Warum sind wir heute so wie wir nie sein wollten?

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Die letzten Tage waren einen traurige Bestärkung für das, was ich seit längerem als These vertrete. Die Gesellschaft setzt sich überwiegend aus unpolitischen Menschen zusammen, die sich vor allem nur eines wünschen: gesicherten, wachsenden Wohlstand. Ethik, Moral, Gleichstellung und Minderheitenrespekt erachten sie als Gesinnungsluxus.

Nein, es ist nicht Brechts „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ Da suggeriert man ja noch, es lebten große Teile in der Angst, morgen vielleicht hungern zu müssen. Alles, was heute die Leute ängstig, ist fehlende Zuversicht, ob morgen ihr bisschen Wohlstand noch gesichert ist. Und diese keimende Angst wird ihnen von einer „aufgeklärten“, zukunftspessimistischen Minderheit stetig bestätigt, die sich überwiegend in einem Milieu verortet, das davon überzeugt ist, dass man mit dem linken Auge besser sieht. Einem Milieu, mit dem ich mich verbunden fühle, wenn auch ab und an zwiegespalten.

Das Milieu aus, dem ich stamme und das ich in den Siebzigern sehr genossen habe.

Es ist das Milieu, das seit Jahren über die Grenzen des Wachstums doziert, das eine Unvereinbarkeit des Kapitalismus mit Ethik und Moral erklärt, das unablässig materiellen Verzicht und Schonung der Ressourcen predigt und jede politisch inkorrekte Entgleisung empört an den Online-Pranger stellt. Es ist das Milieu, aus dem ich stamme und das ich in den 70iger Jahren sehr genossen habe. Es ist aber auch das Milieu, das derzeit in Erwartung eines Donald Trump als US-Präsident in kreischende Panik gerät, zugleich aber nur die Schultern zuckt, wenn es erkennen muss, dass im eigenen Land tausende Türken der dritten Generation leben, die dem türkischen Despoten Erdogan huldigen und damit ihren Offenbarungseid leisten, dass ihnen die Integration hier am A… vorbei geht.  

„Ruhe da unten!“

bildschirmfoto-2016-11-11-um-22-44-31Damals, in den 70igern meiner Jugend, war das Links sein eine Befreiung aus dem biederen, kleinbürgerlichen Mief und spießigen Opportunismus, der sich allenthalben aus den Fenstern lehnte und „Ruhe da unten!“ brüllte. Bestens personifiziert in der Figur des Ekels Alfred (Tetzlaff) aus der Fernsehserie „Ein Herz und eine Seele“, die Mitte der 70iger im TV lief. Rechte waren für uns diese zeternden Alten, die uns Faulheit und Respektlosigkeit vorwarfen und mit der Polizei drohten, wenn wir sie daraufhin nur lachend begannen, mit Schneebällen zu bewerfen. Wir hatten die Eltern, zumindest manche von uns, die keine Autoritäten mehr sein wollten, die uns jede Menge Freiheit zubilligten, uns viel Unfug und Dummheiten verziehen und uns vor den Spießern in Schutz nahmen. In den Schulen begegnete uns zwar immer noch der nerventötende Duktus der alten Oberstudienräte, die uns belehrten, „Bildung sei der Schlüssel zum Erfolg.“ und „Qualität kommt vom Quälen“, doch zugleich kamen auch junge Referendare und Lehrer, die uns zu nichts verpflichteten, die die Noten fünf und sechs als obsoletes Machtmittel erklärten und von denen manche sogar pädagogisch so talentiert waren, dass wir sie ebenso liebten wie respektierten und weit mehr lernten als bei den alten Paukern.

