Notizen zur Selbstbedienung (12)

Mehr Notizen zur Selbstbedienung

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Ja, Gila Lustiger, wir alle befinden uns in fragwürdiger Gesellschaft

IMG_1653Ist das Zufall? In jüngster Zeit überzeugten mich – mit Ausnahme von Houellebecq – ausschließlich Gesellschaftsromane von Autorinnen. Zunächst Karine Tuil mit „Die Gierigen“ , dann Zoë Beck mit „Schwarzblende“ und jetzt auch Gila Lustiger mit „Die Schuld der Anderen“. Zudem gelingt letzteren auch noch die Kunst, ihre Erzählungen in eine überzeugende kriminalistische Rahmenhandlung zu packen. Daran ist ein Großer, Louis Begley, gänzlich gescheitert und auch der neue Martin Suter „Montecristo“ kann da nicht wirklich überzeugen.

Eine weitere Übereinstimmung findet sich in den Werken von Zoë Beck, Gila Lustiger und Martin Suter: die ermittelnde Hauptfigur ist jeweils ein Journalist. Angesichts der immer vehementer werdenden Medienschelte und des attestierten kontinuierlichen Verlust an Glaubwürdigkeit, könnte man vermuten, dass die Autoren einen Beitrag zur Verbesserung der journalistischen Reputation leisten wollten. Doch hat man die Romane gelesen, kann man die Vermutung wieder einpacken. Zwar gelingt es allen Hauptfiguren die miesen Komplotte gänzlich aufzudecken, doch die Konsequenzen daraus überzeugen nur Fatalisten.

Ein Kriminalroman, der die Welt erklärt.“ ist das begeisterte Fazit von Denis Scheck über „Die Schuld der Anderen“. Da möchte ich einstimmen, doch muss ich einschränken, dass nur dem etwas erklärt wird, der kein unverrückbares Weltbild vor sich herträgt.

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Kultur ist nicht konsensfähig.

HöhlenBison

Reproduction of a bison of the cave of Altamira

Zur Blogparade hat Tanja Praske eingeladen mit dem Ausgangstitel „Kultur ist (für mich) …“. Das hat sie nun davon:

Nicht mal auf dem kleinsten Nenner würde man sich einig, wenn es um die Definition von Kultur ginge. Versuchen wir es doch nur mal mit der Abgrenzung „Was ist denn nicht Kultur?“ Und da stünde auf jeden Fall „Natur.“ Sofort wird es bei einigen gleich im Lid zucken und zu heftigem Widerspruch anregen. Ist aber so.

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Mal die Kultur im Dorf lassen, Herr Niemann.

KircheimDorfDank des digitalen Netzes konnte ich heute den Gastbeitrag zur Lage der Kultur vom 7.6.. „Erst verschwinden die Dörfer, dann wir“ von Norbert Niemann in der FAZ lesen. Den Link dazu bekam ich von einigen Twitterern und Freunden bei Facebook, die den darin verbreiteten bitteren kulturpessimistischen Tenor teilten – durchweg wohl im doppelten Sinne. Jetzt teile ich ihn auch, jedoch keineswegs inhaltlich.

Ich habe ihn zweimal mit Mühe konzentriert gelesen. Wissend, dass es sich um den Text einer leicht gekürzten Dankesrede zum Carl-Amery-Preis handelt, frage ich mich, wie die Zuhörer dieser Rede inhaltlich folgen konnten. Auch nach dem zweiten Lesen bleibt bei mir nur der monotone Singsang der ewigen Litanei über die alles knechtende Marktwirtschaft im Ohr und dazu das Bild von einer nostalgischen, fast kitschigen Sehnsucht nach einem vergangenen Kulturbetrieb, den es meines Erachtens so nie gegeben hat. Wir finden ihn nur immer wieder in den verklärenden Lebensrückblicken anerkannter Kulturschaffender. Und bei denen steigt der fatalistische Grundton mit jedem Lebensjahrzehnt an. Norbert Niemann und ich gehören dem selben Jahrgang an.

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