Eine herrlich fantastische Welt voller Nerds

PenumbraEs gibt Bücher, bei denen bleibt es einem persönlich immer unerklärlich, warum sie völlig unterschiedliche Resonanz finden. Man findet sowohl Lobeshymnen und empörte Verrisse, schlägt sich selbst auf eine Seite und vermag – trotz genannter Argumente – gedanklich nicht nachvollziehen, was denn die Gegenseite zu solch diametralen Urteil bewegte. Und es gibt Bücher, da ist der Grund ganz offensichtlich, auch wenn sich dies mancher Rezensent selbst nicht eingestehen mag. Zu den letzteren zähle ich Robin Sloans Roman „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra.

Ich erachte diesen Roman nicht literarisch, jedoch mit dem Versuch eine Einsicht zu vermitteln, für schlichtweg genial. Kein mir bekannter Roman versteht es bislang auf so unterhaltsame, amüsante und kluge Weise, die Parallelität zweier Medienrevolutionen gegenüber zu stellen und den aktuellen, unsinnigen Glaubenskrieg ihrer Evangelisten zu entlarven. Weiterlesen

Advertisements

Zur bombastischen Wirkung von Literatur

FullSizeRender-1Mit „Munk“ legt der argentinische Schriftsteller Ricardo Piglia Feuer an die Lunte eines literarischen Pulverfasses, dessen bombastische Wirkung mich und andere Leser am Ende bei NSA & Co. verdammt verdächtig macht. Denn was zunächst als harmlos intellektueller Campusroman beginnt erweist sich im weiteren Handlungsverlauf als Thriller vor dem Hintergrund realer tragischer Ereignisse. Und das verführt dann zu verdächtiger Recherche nach vergangenen Terrorakten via Google. In meinem NSA-Dossier werden nun Namen wie Theodore Kaczynski, Mark David Chapman, Anders Behring Breivik sowie Suchanfragen wie „Terror in der Literatur“ etc. auftauchen.

Dieser Roman bietet ein Sammelsurium an Indizien, die uns davor warnen, die Wirkung von Literatur zu verharmlosen. In einer literarischen Chronik schildert Emilio Renzi – Hauptfigur und Ich-Erzähler – rückblickend wie er als Gastdozent der Literaturwissenschaften an einer Elite-Uni nahe New York in den Strudel eines möglichen Terroraktes hineingezogen wurde. Eine angesehene Literaturprofessorin, mit der er ein intimes und etwas skurriles Verhältnis eingeht, stirbt wenigen Wochen später bei einem mysteriösen Autounfall. Weiterlesen

Die Wahrheit, nichts als die Wahrheit; so wahr mir die Fantasie helfe.

OonaSalingerDie Wahrheit ist auch nur eine Hypothese. Selten wird uns dies so tragisch deutlich wie aktuell beim Absturz der Germanwings Maschine. Die absolute, objektive Wahrheit über die Ursache gibt es für uns offenbar nicht. Trotz aller konkreten Hinweise und klaren Indizien, weigern sich nicht wenige, diese anzuerkennen. Die vorgebliche Tat eines einzelnen Piloten ist für viele im wahrsten Sinne des Wortes so unvorstellbar, dass sie sich der Anerkennung der Fakten verweigern und sich lieber allen möglichen Spekulation anschließen, die ihrer Vorstellungswelt näher sind.

Im Falle eines biografischen Romans ist dies zwar nicht wirklich tragisch, aber ebenfalls so spekulativ, dass sich eine Reihe von Lesern empört von der Interpretation bekannter Fakten und der daraus entwickelten Fiktion abwenden. Die hitzige Kritik über den Wahrheitsgehalt entbrennt ja oft schon bei Sachbüchern oder Biografien über historische Ereignisse bzw. Personen. Da letztlich alle diese Arbeiten nur Interpretationen von dokumentierten Erinnerungen sind, ist die Form des biografischen Romans zwar nicht unbedingt die, welche der Wahrheit am nächsten kommt jedoch wohl die ehrlichste des Autors. Denn hier wird der Leser sofort gewarnt, dass es sich um eine subjektive Fiktion anhand bekannter Daten und Fakten handelt.

Diese ehrliche Form wählte Frédéric Beigbeder, um sich seinem Heros der Literatur anzunähern: J. D. Salinger. Mit Oona & Salinger verfasste er seine biografische Geschichte über die entscheidenden Jahre der Adoleszenz eines Autors, dessen Ruhm sich einem einzigen Roman und dessen Mythos sich einer einzigartigen manischen Menschenscheu verdankt. Und weshalb verweist er dabei schon im Titel auf eine kurze jugendliche Liaison zu einem 15jährigen Teenager, der später nur deshalb bekannt wurde, da ihn der größte Komiker aller Zeit heiratete und acht Kinder mit ihm bekommen hat? Weil Beigbeder, wie er schon zu Beginn schreibt, wild spekuliert: Weiterlesen