„Können wir jetzt mal Schluss machen mit dem Gelabere?“

Diese jungen Lehrer waren für einige von uns (wie auch mich) erste Vorbilder an Haltung und politischer Orientierung. Sie ließen es zu, dass wir spontan über tagespolitische Themen im Unterricht sprachen. Und da gab es damals mindestens genauso viele Anlässe wie heute. Nur, wenn wir uns genau erinnern, dann müssen wir eingestehen, dass wir, die wir so gerne diskutierten, schon damals in der Klasse eine Minderheit bildeten. Die Mehrheit schwieg dazu lange bis irgendein Streber entnervt kommentierte: „Können wir jetzt mal Schluss machen mit dem Gelabere?“

Im Prinzip hatte er sogar Recht. Denn wir laberten fast immer nur. Eine verschwindend kleine Minderheit hat auch mal was gemacht – Demo und so. Der Rest hat sich weiter aufs Labern beschränkt, auch an der Uni, sofern er studieren durfte. Das durften damals knapp 30% eines Jahrgangs. Alle Freunde aus meinem Milieu studierten dann was „soziales“, „geisteswissenschaftliches“, also Laberfächer, und wenn doch was naturwissenschaftliches, dann bitte nur „Bio“. „Jura“ oder „Wirtschaft“ war verpönt, zumindest im Erststudium, das aber ein paar schnell Ernüchterte abbrachen, weil sie vielleicht doch später richtig „Kohle“ verdienen wollten.

Später aber, bei jedem gesellschaftspolitischen Gelabere unter Freunden, wurde auch von denen immer drauf hingewiesen, dass sie ja auch mal „Soziologie“ oder „Philosophie“ studiert hätten.

Der Ton der Volkspädagogen

Soweit, so gut – das wäre ja alles abzubuchen unter Jugendsünden und später Weg der Erkenntnis. Doch dann kippte das Gelaber in meinem Milieu bzw. meiner Generation in ein unangenehm nörgelndes, zeterndes, aufschreiendes und steckte auch die Jüngeren im Milieu an. Es begann zunächst in den „Leitmedien“, den Bildungs- und Kulturstätten und weitete sich dann über die digitalen Netzwerke unaufhaltsam aus: eine zunehmend herablassende, penetrante, selbstgerechte und selbstgefällige Volkspädagogik. Geografische Zentren im realen Leben entstanden in einige Universitätsstädten, in bestimmten Stadtteilen der Großstädte. Besonders exemplarisch wird dies von mir und einigen Freunden aktuell in der früher gemochten Stadt Freiburg wahrgenommen.

Was früher das Kissen auf der Fensterbank war ist heute das Smartphone in der Hand

Dieses, mein kleines Milieu besetzt(e) gerne Schlüsselpositionen in der Medien-, Kultur-, Bildungs- und Kommunikationsbranche – eben die Laberbranchen. Und unser Milieu stürzte sich auch begeistert auf die unendlichen neuen Möglichkeiten der Kommunikation, den moderne Sprachrohren. Dabei verfiel es bald in einen Jargon, der zwar eloquenter als der der Biedermänner unserer Jugend ist, aber in der Tonalität sich immer mehr anglich. Wie jene alten Zicken damals sich aus dem Fenster hängten und in den Hof brüllten, ob wir denn keine zuhause hätten, ob wir nicht mal wie ordentliche Leute was anständiges Arbeiten könnten und empört von dannen zogen, wenn wir „Verpiss Dich!“ oder höflicher „Spießer!“ konterten, so sitzen viele von uns heute vor dem Bildschirm wie diese im Fenster, halten Ausschau nach Skandalösem und tippen tagtäglich ihre Empörung über die Gesellschaft in Facebook, Twitter & Co..

Ob wir Lechs oder rinks, ist nicht relevant.

Es ist dabei fast irrelevant, mit welcher gesellschaftspolitischen Haltung wir heute sympathisieren. Da positionieren sich ja einige aus dem ehemals linksliberalen oder gar linksradikalen Milieu heute deutlich konservativer – in Teilen auch ich. Und man findet heute sogar ab und an einen Konsens mit damals verachteten Klassenkameraden, die man der Jungen Union zuordnete, also fast Nazis, und die man vor ein paar Jahren – als großzügige Geste der Versöhnung – in seinen virtuellen Freundeskreis aufgenommen hatte. (Bei den Jungen zählten damals auch alle zu den Rechten, die nicht den Wehrdienst verweigerten).

