinne feiern wir alle – unzählige Anhänger als auch fast alle Skeptiker des erfolgreichsten Populisten aller Zeiten – in wenigen Tagen des lieben Friedens willen wieder einmal seinen Geburtstag, zum 2016ten Male – ganz groß.

Frohe Weihnachten

Oh Gott, Jürgen Habermas (2004):

„Säkularisierte Bürger dürfen, soweit sie in ihrer Rolle als Staatsbürger auftreten, weder religiösen Weltbildern grundsätzlich ein Wahrheitspotential absprechen noch den gläubigen Mitbürgern das Recht bestreiten, in religiöser Sprache Beiträge zu öffentlichen Diskussionen zu machen. Eine liberale politische Kultur kann sogar von den säkularisierten Bürgern erwarten, dass sie sich an Anstrengungen beteiligen, relevante Beiträge aus der religiösen in eine öffentlich zugängliche Sprache zu übersetzen.“

Buchliebe: Nichts Gutes, außer man tut es.

Geschenkbuch

Ich wünsche mir eine „Book-Gift-Challenge“ zu Weihnachten.

Geschenke erhalten ja bekanntlich die Freundschaft. Buchgeschenke aber noch mehr.

In diesem Jahr sind die Wogen des digitalen Sturms in dem der alte Buchbranchen-Dampfer schippert, noch mal richtig hochgeschwappt. Auf Deck wurde heftig debattiert, geschimpft, gebasht und offene Briefe wurden geschrieben. Jetzt ist es an der Zeit, Wunschzettel zu schreiben.

Mein Wunsch ist es, dass sich alle sentimentalen Buchliebhaber von ihrem analogen Ross hinunter- und sich von Buch-Bloggern und Buch-Netzwerkern an die Hand nehmen lassen, um im Netz viral was fürs Buch und die Autoren zu tun.(Nachtrag: Mir geht es einzig darum, Buchliebhaber zu aktivieren. Es wurde jetzt das ganze Jahr gejammert und der Goliath amazon verteufelt. Am besten zur Wehr setzt man sich, wenn man aktiv selbst in der Netzwelt agiert und für seine Leidenschaft trommelt. Wenn alle Buchliebhaber im stillen Kämmerlein sitzen und in die gedruckte Tageszeitung fluchen, dass das Ende der Buchkultur bevorstünde, hört es höchsten der Nachbar. Wer ein Buch als Geschenk anstatt einer Flasche Wein, einer CD oder einer DVD bevorzugt, sollte es verkünden. Das Internet ist nicht Fluch, sondern vielleicht die letzte Hoffnung für eine wachsende Buchkultur. Ansonsten stirbt sie ja bekanntlich zuletzt.)

Welche beeindruckenden Aktionen das Netz uns ermöglicht, hat vor kurzem die Ice-Bucket-Challenge gezeigt. Sicher braucht es das nicht im Wochentakt wieder. Doch demnächst steht die große Zeit des Buches an: Weihnachten. Eine Chance, die wir Buchliebenden nicht verstreichen lassen sollten. Deshalb wünsche ich mir eine vergleichbare Aktion für das Buch – gleich, ob eBook oder Print und völlig egal, welches Genre. Einzig wünschenswert wären aktuelle Bücher von lebenden Autoren, denen die Aktion dann auch zugute kommt.

Mein Vorschlag ist eine Initiative, die lauten könnte:

#Buchgeschenk-aus1mach3

Ich schenke öffentlich in meinem Netzwerk drei Freunden je ein ausgewähltes Buch. Das verbinde ich mit dem Wunsch, dass die Beschenkten auch wiederum drei Bücher auswählen sollen und diese dann ebenfalls öffentlich an drei Freunde mit der gleichen Bitte verschenken. Und so fort.

Sicher gäbe es noch alternative Mottos (oder Motti) wie z.B.

Ich-schenk-Dir-ein-Buch

Ich-schenk-ein-Buch-mehr

Ichschenkwasmitbuechern

book-gift-challenge

Aus-Liebe-zum-Buch

Unter welchem #Hashtag auch immer diese Aktion die Runde macht, ich wünsche mir nur, dass alle aus ihrer Liebe zum Buch ein öffentliches Ereignis machen. Und die Weihnachtszeit bietet dafür den schönsten Anlass.

Es steht jedem frei, wie sie/er seine Buchgeschenke präsentiert. Ein einfacher Post auf Facebook, eine ausführliche Beschreibung zu jedem Buch oder ein Video vor seiner Lieblingsbuchhandlung, wäre mir gleich. Hauptsache, es wirkt.

Wichtig ist nur, dass die ausgewählten 3 Freunde keine Netzwerk-Muffel sind. Denn dann gerät das ganze schnell ins Stocken.

Mein Weihnachtswunsch wäre damit schon erfüllt. Und wer sich dafür ebenso begeistern kann, teilt bitte dieses gemeinsame Ansinnen. Vielleicht finden sich dann bald auch ein paar Prominente, die das mit viraler Macht unterstützen. Mir wäre selbst Jeff Bezos willkommen.

Doch viel mehr würde ich mich freuen, wenn u. a. alle Buch-Blogger, alle Autoren und sonstigen Buchbegeisterten, die sich in diesem Jahr so engagiert haben, auch bei dieser Aktion dabei wären.

Und wenn es denn noch etwas konzertierter werden soll, kann man ja die anstehende Buchmesse nutzen, um sich abzustimmen. Bin gern dabei.