Ob Anke Engelke einen Pfau zubereiten kann?

Pfau-Buch

Mit dem Pfau habe ich eine vergnügliche Zeit verbracht. Ich habe den amüsanten Roman über Extrem-Teambuilding auf einem Landgut in den schneeverwehten schottischen Highlands gerne gelesen. Zugegebener Maßen war ich jedoch voreingenommen, weil mir die Autorin ungemein sympathisch ist. Ich kenne Isabel Bogdan überwiegend aus einem anregenden Netzaustausch und nur einmal sind wir uns kurz auf der Messe in Frankfurt leibhaftig begegnet. Doch das tat dann dem gewonnenen interessanten Netzeindruck keinen Abbruch. Der ist so klug und vergnüglich, dass ich mir ganz feste wünschte, dass ihr angekündigtes Romandebüt ebenso überzeugend ist. Und wenn man sich was ganz fest wünscht, dann erfüllt es sich ja auch.

Ein wenig Bammel hatte ich dennoch, da ich mich im Gegenteil zu vielen anderen nicht wirklich für „Ein untadeliger Mann“ von Jane Gardam erwärmen konnte, den Isabel – sicher hervorragend – übersetzt hat. Diese vage bleibende Erzählung im distinguierten Upperclass-Plauderton über das Leben eines Anwalts, der in der britischen Kronkolonie zwar zu Ansehen und Reichtum kommt, jedoch seit seiner Jugend irgendwo „Dreck am Stecken hat“, blieb mir fremd. Und da nun der Pfau sich ähnlich „britisch“ geriert und auch das Szenario der Geschichte in den britischen Highlands bei Lady und Lord angesiedelt ist, fürchtete ich mich ein wenig vor einer zwar ironisch gebrochenen, jedoch als Stilmittel gewählten Plauderei bei Tee und Gebäck mit gespreizten kleinen Finger.

Der Titel tat dann noch sein übriges. Denn der eigentlich ganz hübsche Vogel Pfau ist für mich kulturell und literarisch konnotiert mit dem unsympathischen Sinnbild für eine dekadent eitle Gesellschaft, die ich zunächst als Besetzung des Romans unterstellte.

Dem war dann glücklicherweise nicht so. Ebenso wurde auch nicht der kleine Finger beim Schreiben gespreizt. Isabel Bogdan formuliert eloquent in einem unprätentiösen Stil und hält einen gleichmäßig warmen, charmanten Erzählton durch die gesamte Handlung durch.

Jedoch die stilistische Form des allwissenden Erzählers, der uns sogar an den Gedanken eines Hundes teilhaben lässt, kann man auch als dramaturgische Schwäche bekritteln. Denn sie distanziert uns Leser von den Figuren, lässt uns süffisant lächelnd, weil selbst nicht involviert, über deren Gehabe lustig machen. Die Stärke der Geschichte liegt jedoch in ihrem Kammerspielcharakter. Letztlich würde sie uns wohl emotional mehr berühren und bewegen, wenn wir sie nicht episch vorgestellt, sondern in einer dramatischen Version vorgeführt bekämen. Der Roman verlockt meines Erachtens dazu, für die Bühne bzw. den Film adaptiert zu werden.

Bildschirmfoto 2016-03-08 um 16.30.15Das passende Setting für den Film hat Isabel Bogdan ja schon ausgemacht. Denn das Gut der realen Vorbilder von Lady und Lord McIntosh findet sich offenbar bei Jeannie und Hector Maclean in den schottischen Highlands. Den beiden ist das Buch gewidmet. Gerne würde man sich jetzt mit der Autorin dort hinbegeben und vor dem Kamin sitzend, Single Malt Scotch Whisky schwenkend über die möglichen Rollenbesetzungen unterhalten. Ich würde gerne Anke Engelke in der Rolle der Köchin Helen sehen.

Wie nett man sich mit Isabel Bogdan unterhalten kann, erfahren wir von ihrem „besten“ Freund Tilman (Winterling), der statt einer kritischen Besprechung des Romans sich ganz geschickt durch ein amüsantes Interview mit Isabel zum Pfau aus der freundschaftlichen Affäre zieht.

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3 Gedanken zu “Ob Anke Engelke einen Pfau zubereiten kann?

  1. Hallo,
    ich gebe zu, (auch) von Anke Engelke hierher gelockt worden zu sein. Wenn das die Absicht war, dann ist es gelungen. Aber warum gerade sie in der Rolle der Köchin?
    Von Isabel Bogdan habe ich bisher noch nichts gelesen, das wird sich aber ändern.
    Viele Grüße
    Ina

  2. Pingback: Rezensionen zum Pfau ~

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