„Zehn Gebote, was Du nie machen solltest“

Nein, unsere undurchsichtige politische Haltung heute ist nicht das Problem der Verständigung mit der unpolitischen Mehrheit, sondern unser oberlehrerhafte Tonalität und besserwisserische Schnippischkeit, mit der wir gänzlich humorlos korrekt eine politisch desinteressierte und in den Themen völlig unmündige Mehrheit der Gesellschaft zuerst mal aufklären wollen. Dann folgt gerne schulmeisternd ein „Zehn Gebote, was Du nie machen solltest“-Erziehungsprogramm, gefolgt von einer Zurechtweisung, doch endlich mal seine Freundesliste zu „bereinigen“, weil ich Dich ansonsten selbst „entfernen“ oder „blocken“ müsste. Allein diese drei sehr gern benutzen Worte in den Netzwerken sollten uns die Schamröte ins Gesicht treiben, wenn wir ernsthaft mal beginnen, selbstkritisch zu reflektieren.

Schön und nicht gut werden jetzt vielleicht einige denken, aber zugleich fragen: Was sollen wir denn angesichts der enthemmten Heil suchenden Masse und des aktuell beliebten „Eliten“-Bashings bzw. unserer Selbstgeisselung tun? Tja, wie kann ich das beantworten, ohne zugleich zu schulmeistern? Ich versuche es mal so:

Aufklären kann man nur, wer aufgeklärt werden möchte

Ich selbst habe für mich akzeptiert, dass es wohl nie gelingen wird, eine Mehrheit der Gesellschaft intensiv zu politisieren, sprich, sie zu bewegen, sich Kompetenzen anzueignen, um gesellschaftspolitische Entscheidungen bewusst und mit klarem Blick auf die Folgen zu treffen. Ich habe zudem verstanden, dass diese Mehrheit sich aus ihrer selbst verschuldeten Unmündigkeit nicht befreien will, sondern sich gerne Leuten anvertraut, die ihnen Zuversicht und Sicherheit vermitteln und ihnen die Gewissheit bieten, zu den Richtigen zu gehören. Einige andere zu bedenkende Erkenntnisse über uns Masse Mensch fand ich bei Kants Abhandlung „Zum ewigen Frieden“, in Gustave Le Bons Essay „Psychologie der Masse“ sowie auch in Yuval Noah Harari Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“.

Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass wir den aktuellen Riss in der Gesellschaft nur kitten können, wenn es uns gelingt, der bequemen Mehrheit wieder die Zuversicht zu geben, dass eine kompetente und integere Elite unsere staatlichen Gemeinschaften gut verwaltet und diese für einen gesicherten, wachsenden Wohlstand sorgt. Ich weiß, dass Wachstum absehbar schwieriger wird und doch ist es uns bislang immer gelungen. Nur partizipieren daran nicht alle gleichermaßen – wobei ich hier nicht die ungleiche Verteilung der Vermögen meine.

Statt bedingungsloses Grundeinkommen eine bedingungslose Grundrente

Vielmehr gibt es für mich ein Beispiel, mit dem ich mich mal aus dem Fenster lehne, wie man die Zuversicht stärken könnte: die deutliche Verbesserung und Sicherung unserer Altersversorgung. Statt einem bedingungslosen Grundeinkommen wünsche ich eine bedingungslose Grundrente, finanziert aus Staatseinnahmen. Sie sichert das Rentensystems nach unten ab. Also eine Altersvorsorge, die unabhängig vom Einkommen der Beschäftigten ist, so dass bei wachsender Automatisierung der Arbeit ein Teil der Wertschöpfung auch auf die gesamte Bevölkerung gleichmäßig verteilt wird.

Das ist jetzt nur ein exemplarischer Gedanke in welche Richtung es gehen müsste, um der Mehrheit der Bevölkerung die Angst vor einer prekären Zukunft zu nehmen. Und wenn diese Angst therapiert ist, lässt sich – das ist meine naive Zuversicht – auch wieder eine Mehrheit für ein vernünftiges gesellschaftliches Miteinander gewinnen.

Amen.

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13 Gedanken zu “Warum sind wir heute so wie wir nie sein wollten?

  1. Ich bin mir nicht sicher, ob ich etwas bewirken kann, aber wenn dann durch mein Handeln. Und ich will mir nicht sagen lassen, ich hätte alles hingenommen, wäre still geblieben. Es wird immer Menschen geben, die nicht verstehen, warum es am besten ist, wenn es allen gut geht – Neid, persönlicher Ehrgeiz, was auch immer führt dazu, dass Menschen sich zurückgesetzt fühlen und es ist schwierig, alle mitzunehmen. Aber man muss es versuchen. Und ich glaube auch daran, dass alles Handeln politisch ist, weil es die Gemeinschaft betrifft. Im guten, wie im schlechten. Jetzt jedoch nach Schuldigen für die Situation, die z. Bsp. in den USA eingetreten ist, zu suchen, ist müßig. Es ist doch eigentlich egal, ob es die Eliten sind, die versagt haben oder wir, indem wir unsere Komfortzonen nicht mehr verlassen haben. Für mich ist es ein Weckruf, weiter zu machen, mehr zu machen, im täglichen, im kleinen. Nicht gegen Menschen zu arbeiten, sondern mit ihnen. Ich habe heute einen interessanten Beitrag von Russel Brand gesehen – ich verlinke ihn hier mal – der mich die Situation etwas gelassener, nicht gleichgültier – sehen lässt

    Soikdarische Grüße, Bri

  2. Wie schön, frei nach Hoimar von Dithfurth/ Luther Apfelbäumchen pflanzen.
    Ich war in den 80ern politisch aktiv und habe mich dann mit Ausnahmen aufs Private zurückgezogen, denke mittlerweile allerdings auch wieder, dass ich es meinen Söhnen schuldig bin mit aufmunterndem Beispiel voranzugehen. Der letzte Baum war zwar ein Judasbäumchen aber …:)
    Professorin Evi Hartmann hat exakt zu diesem Thema ein wunderbares Buch geschrieben. „Wie viele Sklaven halten Sie?“ Kann es wärmstens weiterempfehlen. Übrigens haben die 68er , 70er und 80er doch etliches erreicht für eine bessere Gesellschaft. Dass das von der Ökonomie und polit. Misswirtschaft ausgeknockt wurde steht auf einem anderen Blatt.
    Positive Grüße
    Sandra

  3. Hallo zusammen,

    ich teile größtenteils die Erfahrungen des Hauptbeitrags und meines Vor-Kommentators, aber: man bewegt sich ja, gerade wenn man viel im Netz unterwegs ist, sehr unter den Leuten mit ähnlichen Ansichten. Da sieht das dann anders pessimistisch aus: mannomann, was machen wir nur…? Wir schreiben tapfer gegen Hetze an und für das sich-Einbringen in gesellschaftspolitische Zusammenhänge; ein paar werden sich auch auseinandersetzen, viele sicher nicht.

    Was ich aber keinesfalls möchte, ist dazustehen wie ein guter Freund (ein wirklich netter Mensch, gerade siebzig geworden und in unser aller 70ern auch politisch aktiv; Demos und so), der mir sagt: „Ach lass doch… es ist ja wirklich alles richtig was Du sagst, aber es bringt doch nichts… die Geschichte zeigt, es ändert sich doch nichts (an Ungerechtigkeiten in der Welt)…“

    Also… ich mach dann einfach mal weiter. Vielleicht ist der Trugschluss nur der, dass man/wir es einmal ein für allemal „geschafft“ haben könnte/n. Vielleicht muss jede Generation wieder neu ran. In diesem Sinne…

    herzliche Grüße,
    Sabine

  4. Hallo Thomas,
    vielen Dank für den Beitrag, der reflektiert und nicht so eintönig ist, wie die der anderer „Gesinnungsgenossen“. Ich finde es immer spannend, wie über Mangel an politischer Bildung gerade von jenen geklagt wird, die selbst ordentlich Aufholbedarf hätten. Der aktuelle Ruck, der durch die Gesellschaften geht (mit Trump, AFD, Brexit usw.) ist ein Aufwachen bei der Bevölkerung, die jahrelang mit sich alles hat machen lassen. Ein Großteil lässt auch noch alles mit sich machen, wie die Entwicklung der letzten Jahre erschreckend zeigt. Jeder der den bestehend etablierten Eliten Verachtung, Misstrauen und Wut entgegenbringt ist aus meiner Sicht jemand, der sich nicht durch political correctnes und dem verlogenen Geschwätz einlullen lässt.
    Dass du die Rente ansprichst finde ich ganz treffend. Eine größere Unterscheidung zwischen SPDCDUCSUFDPGrüne ist nicht notwendig, alle haben das gleiche linksgrüne Parteiprogramm zum Schaden und auf Kosten der Mittelschicht. Was haben diese „Volksvertreter“ die letzten Jahrzehnte umgesetzt?
    Ich muss von meinem Gehalt über 70% an den Staat (=regierende Elite) abführen. Das sind die Lohnsteuer, die Versicherungsbeiträge, das sind EEG Umlagen die ich über den Strompreis finanziere, Mineralölsteuer, diverse weitere Steuern, Misswirtschaft die ich in den Verbraucherpreisen habe. Nun sagt mir der Staat, dass meine Rente leider nicht zum Leben reichen wird und ich privat vorsorgen muss. Er hat also meine gesetzliche Rente verprasst. Nun soll ich also von den verbleibenden 30% eine Altersvorsorge aufbauen. Nun hat aber die EZB zusammen mit den korrupten Regierungen Europas (insbesondere Deutschlands) den Zins auf 0% gesenkt (seit vielen Jahren ist der Realzins ohnehin schon im negativen Bereich, außer man ist Zocker an der Börse). Das bedeutet, dass ein bedeutender Teil von dem was ich von den 30% abzwacke um mir damit im Alter ein angenehmes Leben zu ermöglichen, auch noch vom Staat enteignet wird.
    Die Frage ist, was passiert mit dem Geld, das in diesen fetten Jahren in Form von Steuereinnahmen fließt? Es wird ans EU Ausland verschenkt und es ist natürlich klar, dass kein Grieche, Spanier oder irgendein EU Bürger was davon hat. Das überwiesene Geld ging 1:1 wieder zurück an die Banken, denn Griechenland hat damit ihre Kreditschulden bedient. Die Kapitalindustrie hat also für horrende Zinssätze Geld an Griechenland und die Südstaaten verliehen, hat Jahrelang dick Kasse gemacht, hat für ein hohes Risiko viel Zinsen kassiert und nun, wo das Risiko zum tragen kommt, muss der Bürger bezahlen. Das ist kein Geheimnis. Wer hat die Märkte für so ein Gezocke vorbereitet? Wer hat tausendfach PPP Projekte gestartet, für die der Bürger noch Jahrzehnte draufzahlen wird? Wer hat die Finanzmärkte dereguliert? Die SPD, die CDU, die ganze verlogene, korrupte Junta.
    Was passiert noch mit der Kohle, die dem Deutschen abgezockt wird? Man lässt über 1 Mio Leute ins Land, mit einziger Perspektive auf den Billiglohnarbeitsmarkt, ohne Konzept für eine Integration, lässt sie voll in unser Sozial- und Gesundheitssystem. Wenn ich heute längere Zeit arbeitslos bin, dann ist schnell vergessen, wie lange ich 70% von meinem Gehalt abgeführt habe.
    Sorry Thomas, es gibt keinen, aber wirklich keinen Grund die bestehende politische Kaste auch nur zu 1% weiter zu unterstützen. AFD, Trump oder weiß der Geier welche Parteien und Menschen da noch hervorkommen werden, haben dafür sicher keine Lösung. Aber es besteht eine ganz geringe Chance, dass dieses dreckige korrupte System wenigstens gestört wird. Wer den alten Mist wählt, wird an dem maroden System nichts ändern.
    Das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen, die nächsten Jahre wird nun nur noch die Rechnung präsentiert. Beispielsweise in 40% Mietpreissteigerung innerhalb der letzten 5 Jahre (wie das hier in der Gegend ist), oder eine Verdoppelung der Nahrungsmittelpreise innerhalb der letzten 5 Jahre (bei 0% Inflation, wie das wohl geht, hat da jemand die Leute vielleicht mit ein bisschen Statistik verarscht?).
    Vielleicht sieht man das alles viel entspannter wenn man schon älter ist und was auf der Kante hat. Oder wenn man kaum was verdient und ohnehin nichts mehr bleibt. Wer aber wie ich zu Mittelschicht gehört, sieht wie unsere Infrastruktur verfällt, wie die Zukunftsaussichten immer mieser werden, wie das eigene Geld verprasst wird, dass eine kalte Metrobratwurstsemmel am Weihnachtsmarkt 5 Euro kostet, der fühlt sich einfach nur noch verarscht. Das hat nichts mit rechtsextremen Gedankengut zu tun. Nichts mit Fremdenfeindlichkeit, wie das ja immer von den linksgrün denkenden Menschen und den Medien dargestellt wird. Es mag auch sein, das der westlichen Welt etwas mehr Altruismus gut stehen würde, wie sich das viele wünschen. Aber im Moment spende ich 70% von meinem Gehalt und einen guten Teil meiner privaten Altersvorsorge. Und das Ergebnis ist eine Jugendarbeitslosigkeit von 50% in den Südstaaten der EU, mit der man mit einem 1 Milliarden Paket antwortet, während man der Bankenindustrie alleine im Monat 60 Mrd Euro über die EZB in den Rachen wirft. Griechenland ist nach zig „Rettungspaketen“ am Ende und wenn ich mir ansehe, in was für einen Zustand Italien, Spanien oder Frankreich ist, dann scheint diese hochgelobte EU wohl nicht zum Wohlstand der Bürger beizutragen. Oder eine massive Kinderarmut in Deutschland, die höchstens als Nervenkitzel zweimal im Jahr in der Bild Zeitung herhalten muss.
    Selbst als unpolitischer Mensch sollte man anfangen nachzudenken, wenn man alleine die Tendenz ansieht, welche die eigene Einkommens- und Abgabeentwicklung nimmt und was mit diesem Geld gemacht wird. Das ist eigentlich eine ziemlich rationale Angelegenheit, die nicht einmal etwas mit politischer Gesinnung zu tun hat.
    Allerdings muss ich auch nochmal betonen, dass ich weder unser politisches System, noch die Entwicklung für ungerecht halte. Die Deutschen haben das ja immer wieder gewählt und fanden diese wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte offensichtlich positiv. Wir leben ja in einer Demokratie und wenn alle sich für das entscheiden, dann ist das völlig ok (Nichtwähler sind mit allem zufrieden und zählen für mich zu den Wählern des Establishments dazu). Und wenn die Bürger ihre Pflicht, sich politisch zu informieren, nicht wahrnehmen, dann entfällt auch das Recht auf Wohlstand und ein angenehmes Leben. Insoweit ist alles völlig in Ordnung und das Gejammer auch wieder sehr unterhaltsam.

    Herzliche Grüße
    Karl Friedrich

  5. Ein wenig Brot für ’s tumbe Wahlvolk, spielen werden wir weiterhin unter uns und damit ist es auch nicht nötig die derzeitige Entwicklung der Ökonomie, Ökologie und Verteilstrategie aufzuhalten? Ein Ende ist eh absehbar. Erinnert mich an die mittelalterliche Kirche. Da wurde den Armen die da schufteten für das Wohl der Oberen das Paradies versprochen, nun ist es die Rente. Das ist Fortschritt.

    • Guter Vergleich. Ja, exakt so ist es in einer säkularen Gesellschaft: eine ausreichende Rente ist das alternative Versprechen zum Paradies und auch viel konkreter.

      Im Gegensatz zu früheren Zeiten können wir heute alle aktiv am politisch Diskurs teilhaben. Wir müssen es nur wollen. Offensichtlich will es aber die Mehrheit nicht. Das ist weder überraschend noch verwerflich. Die Mehrheit will auch nicht Unternehmer sein, sondern bevorzugt das Mitarbeiterdasein.

    • Ein Missverständnis. Ich denke du entmündigst das Wahlvolk (vieh) damit erneut und mir kommt das auch ein wenig zynisch vor. Zudem ich als Atheistin so meine Problem mit dem Glauben ans Paradies habe und als Teilzeit Realistin diesselben mit der auskömmlichen Rente, beosnders, wenn ich an die Finazierbarkeit solcher „Wohltaten“ denke. Mit der freiwillig uninformierten Mehrheit gebe ich dir Recht, wobei ich – leicht paranoid – den Verblödungsmedien eine beabsichtigte Mitschuld unterstelle. Ja ich weiß, man kann den Verlockungen der Verblödungsindustrie widerstehen, ab und an sind sie allerdings zu sirenenartig…;) Die Mehrheit einzulullen halte ich dennoch nicht für den richtigen Weg. Das erscheint mir wie eine etwas überhebliche weitere Entmündigung. Das Unwohlsein dieser sich in letzter Zeit so lautstark präsentierende Mehrheit wird (siehe Trump) kanalisiert und umgeleitet. Die Urasche die diese Mehrheit aber umtreibt dürfte eher hier zu finden sein. (ich lasse jemand besseren für mich sprechen der das eloquent ausdrückt: Georg Schramm https://www.youtube.com/watch?v=-ZwsmVthQUs

    • Es liegt mir fern, jemanden zu entmündigen. Denn Mündigkeit ist etwas, das man sich erwirbt. Und dieses Erwerben setzt einerseits voraus, dass man Zugang zu allem hat, um sich kompetent zu machen, aber andererseits auch, dass man das tut, was Kant bestens schon vor über 200 Jahren formulierte: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ Ich bin es müde, mir seit Jahrzehnten anhören zu müssen, dass der breiten Mehrheit versagt sei, sich zu bilden und es konservative, später neoliberale Eliten wären, die systematisch das Volk medial unaufgeklärt halten. Vielmehr stellt sich heraus, dass es selbst geschaffene Komfortzonen sind, die uns saturiert und behäbig machen. Wir delegieren die Sicherung dieser Komfortzone an eine Wirtschaft und eine Verwaltung, die zu überwachen bzw. einzusetzen wir eine Regierung beauftragen. Jetzt ist die Komfortzone gefährdet und wir drohen mit dem Entzug des Regierungsauftrages. Aber sicher wählen wir dann keine, die uns erklärt, dass wir unser Komfortzone verlassen müssen. Was mich politisch über die vergangenen Jahrzehnte enttäuschte, ist, dass es national und international keiner linkspolitischen Regierung irgendwann mal gelungen ist, ein nachhaltig stabiles Gesellschaftsmodell zu installieren. Aktuelles Beispiel: Venezuela.

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